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08.03.2011 00:00 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Portrait

Radio-Urgestein AFN als Symbol für unsterbliche Weltgeschichte und Musik-Kultur


Im Studio: Lon Blair (AFN Wiesbaden Operations Director) mit reinMein-Autorin Christin Lilge.

Im Studio: Lon Blair (AFN Wiesbaden Operations Director) mit reinMein-Autorin Christin Lilge. © Dr. Hans-Georg Lilge

American Forces Network Hessen.

American Forces Network Hessen. © Dr. Hans-Georg Lilge

Lon Blair im AFN-Studio 1988

Lon Blair im Studio 1988, © Lon Blair

Es ist der vierte Juli 1943. An diesem Tag feierten die US-Amerikaner ihren 167. sogenannten „Independence Day“. Dennoch bleibt vielen Radioliebhabern dieser Tag auch aus einem anderen Grund besonders in Erinnerung: Am späten Nachmittag ging Corporal Syl Binkin erstmals mit den Worten „This is the American Forces Network“ (AFN) in London „on air“. Seit diesem Zeitpunkt hat der AFN vom Weltgeschehen rund um den Erdball berichtet. Nicht nur die GI’s (Infanteristen der US-Streitkräfte) auch die deutschen zivilen Hörer schätzten neben der Nähe zum weltweiten Zeitgeschehen beim AFN die kreativ gestalteten Musiksendungen und die fröhlich moderierten Unterhaltungsshows am Nachmittag.

Obwohl der AFN schon als ein Urgestein der Radiogeschichte gelten kann, zählt er längst nicht zum alten Eisen. Seit 2004 sendet das AFN Studio auf dem Airfield in Wiesbaden-Erbenheim auf der Frequenz 98.7 und berichtet regelmäßig live von den aktuellen Ereignissen rund um das amerikanische Wohnviertel in Wiesbaden. Auf der 61. Berlinale in diesem Jahr wurde der Film „The Great 88“, in dem es um eine musikalische Zeitreise geht, vorgestellt. Der Film wird im Kino und im Fernsehen ausgestrahlt und weltweit auf DVD erhältlich sein.

Es knistert, der Sender AFN pendelt sich auf die 1943 aktuelle AFN-Frequenz ein, dann dringt sanft die Melodie „Moonshine Serenate“ des Glenn Miller Orchestra aus dem Radio. Für die in Großbritannien stationierten US-Soldaten und ihre Familien ist dies der Beginn einer neuen, bedeutenden Ära. Die damalige emotionale Situation der amerikanischen Soldaten schildert die Berliner Autorin Tamara Domentat in ihrem Buch „Coca—Cola, Jazz und AFN“ wie folgt: „Abgeschnitten von der Heimat und demoralisiert durch die verlustreichen Luftangriffe auf Deutschland machte sich unter den GI’s eine depressive Stimmung breit, die sich manchmal bis zum offen bekundeten Unmut steigerte. Um die Moral der Truppe zu heben, gründete die amerikanische Armeeführung eine eigene Tageszeitung (The Stars and Stripes), eine eigene Illustrierte (Yank) und eben den AFN (American Forces Network).“ Für manchen zivilen Hörer schreibt AFN zu diesem Zeitpunkt ein bemerkenswertes Stück Radiogeschichte, an das sich noch heute viele Fans erinnern.

Bereits morgens um sechs Uhr hieß es „Wake up easy“ mit DJ Tom Tucker, oder es gab die „Breakfast Show“ oder die „Morning Request Show“ zum fröhlichen Start in den Tag. Wenn spätabends der ‚Wolf‘ durch den Äther heulte, wusste man sofort, wer auf der anderen Seite das Mikrofon übernommen hatte: Ein Mann namens Wolfman Jack, der durch seine „Wolfman Jack Show“ und Filme wie „American Graffiti“  legendär wurde.

