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27.07.2010 00:00 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Wer ist Bruno K. ?


Um den Innenhof sind mehrere Gebäude mit unzähligen Räumen (Gesamtfläche ca. 3.000 m2), beeindruckenden Werkstätten, einem einzigartigen Künstlerhotel und dem Museum Bruno K. untergebracht.

Um den Innenhof sind mehrere Gebäude mit unzähligen Räumen (Gesamtfläche ca. 3.000 m2), beeindruckenden Werkstätten, einem einzigartigen Künstlerhotel und dem Museum Bruno K. untergebracht. © Bruno K.

Die imaginäre Flotte des  Kapitän Guardian – am Anfang war das Rad. Den Fahrzeugen folgen Schiffe, den Schiffen folgen schließlich Flugzeuge.

Die imaginäre Flotte des Kapitän Guardian – am Anfang war das Rad. Den Fahrzeugen folgen Schiffe, den Schiffen folgen schließlich Flugzeuge. © Bruno K.

Absolutes Highligth in puncto „Fahrzeugtechnik“: der so genannte Simultan-Simulator ODYSSEUS 2010.

Absolutes Highligth in puncto „Fahrzeugtechnik“: der so genannte Simultan-Simulator ODYSSEUS 2010. © Bruno K.

Ganz gleich ob Treppenaufgang, Küchenblock, Hochbett oder Tisch – der geölte Stahl ist ein Markenzeichen von Bruno K..

Ganz gleich ob Treppenaufgang, Küchenblock, Hochbett oder Tisch – der geölte Stahl ist ein Markenzeichen von Bruno K.. © Bruno K.

Um es gleich vorweg zu nehmen – Bruno K. sind Viele. Viele Ideen, viele Projekte, viele Dinge, viele Quadratmeter.

Den besten Einblick in die kreative Welt des Bildhauers, Aktionskünstlers und Baumeisters bekommt man bei einem Besuch in Volxheim. Hier hat der heute 53jährige im Jahr 1992 ein stattliches Hofgut erworben und für seine Zwecke umgebaut und erweitert. In mehreren Gebäuden mit unzähligen Räumen (Gesamtfläche ca. 3.000 m2) sind beeindruckende Werkstätten, ein einzigartiges Künstlerhotel und das Museum Bruno K. untergebracht.
Hier sind die unterschiedlichsten Ergebnisse künstlerischer Arbeit der letzten 30 Jahre exemplarisch ausgestellt oder zu Inszenierungen verdichtet. Bei einer Museumsführung, zu der sich Besucherinnen und Besucher ebenso wie der Künstler selbst, viel Zeit lassen sollten, erfährt man nicht nur Wissenswertes über einzelne Exponate, sondern erhält auch Einblick in ein Leben voller Kreativität und Tatendrang.

Der bis heute ungebrochene Freiheits- und Gestaltungswille äußert sich bei Bruno K. schon sehr früh. Bereits ab dem 13. Lebensjahr präsentiert er provokativ und selbstbewusst seine künstlerischen Produkte der Öffentlichkeit, die größtenteils irritiert und fassungslos  reagiert. Denn das, was dieser Junge da als Kunst deklariert, sind keine hübschen Bilder, sondern Räume voller Müll, arrangiert zu Objekten und Collagen, ironisch, eklig und frech. Ganz zu Schweigen vom persönlichen Outfit und den Aktionen a lá Fluxus. Aber Unverständnis und Ablehnung führen bei dem Jugendlichen nie dazu, seinen Lebensentwurf zu revidieren. Und so studiert er schließlich ab 1977 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und anschließend an der Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt am Main, wo er 1984 von Prof. Michael Croissant zum Meisterschüler ernannt wird.

