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09.10.2013 00:00 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Das erreichte Schreibziel als motivierender Impuls für haarscharf-fiktive Werke


Der Frankfurter Autor Stefan Bouxsein. Fotos: Christin Lilge

Der Frankfurter Autor Stefan Bouxsein. Fotos: Christin Lilge

Es ist ein später Montagnachmittag auf dem Frankfurter Polizeipräsidium. Für Kommissar Till ist längst Feierabend, während sein Kollege und Freund Siebels schnell noch seinen Büroschreibtisch aufräumt. Doch aus dem Feierabend wird für Siebels nichts, als „ein älterer Herr auf dem Frankfurter Polizeipräsidium einen Mord meldet. Der geistig verwirrte Mann leidet an Demenz und ist als Pflegefall in einem Seniorenheim untergebracht. Kommissar Siebels interessiert sich trotzdem für dessen Aussage. Er findet heraus, dass es sich um einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 1960 handelt. Zur gleichen Zeit wird ein Enkel des greisen Herren ermordet und mit dem aktuellen Mord gewinnt auch der alte Mord wieder an neuer Brisanz … .“

Diese Brisanz, mit der der Autor Stefan Bouxsein seinen Kriminalroman „Die vergessene Schuld“ für seine ermittelnden Protagonisten auf dem Frankfurter Polizeipräsidium beginnen lässt, ist für eingefleischte Bouxsein-LeserInnen nach sechs spannenden Bänden im bekannten schwarz-roten Layout bereits zum Ritual geworden. Seit seinem ersten Band „Das falsche Paradies“ vor sieben Jahren führt der Frankfurter Autor sowie Selbst-und Kleinstverleger seine Leserinnen und Leser im ersten Kapitel zunächst in die noch geheimnisvollen, psychischen Abgründe des bösen Täters, Schuldigen und Gegners der beiden „guten“ Kriminalkommissare Steffen Siebels und Till Krüger. Der Nervenkitzel der Irrungen und Wirrungen mitten im Geschehen, bei dem die LeserInnen nur darauf wartet, dass der Täter sich endlich zu erkennen gibt und am Ende gefasst wird, bleibt bis zum Schluss spannend. Das liegt nicht zuletzt am Wechsel zwischen dem in kursiv geschriebenen (Tagebuch)-Gedanken des „Bösen“ einerseits und den dynamischen Ermittlungen der beiden Kommissare andererseits, die sich am Ende beide annähern und erst am Schluss zu einem Handlungsstrang zusammenlaufen. Mit einer gesunden Prise Menschlichkeit toppt Bouxsein zusätzlich seine sympathischen Protagonisten und macht sie dadurch für die LeserInnen nahbar. Um diese Nähe in der Rhein-Main-Region bieten zu können, war Bouxsein zwei Monate auf Buchhandlungstour und stellte seine Bücher vor.

reinMein haben hat den Autor im August in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main getroffen und mit ihm über seine beruflichen Tätigkeiten, sein Privatleben und seine Zukunftspläne gesprochen:

rM: Herr Bouxsein, Ihr beruflicher Werdegang führte Sie auf Umwegen zu Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit als Autor und Inhaber eines Kleinst- und Selbstverlages.

SB: Mich kann man als „Bockenheimer Bub“ bezeichnen. Ich wurde im Juni 1969 in Frankfurt geboren und bin hier groß geworden. Die ersten vier Schuljahre besuchte ich hier auch die Bonifatius-Schule. Im Anschluss ging ich dann zur Gesamtschule Bockenheim Süd, die heute Georg-Büchner-Schule heißt. Als junger Mann habe ich zunächst drei Jahre Maschinenschlosser gelernt. Ein Jahr später hatte ich dann mein Fachabitur an der Heinrich-Kleier-Schule im Fachbereich Metall in der Tasche. Dann beschloss ich, mich weiterzubilden und begann an der FH Frankfurt ein Verfahrenstechnik-Studium. 1996 war ich fertig, nahm aber zwei Jahre später abermals ein Studium, diesmal zum Wirtschaftsingenieur, auf. Dieses Studium beendete ich im Jahr 2000. Parallel dazu arbeitete ich als Student halbtags in einer Firma, für die ich Büroarbeiten erledigte. Diese war mit meiner Arbeit so zufrieden, dass ich nach dem Studium direkt übernommen wurde. Bis heute bin ich dort als Projektingenieur im Industriebereich tätig und betreue in diesem Rahmen unterschiedliche kleine Projekte, die mich nach Schweden, Spanien aber auch nach Indien geführt haben.

rM: Ihr Hauptberuf wirkt sehr arbeitsaufwändig. Wie bekommen Sie diesen mit Ihrer Nebentätigkeit „unter einen Hut“?