Gerade das „handgemachte“ Programm war zur damaligen Zeit lange ein Stück Radio-Romantik, die sicher schon vor Beginn der jeweiligen Sendung begann. Mit großer Sorgfalt legte der DJ die jeweilige Schallplatte auf die alte, aber robuste Abspielmaschine. Er schwenkte den Tonarm per Hand über die Rillen und senkte ihn anschließend ab. Mit einer Drittel Rückwärtsdrehung bereitete der DJ die Platte für einen treffsicheren Start vor und konnte seine Moderation auf den Beginn des Liedes genau abstimmen. Später veränderte sich die Technik, indem das Mischpult an das Abspielgerät gekoppelt war und das sogenannte „Regler hochziehen“ die Maschine in Bewegung setzte.  Auch für seine diversen Jingles war der AFN bekannt.

Dank des Armed Forces Radio Service (AFRS) konnten AFN-Produktionen aus den USA zur Verfügung gestellt werden. Was die Mobilität der Sender betraf, hatte sich das US-Militär bemerkenswert von den drei selbst konstruierten fahrbaren Sendeanlagen aus jeweils zwei Lastwagen zu zahlreichen Radiostationen auf dem ganzen europäischen Kontinent entwickelt.  So heißt es im ersten Teil der AFN-Geschichte auf der Internetseite „Radiojournal.de“: „Aus der mobilen Anlage der Siebten US Armee entstand AFN München, der Radiosender der Ersten US Armee wurde zu AFN Paris, später zu AFN Frankfurt und die Anlage der Neunten US Armee wurde in Bremen genutzt. … Teile der mobilen Sendeanlagen der Fünften und Fünfzehnten US Armee halfen bei der Entstehung von AFN Berlin.“

Ursprünglich als Soldatensender gegründet, setzte der AFN in der Radioszene mit seinem Programm hohe Maßstäbe bis in die heutige Zeit. Einerseits als Unterhaltung für die Mitglieder der US-Luftflotte auf ihren britischen Basen gedacht, sollte der AFN andererseits die amerikanischen Truppen bei ihren Kämpfen auf dem europäischen Kontinent begleiten.

Die Radiostationen in München (1945 - 1992) und Frankfurt (1945 - 2004) sind vielen deutschen AFN-Fans von damals noch gut in Erinnerung geblieben. Zahlreiche Ereignisse und Anekdoten rund um diese Stationen sind im Internet zu finden oder wurden auf Video in „ Radio Star - The AFN-Story“ in Geschichten erzählt festgehalten. So beschreibt darin der heutige Fernseh- und frühere Radiomoderator Fritz Egner seinen eigentlich eher zufälligen Wechsel vom Tontechniker zum Moderator bei AFN Munich: „Der damalige moderierende Sergeant kam zu spät zur Sendung, sodass ich spontan und unerlaubt einsprang. Die Atmosphäre habe ich während meiner AFN-Zeit als sehr emotional empfunden. Das war eine exotisch dynamische Welt.“ Besonders exotisch mag sicher auch die Berichterstattung aus dem eleganten Nachtclub „Casa Carioca“ in Garmisch gewesen sein sowie die Übertragung aus dem Wohnzimmer des AFN-eigenen bayrischen Gasthauses. Diese Mitschnitte waren oftmals in der Sendung „Bouncing in Bavaria“ (1945-1963) bis zur Schließung des AFN Munich im Jahr 1992 zu hören.

Einen ähnlich exotischen Charakter für die europäischen zivilen Hörerinnen und Hörer waren die Berichterstattungen aus Kriegsgebieten wie Korea (mit seinem heute noch existierenden Sender namens American Forces Korea Network, damals kurz AFKN, heute als AFN Korea bekannt) und American Forces Vietnam Network (AFVN). Dort wurde besonders die legendäre Begrüßung „Good Morning Vietnam“ des damaligen Sergeant Adrian Cronauer zum Markenzeichen des AFN-Radioprogramms während der Zeit des Vietnamkrieges und im gleichnamigen Film mit Robin Williams im Jahr 1987 aufgegriffen. 

