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< Die Farben der Welt (Teil 1)
31.05.2013 12:56 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Die Farben der Welt (Teil 2)


Fjordland, Neuseeland, wurde 1986 aufgrund seiner außerordentlichen Naturschönheiten in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. © Rob Suisted

Auf dem Weg nach „Isengard“, Schauplatz von „Herr der Ringe“, auch „Der Hobbit“ wurde hier gedreht, Queenstown. © Miles Holden

Der Küstenwanderweg macht es leicht, die Schönheit des Abel Tasman National Park, Neuseeland, zu entdecken. Der Coast Track ist einer der bekanntesten Wege in New Zealand. © Ian Trafford

Der Süden von Waiheke Island, Auckland, Rocky Bay, Neuseeland, ist ein Paradies für Künstler und Bootsbesitzer. © Kieran Scott

Nepal, © Raphael Vergin

Nepal, © Raphael Vergin

Die Faszination des Himalaya erfasst nicht nur Bergsteiger, jede/r Nepal-Reisende ist fasziniert von den Naturschauspielen, die sich bei jeder Bewegung offenbaren. © Raphael Vergin

Die Golden Gate Bridge war bis zum Jahr 1964 mit einer Hauptstützweite von 1.280 Meter die längste Hängebrücke der Welt. © San Francisco Travel Association/Scott Chernis

An einem sonnigen Tag sind San Franziscos Strände unschlagbar, sei es Baker oder Ocean Beach – jede Wahl ist die richtig. © San Francisco Travel Association/Scott Chernis

Die Zeit zwischen Abitur und Studium nutzen viele, sich in der Welt umzuschauen, neue Lebensformen zu entdecken und andere Kulturen kennenzulernen. Nicht anders dachte Ellen E., die vor 23 Jahren aus dem reinMein-Gebiet zusammen mit ihrer Freundin nach Neuseeland aufbrach und jetzt seit 20 Jahren auf Hawaii lebt.

„Wie bin ich eigentlich nach Hawaii gekommen? Das war nie geplant. Noch vor dem  Abitur überlegte ich mit meiner Freundin – wir waren gerade in den Ferien auf Kreta – nach den Prüfungen nach Neuseeland zu reisen. Ich hatte mich für Sozialpädagogik eingeschrieben und wollte mit Kindern arbeiten, die Probleme hatten.

Neuseeland hat dann mein Leben verändert. Die Landschaft war traumhaft schön, die Menschen so nett. Sie haben uns beim Trampen mitgenommen, zum Essen oder zum Übernachten eingeladen. Dort habe ich Gerard und seinen Freund kennengelernt, die den Rest meines Lebens geprägt haben. Wir haben ungefähr zwei, drei Wochen bei ihm gewohnt. Er war Fotograf, der in den letzten zehn Jahren nur gereist war. Er zeigte mir Fotos aus Asien, die mich genauso faszinierten wie der Mann selbst, ein unglaublich netter, aufmerksamer Weltenbummler, der mal hier, mal dort lebte.
Meine Freundin und ich hatten dann den Flug zurück über Singapur nach Deutschland. Wir haben einfach bei der Fluggesellschaft nachgefragt, ob wir von Singapur später zurückfliegen könnten – das war vor 23 Jahren noch gar kein Problem. Von Singapur aus sind wir mit dem Zug nach Thailand gefahren. Dort habe ich wieder Leute kennengelernt, die aus ihrem geregelten Leben ausgestiegen sind.
Ich habe auf einer Insel gelebt, geschnorchelt, Sonnenuntergänge gesehen, Natur erlebt und ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder zurück nach Deutschland und in Frankfurt zur Uni zu gehen.


Die lange Reise  um die Welt

Nach drei Monaten sind wir nach Deutschland zurückgeflogen, ich habe alle meine Sachen verkauft und mir ein One-Way-Ticket nach Nepal gekauft. Nepal deswegen, weil mir Gerard so viel von Kathmandu erzählt hatte. Das Alleinreisen fand ich superschön, ich hatte auch nie schlechte Erfahrungen, ich habe immer ganz tolle Leute kennengelernt. Ich denke, ich habe ein Gespür für die Menschen. Ich habe Männer getroffen, mit denen ich tagelang ein Zimmer geteilt, meine Taschen und mein Geld dort gelassen habe. Ich habe nie Angst, zum Beispiel vergewaltigt zu werden. Ich weiß, dass mir nichts passiert.

