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02.07.2012 00:00 Alter: 5 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Im Jahresurlaub am Himmel über Afrika


In den Wolken © Susanne Schödel

In Bitterwasser © Susanne Schödel

Am Himmel über Afrika © Susanne Schödel

WM 2011 in Schweden © Susanne Schödel

Die Segelflug-Weltmeisterin Susanne Schödel aus Frankfurt bereitet sich auf die nächste Herausforderung in Texas vor.

Über neun Stunden schwerelos mit der Thermik unterwegs, Wasser, Datteln, Käsebrot, Traubenzucker und Sauerstoff im Gepäck: Susanne Schödel (39) flog zwischen Weihnachten und Neujahr über Namibia und Botswana gleich drei Segelflug-Weltrekorde ein. Die hauptberufliche Geschäftsführerin des Vereins zur Heilung von Brustkrebs Susan G. Komen Deutschland e.V., die sich in ihrer Freizeit auch bei Frankfurt am Main als Fluglehrerin engagiert, ist bereits amtierende Segelflug-Weltmeisterin. Nun bereitet sich die Frankfurterin auf die offene Weltmeisterschaft im Sommer 2012 in Uvalde/Texas vor, wo Frauen (noch) die Ausnahme sind.

Was Susanne Schödel außer der fliegerischen Herausforderung über der Hochebene noch motiviert? "Das Licht, die Farben, die gigantischen, menschenleeren Gebiete unter den schneeweißen Cumuli. Aus bis zu 4000 Metern Höhe verwischt sich die Landschaft zu unglaublich schönen Strukturen, da zählen keine Details." In Namibia, wo die neue Streckenweltrekordlerin schon mehrere Male vom internationalen Segelflugzentrum Bitterwasser mitten in der Kalahari aus in den Himmel über Afrika startete, hat sie besonders die spektakuläre Naukluft-Gebirgslandschaft in der Namib-Wüste begeistert mit den vielfach marmorierten Gipfeln, tiefen Schluchten und schlängelnden Bächen.

So viel Energie und Konzentration das Schweben über den Wolken auch kostet, Susanne Schödel bezieht daraus auch Kraft: "Oben in der Luft bin ich ein kleiner, aber fühlbar integraler Teil der Natur", sagt sie, "alles wird eins, das Schwere bleibt zurück." Die Schwere steckt auch im beruflichen Alltag. Die leidenschaftliche Segelfliegerin sorgt werktags dafür, dass möglichst viele Frauen in Deutschland ihr Risiko einschätzen können, an Brustkrebs zu erkranken, und dass erkrankte Frauen die bestmögliche Therapie und Unterstützung erhalten. Als Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Komen Deutschland koordiniert Susanne Schödel die Spendensammlungen und Vergabe von Geldern, mit denen in Deutschland modellhafte Projekte für konkrete Hilfe und Versorgungsforschung gefördert werden.

"Wir führen in Frankfurt, Hamburg und jetzt auch in Köln den Race for the Cure durch, der zur weltweit größten Fundraising-Veranstaltung gehört." Der Benefizlauf wurde ursprünglich vor 30 Jahren von Komen-Pionierinnen um Nancy G. Brinker in Dallas/Texas erdacht. Die Gruppe wollte damit die Mission von Susan G. Komen erfüllen, die ihrer Schwester Nancy aufgetragen hatte, alles gegen die Erkrankung zu unternehmen, der sie 1980 mit 36 Jahren erlag. Der Lauf gegen Brustkrebs ist neben Veranstaltungen und Marketingkooperationen in vielen Ländern die Methode, Spenden für den guten Zweck zu sammeln. Besonders stolz ist Susanne Schödel auf die "Pink-Infotasche", die von der langjährigen Komen-Vorsitzenden Irene Menzel in Deutschland eingeführt wurde. "Darin steckt das aktuelle Wissen zur Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs. Komen Deutschland sorgt dafür, dass betroffene Frauen in zertifizierten Brustzentren schon am Krankenbett bestens informiert werden über ihre Erkrankung, die Therapie und Hilfsangebote."

Dass die Auseinandersetzung mit der letztlich noch nicht hinreichend erkannten Erkrankung nicht immer leicht ist, verhehlt Susanne Schödel nicht. "Aber es ist gut zu wissen, dass ich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit gesunder Ernährung und Bewegung verringern kann, und die Risikogruppen darüber hinaus mit engmaschiger Früherkennung ihre Heilungschancen sehr erhöhen." Wenn sie in ihrer Freizeit gerade mal nicht wieder erfolgreich unter den Wolken rings um das Rheinmaingebiet den Kampf mit den Elementen aufnimmt und dabei die Erdenschwere abstreift, joggt sie für die Ausdauer am Boden. Und natürlich ist sie nicht nur in Deutschland am Start des Race for the Cure dabei.

"Schade, dass zur Zeit der Segelflug-WM im Mutterland des Benefizlaufs gerade kein Race for the Cure stattfindet", bedauert sie, "das wäre für mich das I-Tüpfelchen des Jahres gewesen". Dennoch werden Ende Juli die Laufschuhe im Gepäck nach Texas nicht fehlen, und immerhin wird sie sich mit den Komen-Kollegen aus San Antonio austauschen. Denn die Mission, Erkrankte nicht allein zu lassen und aufzuklären über Brustkrebs, beschränkt Susanne Schödel nicht auf acht Stunden im Beruf. Nur das Schweben über riesige Gebirge, tiefe Canyons und endlose Wüsten, diesmal auch an der Grenze zu Mexiko, gehört der Segelflug-Weltmeisterin ganz allein.

Text: Karin Willen

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