Eine bedeutende Funktion übernahm auf deutschem Terrain der populärste AFN-Sender in Berlin (1945-1994): Zur Zeit der Berliner Luftbrücke im Jahr 1948/49 sendete der AFN rund um die Uhr und hielt somit die Piloten, wie den als „Onkel Wackelflügel“ bekannt gewordenen Gail Halvorsen bei Laune und diente bei Nacht als Leitsignal im schmalen Luftkorridor. Auch das Bodenpersonal in Tempelhof hielt sich über den Radiosender über die Sachlage auf dem Laufenden. Beim Mauerbau 1961 und der Konfrontation sowjetischer und amerikanischer Panzer am Checkpoint Charly war AFN Berlin vor Ort, um darüber zu berichten.  Auch das berühmte „Ich bin ein Berliner“ des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy fing das Sendeteam des AFN Berlin für seine Hörerschaft ein. 1962 war die Radiostation der erste 24-Stunden-Sender, da zuvor die ungenutzte Frequenz zur späten Abendstunde unter anderem von Radio Moskau zu Propaganda-Zwecken genutzt wurde.

Eine signifikante Rolle in der Geschichte des AFN spielt auch der Übertragungsort Frankfurt, Stadtteil Dornbusch. Nach dem Umzug des AFN-Hauptquartiers von London in die hessische Großstadt ging AFN Frankfurt 1945 erstmals auf Sendung. Das Höchster Schloß am Stadtrand von Frankfurt wurde 1946 bezogen und gilt sicher auch heute noch unter den GI’s  als der idyllischste Ausstrahlungsort des AFN. In Höchst erfuhr das gute Verhältnis zwischen AFN und der örtlichen deutschen Bevölkerung seinen Höhepunkt durch eine Flut von wohlwollenden Zuschriften und einem enormen Hörer-Zuspruch, was durchaus an den sympathischen und vertrauten Stimmen des kleinen Mitarbeiterstabs und an den aus den USA nach ganz Europa mitgebrachten Musikstilen Jazz, Blues, Country und Western sowie Rock’n Roll lag. Lieder wie „Don’t fence me in“ von Cole Porter und Robert Fletcher spiegelten ebenso wie die in Vietnam verbotenen Lieder „Give peace a chance“ (John Lennon), „We gotta get out of this place“ (The Animals) und „Eve of Destruction“ (Barry McGuire) die angespannte Lage in der Welt wider. Grundsätzlich waren alle Lieder tabu, die sich entweder gegen den Krieg oder die Regierung richteten.

Obwohl der AFN zwischenzeitlich mit Personalknappheit durch die Abkommandierung nach Vietnam (für den Einsatz beim AFVN) und verschlissener alter Ausrüstung sowie den fehlenden Mitteln zur Instandhaltung der Gebäude zu kämpfen hatte, gewann der hessische AFN an Hörerzahl besonders am Ende des zweiten Weltkrieges. AFN verschaffte sich über die Jahre hinweg durch seine kreative Organisation eine breite Anerkennung in der Rundfunkbranche.

Während seiner Glanzzeit zwischen 1950 und 1980 produzierte der AFN viele beliebte Sendungen wie die Gute-Laune-Nachmittagsshow „Frolic at Five“ (1946-1969, beim AFN Berlin) mit den Moderatoren George Hudak und DJ Steve Kastleac, und der Sendung „Stickbuddy Jamboree“ (1953-1967, beim AFN Frankfurt). Darüber hinaus gab es vorproduzierte Programme aus den AFN Studios in Hollywood. Sie wurden anfangs auf Schallplatten mit 40 cm Durchmesser gepresst und in den jeweiligen Studios abgespielt. Zu hören waren in den USA weit bekannte DJ’s wie Casey Kasem (American Top 40),  Roger Carroll (Roger Carroll Show), Wolfman Jack mit seiner „Wolfman Jack Show“, der heute noch aktive Radiomoderator Charlie Tuna sowie Sendeformate mit Don Tracy und Jim Pewter mit seinen „Oldies but Goodies“.

