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16.02.2013 10:14 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Die Farben der Welt (Teil 1)


Die Fotos zeigen Big Island Hawaii und wurden 1998 von Dörthe Krohn aufgenommen.

Die Zeit zwischen Abitur und Studium nutzen viele, sich in der Welt umzuschauen, neue Lebensformen zu entdecken und andere Kulturen kennenzulernen. Nicht anders dachte Ellen E., die vor 23 Jahren aus dem reinMein-Gebiet zusammen mit ihrer Freundin nach Neuseeland aufbrach und jetzt seit 20 Jahren auf Hawaii lebt.

Ich lebe auf Big Island, der grünsten der Hawaii-Inseln. Sie wird von den Bergen Mauna Kea (4.205 m) und Mauna Loa (4.169 m über dem Meeresspiegel) geteilt. Mauna Kea ist übrigens vom Meeresgrund gemessen der höchste Berg der Welt, aber es ist eben nur die Spitze von ihm zu sehen. Und das auch nur morgens oder wenn die Sonne untergeht und es ganz klar ist. Das ist ein wahnsinnig schöner Anblick. Meistens sieht man aber gar nichts von ihm und man fragt sich, ob es Nebel oder Wolken sind – er ist dann einfach den Blicken verborgen. Wenn du ihn siehst, die Linie des Berges, eine Kirche vor seinem Umriss, wenn du nach Ka’Ohe hochfährst, ist das echt der Wahnsinn.

An der Westküste der Insel liegt Kona. Das Gebiet dort erinnert an Kalifornien und du denkst, du bist in der Wüste, wenn du von der anderen Seite der Insel kommst, so trocken ist es. Es gibt viel Lava dort und Kaffee wird angebaut. Die Region ist ziemlich touristisch, da dort auch die Strände und alle bekannten Hotels liegen. In Kona findet ganz normales städtisches Leben statt, Geschäfte, viel Verkehr und Touristen.

Wenn du von der Ostküste kommst, kannst du entweder durch die Berge oder an der Küste entlang fahren. Nimmst du den Weg durch die Berge, gelangst du durch die unterschiedlichsten Klimazonen. Im Winter, wenn es unten regnet, schneit es auf dem Berg. 

An der Ostküste ist es supergrün, da steht dir der Mund offen vor Staunen. Wenn ich jetzt wieder nach Hilo fliege, freue ich mich auch schon auf diesen grünen Anblick. Es ist so fruchtbar, weil sich durch die Berge die Wolken bei uns ausregnen. Es gibt sehr viele Biofarmen und Retreatcenter für die Menschen, die zu den verschiedensten Workshops kommen und für eine Weile der Zivilisation entfliehen wollen.

In den verschiedenen Communities finden die Besucher einfache aber auch sehr komfortable Unterkünfte, wo sie während ihrer Workshops wohnen können. Manche bieten nur Platz für sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer, andere wie Kalani Oceanside Retreat, wo ich als Yogalehrerin arbeite, können auch schon einmal 120 Leute gleichzeitig an einem Seminar teilnehmen. Dann ist das Zentrum allerdings auch wirklich voll und es wird von morgens 6 bis nachts um 1 Uhr zum Beispiel in einem  Seminar für Yogalehrer gearbeitet. Wer nur eine einfache Wohngelegenheit sucht, dem stehen aber auch kleine und eher primitive Hütten zur Verfügung.

Das kulturelle Angebot, Yoga, African Dance, Chakren und Esoterisches, wie Traumworkshops etc. vermisse ich hier in Deutschland sehr. Hawaii ist da im Gegensatz ein richtig spirituelles Zentrum. Das ganze Jahr kommen deswegen Besucher aus der ganzen Welt, aus Zentral- und Südamerika, aus Europa, auch viele Deutsche, aus den USA natürlich. Aber das ist das Tolle, dass alles so international ist. Das Beste an Big Island, dort wo ich lebe, ist, dass es ein bisschen so ist, als würde man auf dem Land leben. Wenn ich zur Post gehe oder zum Healthfood–Store,  kennen mich die Leute und wissen wie ich heiße, aber es ist eben auch kosmopolitisch und es ist mehr los, als üblicherweise in ländlichen Gegenden. Ständig kommen neue Leute von überallher, ständig laufen Workshops. Jeder kommt und geht, Besuch kommt und geht. Immer siehst du neue Leute. Gerade im Winter kommen viele vom Festland, Kalifornien, um einfach Partys zu feiern. Im Sommer, wenn auf dem Festland auch viel los ist, wird es auf Hawaii dann wieder ein bisschen ruhiger. 