Nach Nepal war ich in Indien, dann in Sri Lanka, um wieder nach Indien zurückzufahren. Dann war ich in Thailand, Malaysia, in Singapur war ich sechs bis sieben Mal, Indonesien, Australien und wieder Thailand, bis ich schließlich in den Staaten in San Franzisco landete. Das waren etwa zweieinhalb Jahre Reisen. Bei der Einreise in die USA hatte ich nur fünf Dollar in der Tasche und keinen Platz zum Schlafen, das sind ganz schlechte Karten, um ein Visum zu bekommen – ich bekam es.
Ein Freund hat mich mit hausgemachten Cookies und Erdbeeren abgeholt, das werde ich nie vergessen. Wir haben dann bei einem Freund von ihm übernachtet. Von dort sind wir nach Portland und weiter getrampt. Ich trampe so gerne. Man lernt einfach so viele nette Menschen kennen. Ich war ein paar Monate in den Staaten aber ich habe mich immer ein bisschen verloren gefühlt, irgendwie nicht angekommen und wusste nicht, was ich weiter machen sollte.


Kick off

Bis ich eines Abends am Strand meine kleine Trommel auspackte, die ich eigentlich auf Reisen immer dabei habe, und einfach die Situation entscheiden lassen wollte, wohin es weitergeht. Ich trommelte ein bisschen und lernte einen anderen Trommler kennen. Er besuchte dort einen Freund und hat mir angeboten, auch dort zu übernachten. Er wollte am nächsten Morgen nach Honolulu zurückfliegen. Es war noch ganz früh am Morgen als er losmusste. Es war noch dunkel und ich musste ja dann auch das Haus verlassen. Er fragte, was ich denn jetzt machen würde und da ich sagte, dass ich keine Ahnung hätte, fragte er, ob ich keine Lust hätte, mit nach Hawaii zu kommen. Dazu muss ich sagen, dass  mir die Idee mit Hawaii schon vorher zweimal im Kopf herumging.
Ich hatte ja schon jemanden in Australien kennengelernt, auch einen Musiker, der mir von seinem tollen Erlebnis erzählt hatte. Wenn er auf seinem Boot Musik machte, Flöte spielte, dann sind immer Wale und Delfine gekommen. Und ich dachte, das würde ich auch gern einmal erleben – habe es dann aber auch wieder vergessen. Dort, wo ich in Portland bei meinem Freund gelebt hatte, gab es eine Landkarte von Hawaii und auch da dachte ich, ich fahre irgendwann einmal dorthin – und habe es wieder vergessen.
Na ja, und an diesem einen Tag habe ich mir eben ein Ticket nach Honolulu gekauft und es war erst mal ein bisschen schockierend, aber auch interessant. Es war mein letztes Geld und ich bin mit 40 Dollar auf Hawaii angekommen – was verrückt war, denn ich konnte dann auch nicht mehr von der Insel weg.

Nach der Ankunft am Flughafen von Honolulu habe ich auch wieder erst einmal getrommelt. Dabei habe ich Cindy kennengelernt, die auch gerade angekommen war. Sie lebt auf Big Island, sie kam zu mir und sagte, wenn es mir hier nicht gefallen würde, sollte ich nach Big Island kommen, dort wäre es viel schöner. Sie arbeite in einem Health Food Store und wenn ich vorbei käme, könnte sie mir sicher weiterhelfen. Damals habe ich Honolulu gehasst, überall diese Hochhäuser – heute finde ich es ganz witzig – und ich wollte nach Big Island. Der Typ am Flughafen hat mich gefragt, wohin ich fliegen wollte, nach Kona oder nach Hilo. Ich wusste es ja nicht und habe so lange überlegt, bis der Typ schon ganz ungeduldig wurde. Ich habe dann einfach schnell Hilo gesagt – und bin nach Hilo geflogen. Dort habe ich wieder eine Frau getroffen, das war übrigens 1992, die ich auch vor kurzem dort wieder getroffen habe und die eigentlich gar nicht lange bleiben wollte. Sie hat mir bei einer Farm, auf der sie mit ihrem Partner arbeitete, zu einem Job verholfen. Man musste Nüsse einsammeln und sie zerkleinern, das war viel schwere Arbeit für wenig Geld. Es hat mir nicht gefallen.