SB: Ursprünglich hatte die Firma ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main, siedelte jedoch nach Groß-Umstadt um. Das bedeutete für mich dann zu pendeln. Das kostet Zeit, die ich bevorzugt ins Schreiben investiere. Daher habe ich meine Arbeitswoche derzeit so geregelt, dass ich die erste Wochenhälfte in Groß-Umstadt arbeite und idealerweise die Donnerstage und Freitage zum Schreiben nutzen kann. – Was allerdings nicht immer klappt.

rM: Haben Sie jemals einen Schreibkurs oder eine Verlegerfortbildung besucht?

SB: Nein, gar nicht. Aber mein Lieblingsfach in der Schule war Deutsch, eine gute Grundlage, um sein Schreibinteresse zu entwickeln.

rM: Wie kamen Sie darauf, Ihren Verlag „Traumweltverlag – haarscharf an der Realität vorbei“ zu nennen?

SB: Das war eine spontane Idee. Als ich den eigenen Verlag gründete, hatte ich nur das Manuskript meines ersten Krimis in der Schublade und viele, noch unausgegorene Ideen im Kopf. Traumwelt fand ich zum einen passend, weil ich mir mit der Herausgabe meines ersten Krimis einen Traum erfüllte. Zum anderen war und ist es mein Ziel, den Leser mit fesselnden Geschichten in eine „Traumwelt“ zu entführen.  Da der Begriff „Traumwelt“ aber nicht unbedingt mit Krimi assoziiert wird, habe ich mir noch das Motto – „haarscharf an der Realität vorbei“ – erdacht, um zum Ausdruck zu bringen: Es ist nur Fiktion, aber es könnte auch Wirklichkeit sein!

rM: Auf Ihrer Verlagshomepage ist unter dem Stichwort „Verlag“ von „uns“ die Rede – wie viele Mitarbeiter gehören zu Ihrem Team?

SB: Neben mir arbeiten noch mit ein Grafiker, der die komplette Gestaltung der Seite sowie der Bücher übernimmt, und eine Lektorin, die für ein möglichst rechtschreibfehlerloses Lese-Ergebnis sorgt. Zu dem „uns“ gehört aber im weiteren Sinn auch meine Schwester Birgit, die auf den Titelbildern von Band zwei „Die Böse Begierde“ und drei „Die kalte Braut“ zu sehen ist.  

rM: Was war der symbolische Startschuss Ihrer schreiberischen Nebentätigkeit der „Siebels- und Till-Reihe?

SB: Die Idee dazu, selbst einen spannenden Kriminalroman zu schreiben, kam mir beim Lesen eines Krimis der englischen Schriftstellerin Minette Walters, die zu meinen Lieblingsautoren zählt. Ich habe schon immer gerne Krimis gelesen und denke, dass dieses Genre sehr viele Impulse liefert.

rM: Kam Ihnen zuerst die Idee für die Personen oder die für die Handlung?

SB: Zuerst hatte ich die Idee für eine Handlung und suchte dann nach einem Mordmotiv.

rM: Woher holen Sie sich Ihre Impulse oder Inspirationen für Ihre „Siebels- und Till-Handlungen?

SB: Bevor ich anfange zu schreiben, sitze ich ganz still, schließe die Augen und denke nach bis eine erste Struktur entsteht. Diese wird aber eigentlich erst während des Schreibprozesses richtig klar. Derzeit hole ich mir meine Impulse auch aus dem psychologischen Bereich, genauer gesagt, dem der Persönlichkeitsstörungen. Die habe ich bereits in meinem letzten Band verarbeitet. Auch das Krankheitsbild der Schizophrenie kann ich mir gut vorstellen, weiterhin einfließen zu lassen.

rM: Was empfinden Sie, wenn Sie schreiben?