„Nett ist auch die Art des amerikanischen Ansagers. Man fühlt sich persönlich angesprochen. Er hat immer Zeit zu einem gutmütigen Scherz, einem Hinweis für Autofahrer oder einem Ratschlag für Reisen und Urlaub. Man meint, ein Freund spricht ins Mikrofon“, zitiert der Domentat-Co-Autor Joseph Hoppe im Buch einen Leser der „Kölner Rundschau“ von Ende 1953.

Bei vielen Hörerinnen und Hörern mag heute noch das Herz höher schlagen, wenn das Gespräch auf „Music in the Air“ kommt. Dieses beliebte Sendeformat war ein Dauerbrenner unter den AFN-Sendungen: Ganze 31 Jahre  ging der AFN in München damit auf Sendung.

Für viele AFN-Mitarbeiter bedeutete die Radioarbeit nach ihrer Soldatenzeit das Karrieresprungbrett als Zivilist ins Film- und Fernsehgeschäft, wie der ehemalige Soldat und „Weekend World“-Moderator Rick Scarry, der als Schauspieler unter anderem in der Serie „Desparate Housewives“ 2006 zu sehen war. Auch der amerikanische Sänger Bill Ramsey, damals Chief Producer bei AFN Frankfurt, wurde in Deutschland mit seinen deutsch-amerikanischen Schlagern bekannt, lebte zeitweise in Wiesbaden und tourt heute noch als Entertainer mit seinem Jazzprogramm durch Deutschland. Charlie Tuna hat seine eigene, gleichnamige Radioshow bei Black Card Radio in Kalifornien/USA, während der aus Berliner AFN-Zeiten bekannte Rik DeLisle seit 2008 zwischen 9 und 12 Uhr immer noch seine Vormittagsshow beim hessischen Radiosender „Radio Bob“ moderiert. Der ehemalige Programmdirektor Mark White lebt bis heute in Berlin.

Manche damaligen Moderatoren sind mittlerweile im Ruhestand und halten ihre aktive AFN-Zeit durch rege Erinnerungen lebendig, wie der Moderator Bill Boyd, der im Video zur AFN-Geschichte sagte: „Sie hörten Airforce Sergeant Bill Boyd. Seid nett zueinander und besonders zu euch selbst. Ich sage niemals Good-Bye. Wir sehen uns irgendwann, irgendwo. Bis bald.“

Die 1994 im Film „Radiostar“ gemachte Aussage Boyds bedeutet jedoch längst nicht das Ende von AFN. Der AFN Korea geht immer noch regelmäßig auf Sendung, der AFN Mannheim versorgt unter anderem die noch in Heidelberg stationierten Soldaten mit Information und Unterhaltung (der ursprünglichen Mission des Soldatensenders) und der AFN Wiesbaden geht seit 2004 regelmäßig live mit diversen Unterhaltungs- und Informationssendungen aus den USA live auf Sendung.

Interview mit Lon Blair (AFN Wiesbaden Operations Director)

Wir haben über das Thema „Alt und neu“ beim AFN allgemein und in Wiesbaden, über seine persönlichen Erinnerungen an die alte AFN-Zeit sowie über den Zuzug der GI’s von Heidelberg auf das Wiesbadener Airfield innerhalb der nächsten zwei Jahre gesprochen:

reinMein (rM): Was hat sich strukturell und inhaltlich hauptsächlich beim AFN in Wiesbaden seit seiner Gründung 2004 verändert?