Als ich einmal trampte und durch Pahoa fuhr, lief mir Cindy wieder über den Weg, die ich bei meiner Ankunft am Flughafen von Honolulu getroffen hatte. Sie stand vor einem Health Food Store und sie wusste, dass es bei einer Farm Arbeit gab und schickte mich dorthin. Ich verdiente nicht viel, aber die Arbeit und die Erfahrungen, die ich dort machen konnte, waren gut.

Nach der Zeit auf der Farm arbeitete ich bei Jana. Sie lebte total auf dem Land, wollte nicht viel mit der westlichen Welt zu tun haben und war ein bisschen verrückt. Sie lebte in riesigen Gewächshäusern – wenn ich zurück bin, werde ich sie wieder besuchen – noch richtig auf dem Boden, auf Erde. In ihrer Küche musste sie Feuer machen, um zu kochen – und sie macht das schon seit 30 Jahren. Das bewundere ich. Ich bin da jetzt schon ein bisschen verwöhnter und möchte das so nicht mehr machen. Ich habe bei ihr als Babysitterin gearbeitet und auf ihre Kinder, die verschiedene Väter hatten, aufgepasst.  In Amerika sind schon Lebensformen zu finden, die die Menschen hier in Deutschland für vollkommen verrückt halten. Da muss ich an die Ellen denke, die vor vielen, vielen Jahren hier lebte, im knallengen roten Kleid, mit Zigarette und Walkman. Jetzt lebe ich auf Hawaii,  habe eine Machete und fahre mit dem Fahrrad durch die Gegend.

Es war toll bei Jana für neun Monat ganz auf dem Land zu leben. Du gehst raus, zu den Bäumen, schneidest alte Äste ab, machst jedes Mal damit Feuer, wenn du dir etwas zu essen machen willst. Erstaunlich und toll. Ich habe es jetzt ein bisschen bequemer, mit einem Herd. Auf Big Island kannst du aber auch auf jeden Fall mit wenig Geld leben. Du kannst so viel zu essen finden, Papayas, Avocados, Bananen. Du gehst einfach raus und findest jede Menge Essbares. Es ist jetzt aber auch nicht mehr so einfach, wie es war, als ich nach Big Island kam. Ich kenne jetzt eben auch viele Leute, die ein Grundstück haben und die die Früchte und alles was da wächst nicht selber verwerten können. Es wäre so schade, wenn es nicht verwertet würde. In Hilo gibt es ganz viele Grundstücke mit Mandarinen und Apfelsinen, die immer auf dem Boden liegen. Manche Besitzerinnen oder Besitzer sagen aber gerne ja, wenn man fragt, ob man die Früchte sammeln oder pflücken kann – ich habe jetzt genug Freunde und Bekannte hier, um zu wissen, wo ich Früchte pflücken kann.


Ständige Bewegung im Fluss des Lebens

10 Jahre habe ich nichts anderes als dieses Leben gebraucht.
Dann habe ich einen Job als Jongleurin angeboten bekommen und ich wollte meinen Status in Hawaii offiziell machen, weil ich auch wieder reisen wollte.
Meinen späteren Mann kannte ich von meinem Freund. Wir waren dauernd zu dritt zusammen unterwegs. Kurz bevor ich nach Deutschland zurückflog, um einen neuen Pass zu beantragen, waren wir in seinem Haus und er bot mir an: „Ich heirate dich, wenn du zurückkommst. Dann kannst du auch bei mir auf dem Land leben“.
Dann haben wir uns lange nicht gesehen. Doch als ich zurück gekommen war und wir uns wieder trafen, bestätigte er sein Angebot. Also haben wir geheiratet und ich hatte eine ganz offizielle Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.
Dann habe ich angefangen Yogaunterricht zu geben und vor zwei Jahren habe ich eine Weiterbildung in New York als Health Coach gemacht.
Doch jetzt fliege ich erst einmal von hier nach Thailand, um Freunde zu besuchen, bevor ich wieder nach Hause, nach Hilo, fliege.

Gespräch aufgezeichnet von: Sonja Lehnert

Zum ersten Teil der Erzählung: Die Farben der Welt (Teil 1)


Weitere Infos gibt es unter:


http.ellen-einhorn.healthcoach.integrativenutrition.com

www.kalani.com/
  
www.hawaiiansanctuary.com/

 


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