Man kann von San Franzisco oder Los Angeles nach Honolulu fliegen, das sind fünf Stunden und dann braucht man noch mal 45 Minuten zur Insel. Zwischen den Inseln verkehren auch Flugzeuge, keine Fähren. Fährverkehr wurde einmal ausprobiert und ich hätte das gut gefunden, mit dem Auto von einer zur anderen Insel fahren zu können und alle Sachen dabei zu haben. Man hat aber festgestellt, dass die Wale dadurch gestört wurden und sie haben es dann wieder eingestellt.

Seit ich auf Big Island bin, lebe ich in Puna. Das ist schon ungewöhnlich für mich, weil ich auch gerne reise, aber es ist einfach so schön hier. Manchmal vergeht ein Jahr, bis ich wieder auf die andere Seite fahre. Eigentlich hat Kona nicht so viel Flair für mich, auch wenn dort die schönen Strände sind. Es gibt auch einige Probleme wegen des Vulkans, der ja immer aktiv ist. Manchmal ist die Luftqualität sehr schlecht. Vor zwei Jahren war es ganz schlimm als ich dort war. Alles sah metallisch und grau aus, fast giftig und man traute sich nicht aus dem Haus. Gut, dass die Berge für ein gutes Klima auf der Seite sorgen, wo ich lebe. 

Vor kurzem habe ich aber eine Frau kennengelernt, die in Kona lebt und ich besuche sie öfter. Sie kennt viele Leute und wir gehen zusammen aus. Seitdem habe ich nicht mehr das Gefühl, dort nur eine Touristin zu sein. Sie ist auch Deutsche und kennt jeden. Mit ihr trifft man die Leute, die dort leben und arbeiten.

Wir leben ja auf einem Vulkan und ganz bei mir in der Nähe kann ich kleine oder große Lavaströme besuchen. Bei meinem allerersten Besuch hatte ich ziemlich viel Angst und Respekt davor, aber da er immer fließt, bricht er auch nicht aus. Die Lava fließt ununterbrochen in den Ozean und schafft so neues Land – so sind ja alle hawaiianischen Inseln entstanden. Das ist auch immer wieder ein Spektakel für die Einwohner und erst recht für die Besucher. Jeder sitzt da und guckt zu. Die Ströme sind immer anders. Vor zwei Jahren konnte ich einen Strom beobachten, bei dem überall nur kleine blaue Flämmchen zu sehen waren. Die Bäume haben gebrannt, aber du hast keine Lava gesehen. Es war total warm, die Leute haben da mit einer Flasche Wein im Arm gesessen und haben sich das Naturwunder angeschaut. Ich bin aber nicht so oft dort. Es ist sehr anstrengend über die erstarrte Lava dorthin zu laufen. Ist man aber erst einmal dort,  hört man das Blubbern und kleine Explosionen, wenn die Lava in den Ozean fließt. Es wird eine unglaubliche Energie freigesetzt. Viele Künstler kommen auch gerade wegen dieser Energie nach Hawaii.

Auf der ländlichen Seite gibt es natürlich nicht so viele Möglichkeiten zum Ausgehen. Deshalb treffen wir uns privat. Ich habe manchmal an einem Abend gleich mehrere Einladungen zu einem Pot-Luck, zu dem jeder irgendetwas zum Essen und Trinken mitbringt. Pot-Lucks sind auf Hawaii die Regel, an Geburtstagen, bei Familienfesten oder wenn sich Freunde treffen. Jeder bringt etwas mit und niemand hat Stress und Arbeit mit den Vorbereitungen. Wir feiern eigentlich jeden Abend. Es gibt Abende, an denen ich sage, jetzt muss ich aber auch einmal zu Hause bleiben. 

Dann gibt es im Hawaiian Sanctuary oder im Kalani Oceanside Retreat immer wieder Art-Shows mit Malern und anderen Künstlern oder mit Modenschauen, bei denen ich und andere, die Kleidung entwerfen und herstellen, alles vorführen können. Jeder kommt mit Wein oder anderen Getränken und es ist viel los. 