Zwei aufeinanderfolgende Studienreisen nach Ägypten und New York im Jahr 1981 können als Schlüsselerlebnis in der künstlerischen Entwicklung von Bruno K. gesehen werden. Diese beiden Reisen sind es, die ihm ein bis heute zentrales Thema seiner Arbeit liefern: Am Anfang war das Rad.
So entsteht Anfang der 80erJahre ein regelrechter Bausatz unterschiedlicher Fahrzeuge, die nicht selten auch zu Aktionen im öffentlichen Raum genutzt werden. Den Fahrzeugen folgen Schiffe, den Schiffen folgen schließlich Flugzeuge. Auf diese Weise wird die gesamte Bandbreite an Fortbewegungsmitteln zu Land, zu Wasser und in der Luft durchdekliniert, wobei sich deren Duktus im Laufe der Jahre enorm verändert.
Sind die Anfänge eher kriegerisch-mittelalterlich geprägt, wirken die Objekte und Installationen der 90er Jahre meist technisch, kühl und distanziert. Im Gegensatz dazu sind die Arbeiten der letzten Jahre wesentlich poetischer und humorvoller.  Dies wird vor allem bei der stetig größer werdenden Luftschiffarmada deutlich, die inzwischen durch mehrere Museumsräume und Gästezimmer fliegt und so das Publikum erheitert.

Absolutes Highligth in puncto „Fahrzeugtechnik“  ist der so genannte Simultan-Simulator ODYSSEUS 2010. Dieses Gerät simuliert auf einfachste Weise einen Tauchgang in unbekannte Tiefseeregionen, aber auch eine Geländefahrt durch unwegsames Gelände  oder einen Shuttleflug ins Weltall.
Vor kurzem war ODYSSEUS 2010 auf der Kunstmesse in Mainz der Publikumsmagnet. Jetzt steht er im Museum Bruno K. und wartet auf Testpersonen für weitere Exkursionen. (www.Raumfahrschule.de)

Kommen wir von der mobilen zur immobilen Welt des Bruno K. Größer könnte der Gegensatz gar nicht sein.  Einerseits luftige Flugobjekte, andererseits tonnenschwere Architektur, raumbildende Maßnahmen und Unikatmöbel. Bevorzugtes Material: Schwarzer Stahl in Kombination mit Holz, Glas und Stein. Ganz gleich ob Treppenaufgang, Küchenblock, Hochbett oder Tisch – der geölte Stahl ist ein Markenzeichen von Bruno K.s Design und nicht selten ist auch noch irgendwo ein Rad dran. Heißt ja auch arte mobiliar. (www.bruno-k.de).

Ein weiterer Baustein im Gesamtkunstwerk von Bruno K. ist die inszenierte Fotografie. Anfang der 80er Jahre entstehen die ersten Aktionsfotoserien in schwarz-weiß. Der Künstler agiert mit skulpturalen Alltagsgegenständen im hermetischen Bühnenraum. Die Fotosequenzen suggerieren durch ihre Reihung eine fortlaufende Bewegung.

In den 90er Jahren verschwindet der Künstler vom Foto. Jetzt übernehmen Gegenstände die Rolle des Protagonisten. Außerdem wendet sich Bruno K. zunehmend der Farbfotografie zu. Vor einigen Jahren schließlich entdeckt der Künstler die Digitaltechnik für sich und schlägt damit noch einmal ein neues Kapitel im Bereich der inszenierten Fotografie auf. Es entstehen kleinformatige Fotobücher zu verschiedenen Themen, wie TRAUMHAUS + Co, Odyssee im Weltraum, de Zuch kött. Dabei werden Gebrauchsutensilien zu Architekturmodellen, Raumschiffen oder Karnevalsmotivwagen.

Heute wie damals offenbart Bruno K. die vielfältigen Einsatz-Möglichkeiten und Bedeutungsebenen, die in den Dingen unseres Alltags schlummern. Er will uns ermutigen, etwas genauer hinzuschauen, etwas tiefer einzudringen, um die Dinge besser verstehen zu lernen. Dabei ist auch der Gedanke des Direkt-Recyclings unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung ein wichtiger Aspekt. Beim Rundgang durch das Museum Bruno K. wir man feststellen: Wiederverwertung kann nicht nur sinnvoll sondern auch sinnlich sein.

Text: von und über Bruno K.

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