SB: Es kommt immer auf die Szene an, an der ich dann gerade schreibe. Manchmal tauche ich gedanklich vollkommen in diese ein, manchmal muss ich aber auch erst eine „Brücke schlagen“, um weiterzukommen. Wenn ich jedoch bei den letzten 20 bis 30 Seiten bin, kommt mir der anspornende Gedanke ‚Ich habe es bald geschafft‘. Die Erleichterung ist am Ende natürlich groß. Aber diese positive Erleichterung, etwas Produktives geschafft zu haben, nutze ich möglichst umgehend, um etwas Neues zu beginnen.

rM: Sind Ihre Kommissare Steffen Siebels und Till Krüger autobiografisch?

SB: Nein, von den Lebensläufen her überhaupt nicht. Es ist einfach ein tolles Gefühl, meiner Fantasie bei den beiden freien Lauf lassen zu können. Ich lebe das so ein bisschen aus, wohin mich mein Lebensweg in der Realität nicht geführt hat. (lächelt)

rM: Haben Sie einen Lieblingscharakter?

SB: Zugegeben, als ich anfing zu schreiben war es Till, heute ist es eher Siebels.

rM: Wie kam die unter Ihren Leser geläufige Abkürzung „Siebels und Till“ zustande? Warum verwenden Sie nur den Nachnamen von Steffen Siebels und nur den Vornamen von Till Krüger?

SB: Damit wollte ich meinen beiden Kommissaren ein Merkmal geben, mit denen sie sich von den unzähligen anderen Ermittlern im Krimimarkt unterscheiden. Siebels, der erfahrene, weitsichtige Kriminalhauptkommissar als Garant für erstklassige Ermittlerarbeit und Till, der im ersten Band als frischer Kriminaloberkommissar seine Laufbahn startet und sich erst noch die Hörner abstoßen muss.

rM: Weiß die echte Frankfurter Mordkommission, dass Sie sie mit ihren fiktiven Charakteren Siebels und Till zum Hauptschauplatz Ihrer Handlungen machen?

SB: Ja, die Frau des Polizeisprechers liest meine Bücher. Für Recherchearbeiten kann ich nach Ihrer Aussage auch auf ihren Mann zurückkommen! Zwei aus anderen Städten kommende Leser wiederum haben sich als Kriminalkommissare „geoutet“ und fanden meine Krimis gut. Allerdings muss ich dazu sagen, dass zum Beispiel Staatsanwalt Jensen mein reines Gedankenprodukt ist. Der war anfangs nicht eingeplant und dann einfach da. Genauso wie er es auch in meinen Krimiromanen macht. (lacht)

rM: Sie haben auch Kurzgeschichten geschrieben. Wie kam es dazu und wo gibt es die zu kaufen?

SB: Mit den Kurzgeschichten begann ich im Rahmen von Wettbewerben. Das Thema wurde vorgegeben. Eine Auswahl dieser Geschichten gibt es auf meiner Homepage kostenlos zum Lesen.

rM: Schreiben Sie lieber Kurzgeschichten oder „Siebels- und Till-Abenteuer?“

SB: Die Kurzgeschichten waren eine Phase zum Zeitvertreib während ich noch nach einem Verlag gesucht habe.

rM:  Wie müssen sich die Leser den Prozess von der ersten Idee bis zum fertigen Buch vorstellen?

SB: Zeitlich gesehen rechne ich erfahrungsgemäß mit einem Jahr. Die Entstehungsphase beginnt mit der ersten Idee und ist dann ein fertiges, auf dem Computer getipptes Manuskript. Das gebe ich dann einer Lektorin, die schon mehrere meiner Skripte gelesen hat. Wenn ich von ihr „grünes Licht“ erhalte, geht das Manuskript in eine tschechische Druckerei. Das ist für mich als Selbstverleger günstiger. Mir ist aber auch wichtig, dass meine Leser eine angemessene Qualität mit meinen fertigen Büchern bekommen, das heißt, dass ich mir ein Probe-Exemplar anschaue, ob der Druck auch ordnungsgemäß verläuft und somit der Lesegenuss nicht zu kurz kommt.

rM: Wie pflegen Sie den Kontakt zu Ihren zahlreichen Leserinnen und Lesern?

SB: Ich bin in verschiedenen sozialen Netzwerken wie „Facebook“, „Wer-kennt-wen“ (wkw) und „lovelybooks“. Über diese habe ich auch einen überwiegenden Teil meiner Leser rekrutiert, da ich sie über soziale Netzwerke schneller erreiche und somit auch besser auf dem Laufenden halten kann.

rM: Sind Sie auf der Buchmesse 2013 vertreten?

