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02.07.2010 15:26 Alter: 9 Monat(e)
Kategorien: Heilquelle

Folsäure - ein lebenswichtiges Vitamin


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© obs/Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit

Das B-Vitamin Folsäure ist zur Bildung und Organisation der Erbsubstanz und neurologischer Strukturen unverzichtbar. Die empfohlene tägliche Aufnahme von 0,4 mg des Vitamins kann jedoch selbst durch eine ausgewogene Kost nicht erreicht werden. Deshalb wird die tägliche Folsäureeinnahme von 0,4 mg in Form einer Tablette vor allem jungen Frauen empfohlen, die schwanger werden können oder wollen. Denn das Vitamin trägt im ersten Lebensmonat wesentlich dazu bei, das heranwachsende Kind vor Fehlbildungen des Gehirns und Rückenmarks (Spina bifida) und vor einem Frühabort zu schützen.

Folat ist ein natürliches Vitamin, das vor allem in frischem Blattgemüse (Spinat, Salate, Weißkohl), anderen Gemüsearten (Tomaten, Bohnen, Spargel), Kartoffeln, Obst (Orangen, Trauben), besonders reichlich auch in Weizenkeimen und naturbelassenen Getreideprodukten (z.B. Vollkornbrot) enthalten ist. Es wurde zuerst in Blattgemüse (Spinat) isoliert und hiernach benannt. Folate werden in mehreren Stoffwechselschritten in Folsäure umgewandelt.

Weil natürliche Folate durch Hitze (z.B. Kochen) teilweise zerstört und nur etwa die Hälfte der Folate über die Nahrung im Darm aufgenommen werden, lässt sich der Tagesbedarf über folathaltige Nahrungsmittel allein ? vor allem bei erhöhtem Bedarf während einer Schwangerschaft ? nicht decken. Hingegen ist Folsäure als künstlich (synthetisch) hergestelltes B-Vitamin chemisch wesentlich stabiler als natürliche Folate und wird zu fast 100 % im Darm aufgenommen.

Weil Folsäure für die Bildung und Organisation der Erbsubstanz und neurologischer Strukturen, z.B. für die Ausbildung des Neuralrohres, aus dem sich Gehirn und Rückenmark entwickeln, unverzichtbar ist, wird zur Optimierung des Folsäurebestandes im Körper die tägliche zusätzliche Einnahme von Folsäure empfohlen (s.u.).

Eindeutig belegt ist, dass bei einem Mangel von Folsäure zwischen dem 20. und 27. Schwangerschaftstag Fehlbildungen des Gehirns und Rückenmarkes (z.B. Spina bifida) gehäuft auftreten können. Belegt ist ebenfalls eine erhöhte Neigung zu Frühaborten. Es wird vermutet, dass Folsäuremangel das Auftreten von kindlichen Leukämien und der Trisomie 21 (Mongolismus) begünstigt. Folsäure senkt das Homocystein im Blut und schützt so gegen Arteriosklerose, Herzinfarkt, Hirnblutungen, Embolien und Thrombosen.

Die häufigsten Ursachen eines Folsäuremangels sind
- eine Schwangerschaft, bei der ein erhöhter Bedarf besteht
- Mangelernährung bei Alkoholismus und direkte Einwirkung von Alkohol auf Folate
- chronische Durchfallerkrankungen und Malabsorptionssyndrome: hierbei können Folate (und andere Vitamine) nur vermindert aufgenommen werden
- bei/nach zytostatischer (Krebs-) Therapie
- langfristige Einnahme der Antiepileptika (Barbiturate, Primidon, Phenytoin)
- Fastenkuren vor oder während einer Schwangerschaft

Dabei ist es einfach, sich vor einem Folsäuremangel durch geeignete vorbeugende Maßnahmen, die Folsäureprophylaxe, zu schützen. Eindeutig konnte nachgewiesen werden, dass durch die vorsorgliche tägliche Einnahme von 0,4 mg Folsäure pro Tag die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen des Gehirns und Rückenmarkes sowie das Absterben des Kindes in der Frühschwangerschaft (Frühabort) um etwa 70 % sinken. Deshalb wird in Deutschland eine Anreicherung der Grundnahrungsmittel Mehl (erstes zertifiziertes Folsäure-angereichertes Mehl von LIDL) und Salz angestrebt, wie es in anderen Ländern bereits üblich ist. Eine unkontrollierte ?wilde? Anreicherung vieler Nahrungsmittel wird wegen möglicher Nebenwirkungen abgelehnt (vgl. http://www.ak-folsaeure.de ).

Derzeitige Empfehlungen zur Folsäureprophylaxe für Frauen im Alter zwischen 15 und 35 (40) Jahren, z.B. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde, u.a (gilt vor allem für alle Frauen, die eine Schwangerschaft planen): 0,4-0,8 mg Folsäure (in Tablettenform) spätestens einen bis drei Monate vor und drei Monate nach Beginn einer Schwangerschaft.

Weil ohnehin ein erhöhter Folsäurebedarf während der ganzen Schwangerschaft besteht, ist die Einnahme von Folsäure während der ganzen Schwangerschaft wünschenswert. Sie hat jedoch nach dem 1. Lebensmonat keinen Einfluss mehr auf die Entstehung des Nervensystems.

Achtung: Der notwendige Bedarf an Folsäure kann nicht durch eine "natürliche" Ernährung allein gedeckt werden.

Text: Dr. med. August Ermert

Dr. August Ermert, Kinder- und Jugendarzt, ist Mitgründer der ARQUE e.V. in Mainz und wissenschaftlicher Beirat der Bundesvereinigung Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus (ASbH e.V.).  In den letzten Jahrzehnten bis heute hat Dr. Ermert entscheidend dazu beigetragen, dass sich die medizinischen sowie sozialen Bedingungen für Menschen mit Spina bifida verbessert haben. Dabei hatte er auch die Ursachenforschung stets im Blick.

 


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