Oder es gibt Jonglierabende oder Feuershows, bei denen ich aktiv mitmache – unsere Feuershows sind gut und es kommen viele Touristen, aber immer auch die Menschen, die dort leben und unsere Freunde natürlich. Ein Typ dort organisiert auch schon Festivals mit berühmten Künstlern, bei denen wir auch auftreten. Wir konnten umsonst im Hilton wohnen und ich hatte einen Stand, an dem ich meine Sachen verkaufen konnte. Die Leute kommen von den Staaten und von überall. 

Auch für Hochzeiten wird viel organisiert. Die Leute kommen zum Heiraten nach Hawaii, was ich auch gerne einmal organisieren würde. Die Hochzeiten, die ich planen würde, wären kein bisschen langweilig, wie so viele andere. Es ist doch ein besonderer Tag in deinem Leben. Ich bin schon so lange auf der Insel, dass ich natürlich auch die tollen Orte kenne, wo man ein einmaliges Fest feiern kann. Ich weiß, wo man was bekommt, z.B. die hawaiianische Kunst, spirituellen Tanz usw. Für die Hawaiianer ist der alte, traditionelle und rituelle Hula-Tanz (kahiko) eine heilige, spirituelle Tanzform. Ein Freund von mir arbeitet für einen Mann, der ein riesiges, wunderschönes Grundstück hat, wo auch oft solche Feste veranstaltet werden. 

Ich kenne einen anderen Mann, der wunderschöne Ketten aus Blättern macht, die wie Rosenblüten aussehen, das verschlägt einem die Sprache. Kunst aus Natur. Und natürlich gibt es die Leis, die einfach aber auch richtige Kunstwerke sein können. Ich würde die einheimischen Künstler beauftragen und so hätten auch die Menschen, die auf der Insel leben, ein Einkommen. Auf der Insel sind eigentlich alle meine Freunde künstlerisch begabt.

Und natürlich gibt es die Wale und Delfine – auch sie sind ein Thema, weswegen die Besucher kommen. Ich selbst mag dieses Whale-Watching nicht. Es ist zu viel Stress, hin und her zu fahren. Aber natürlich verstehe ich die Menschen, die extra dafür hierher kommen.

Die Wale kommen für sechs Monate von Alaska hierher, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Das sind die Humpback Whales, die Buckelwale. Ich habe schon so viele Erlebnisse mit ihnen gehabt. Ich bin zum Beispiel einmal mit dem Fahrrad am Meer entlang gefahren und immer wieder, wenn der Blick zum Wasser frei war, sah ich den Wal, der mich die ganze Fahrt über begleitete. Auch beim Kajakfahren oder Schwimmen habe ich Wale getroffen. Es sind aber nicht mehr so viele, wie zu der Zeit als ich nach Hawaii kam. Man sagt, die Armee habe zu viele Unterwasserversuche gemacht. Das habe die Wale gestört. 

Es gibt für das Whale-Watching der Touristen bestimmte Orte, die fast immer 100prozentig garantieren, die Tiere zu sehen. Ich sehe sie, weil ich hier lebe.

Es gibt auch die Pilotwhales, die Grindwale, die immer hier sind. Wie die Wasserschildkröten, die auch immer da sind. Die Strände auf dieser Seite sind allerdings gefährlich. Wir haben einen schwarzen Strand, der aprupt abfällt und wo die Strömung Schwimmerinnen und Schwimmer nach unten zieht. Ich habe sehr großen Respekt vor dem Ozean und gehe eigentlich nicht so gerne schwimmen. Auch auf der anderen Seite, bei Kona mit den schönen Stränden, bin ich einmal von der Strömung so weit abgetrieben worden, dass ich beinahe nicht zurückgekommen wäre. Die Wellen und die Strömung können unberechenbar sein. Vor zwei Jahren ist ein Freund, ein erfahrener Surfer, beim Surfen ums Leben gekommen.

Die Kinder hier wachsen natürlich mit dem Ozean auf und wissen von klein auf, wie sie Wellen und Ozean einzuschätzen haben.

Wie bin ich eigentlich nach Hawaii gekommen? – 

Das ist eine andere Geschichte und die können Sie, liebe Leserinnen und Leser, in der nächsten Ausgabe der reinMein im April/Mai lesen.

Infos zu Hawaii:

http://http.ellen-einhorn.healthcoach.integrativenutrition.com

http://www.kalani.com

http://www.hawaiiansanctuary.com

Die Erzählung von Ellen E. hat Sonja Lehnert aufgeschrieben

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