SB: Nein, dieses Jahr nicht. Zuletzt war ich 2008 mit einem Stand auf der Buchmesse. Damals habe ich mir aber auch schon einen halben Tisch mit drei anderen Verlegern geteilt. Das war eindeutig zu wenig Platz. Grundsätzlich ist mir die in Hallen ausgerichtete Buchmesse zu groß. Die Atmosphäre in Buchhandlungen ist einfach schöner.

rM: Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?

SB: Ich spiele zweimal die Woche Fußball im Rahmen des FH Sports und der TG (Turngemeinschaft) Sachsenhausen. Bei zweitem bin ich in der Seniorenmannschaft. Ansonsten verbringe ich gerne Zeit im Garten oder kümmere mich um die beiden Hunde meiner Mutter. Sie wohnt im Nachbarhaus, besucht aber oft meine Schwester Birgit in Karben. Privat lese ich gerne Bücher von Arne Dahl und Jonathan Kellerman.   

rM: Wann sind Ihre nächsten Lesungstermine?

SB: Im November bin ich in Bad Schwalbach und in Groß-Umstadt. [Anm. d. Red.: genaue Lesungstermine s. unten]

rM: Wie sieht Ihr Zukunftsprojekt und/oder -wunsch aus?

SB: Es sind eigentlich mehrere. Zum einen habe ich die Möglichkeit entdeckt, die „Siebels- und Till“-Reihe auch als E-books [Anm. d. Red.: bei „Skoobe‘s“ und vielen anderen eBook-Shops] herauszubringen und diese Veröffentlichungsmöglichkeit als Schwerpunkt meiner Verlagstätigkeit zu setzen. Das heißt aber nicht, dass die Hardcopy-Bücher komplett verschwinden, ich beobachte zunächst den Büchermarkt. Nachdem ich in meiner Tätigkeit als Ingenieur nun etwas kürzer getreten bin, arbeite ich aktuell an zwei Büchern parallel. Zum einen an dem nächsten Krimi mit Siebels und Till, zum anderen schreibe ich ein humoristisches Buch. Einen Vorgeschmack auf Letzteres gibt es übrigens bereits auf meiner Homepage. Die Leser finden das erste Kapitel als Kurzgeschichte mit dem Titel „Traumurlaub“. Diese Geschichte ergänze ich nun um weitere lustige Kapitel zu einem Buch mit dem Arbeitstitel „Der nackte Idiot“, das so gar nichts mit Siebels und Till zu tun hat. Damit will ich Anfang 2014, zunächst im eBook-Format, auf den Markt. Der siebte Fall für Siebels und Till ist dann für Mitte 2014 geplant. Andererseits möchte ich 2014 weitere Autoren mit in mein symbolisches „Traumweltverlag“-Boot nehmen. Indem ich meinen Verlag 2006 gegründet habe, da meine Werke kein anderer Verleger haben wollte, kann ich mittlerweile aus der anfänglichen Not eine Tugend machen und andere Autoren mit in mein Verlagsprogramm aufnehmen. Diese sollten aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen und bevorzugt regionale Krimis oder Werke aus dem humoristischen Bereich verfassen.

Weitere Informationen zu Stefan Bouxsein, seinem „Traumwelt Verlag“ sowie Buchbestellungs- und Kontaktdaten sind im Internet unter www.traumwelt-verlag.de zu finden.

Kurzübersicht der bereits erschienenen Kriminalromane von Stefan Bouxsein im Traumverlag (Inhaltsangabe und Leseprobe auf der Verlagshomepage):
2013: Die vergessene Schuld
2011: Das tödliche Spiel
2010: Die kalte Braut
2008: Die böse Begierde
2007: Die verlorene Vergangenheit
2006: Das falsche Paradies

Nächste Lesungstermine:

Donnerstag, 14.11., 19 Uhr
Buchhandlung am Rathaus, Adolfstr. 37, 65307 Bad Schwalbach
Tel. 06124-36 31
Achtung: Die Lesung findet im Restaurant Glaswerk, Adolfstr. 3, statt

Mittwoch, 27.11., 20 Uhr
Umstädter Bücherkiste, Curtigasse 3-5, 64823 Groß-Umstadt
Tel. 06078-71 476
Info: Diese Veranstaltung findet im Rahmen des 4. Krimifestivals (30.10. – 4.12.2013) in Groß-Umstadt statt. Der Eintritt kostet 22 Euro inklusive kulinarischer Begleitung (als Krimi-Überraschungsabend im Festival)

Text: Christin Lilge

 

 

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