Lon Blair (LB): Es ist nicht mehr so wie früher, wo die DJ’s sich die Musik für ihre jeweiligen Programme selbst aussuchen und ins Programm nehmen konnten. Heute bekommen wir einmal in der Woche eine Art „Playlist“ von unserem in Italien ansässigen Musikdirektor Mark Weeks zugeschickt. Mittlerweile hat sich auch unsere Sendefrequenz qualitativ sehr verbessert. Die digitale Technik hat die Analoge mit Video- und Audio-Tapes von damals abgelöst. Was das Fernsehen anbelangt, hatten wir hier zudem früher nur einen Kanal, auf dem wir von sechs Uhr morgens bis Mitternacht sendeten. Heute haben wir gleich zehn Live-Sender, darunter “CNN“, „CBS“ und „Fox“ zur Verfügung, die schwerpunktmäßig unsere amerikanischen Mitbürger auf dem Laufenden halten. Grundsätzlich dürfen neben Unterhaltungssendungen regelmäßige Sportsendungen nicht fehlen, die Amerikaner haben einen sehr großen Bezug zum Sport.

Was mich allerdings am meisten erstaunt hat, ist die Verlagerung des Zielpublikums! Da wir ja von unserem Ursprung her ein reiner Soldatensender sind, gingen wir von AFN längere Zeit davon aus, dass unsere Zielgruppe überwiegend aus zwanzigjährigen Infanteristen besteht. Doch einer Umfrage zufolge wurden wir eines besseren belehrt. Überwiegend Hausfrauen in den Mittdreißigern verfolgen unser Programm regelmäßig, das wirkt sich auf die Inhalte der einzelnen Sendebeiträge aus.

rM: Welcher Moment ist Ihnen aus Ihrer bisherigen AFN-Zeit gut in Erinnerung geblieben? Was hat Sie geprägt?

LB: Ich bin seit September 1988 beim AFN und habe mit so vielen wunderbaren Kollegen zu tun gehabt. Es ist „eine Liebesarbeit“ beim Rundfunk zu arbeiten, da wir viel am Wochenende arbeiten und Überstunden fast zu unserem Alltag gehören. Durch diese enge Zusammenarbeit sind viele von uns zu symbolischen Brüdern und Schwestern geworden. Ich lege grundsätzlich hohen Wert auf die Leute, die ich kennen gelernt habe. Facebook sei Dank kann ich zu alten Kollegen immer noch regen Kontakt halten.

Als Radiomoderator habe ich viele VIP’s kennen gelernt, darunter auch den Rockstar Alice Cooper, ein sehr umgänglicher Mensch. Mit ihm habe ich 2001 spontan auf der Golf-Anlage in Wiesbaden-Dotzheim Neun Loch Golf gespielt.  Cooper kannte die Anlage überhaupt nicht und hat so gut wie kein Handicap gehabt!

Unabhängig vom Radio ist mir in meiner AFN-Anfangszeit noch eine große Riesenfeldübung mit der Bundeswehr in Erinnerung geblieben. Alle NATO-Länder waren damals vertreten, um an der Übung für den – nie eingetretenen – dritten Weltkrieg teilzunehmen, das war für mich faszinierend.

rM: Was ist aus alten AFN-Zeiten Ihr Lieblingsmoderator und Ihre damalige Lieblingssendung?

LB: Ich mag die Stimme von Charlie Tuna sehr gern. Seiner Stimme konnte ich immer gut zuhören und er hat seine Sendungen gut verständlich moderiert. Meine Lieblingssendung aus alten AFN-Zeiten heißt „Passport“, ein 30-minütiges TV-Reisemagazin, für das ich als 26-Jähriger mit einem Kamerateam eine Woche im Monat in ganz Europa unterwegs war. „Passport“ ist sozusagen mein „Baby“, dem ich viele Einblicke in europäische Touristenziele wie Berlin, Garmisch, Tirol und Rom sowie der Schweiz zu verdanken habe. Das kam meinem damaligen Reisedrang sehr entgegen.

Aktuell gefällt mir die „AFN Wiesbaden Morning Show“ im Radioprogramm (montags bis freitags von sechs bis zehn Uhr). Moderiert wird sie von Tony und Tyler.

rM: Gibt es konkrete Zukunftsprojekte beim AFN Wiesbaden?

LB: Ja, wir planen das Fernsehprogramm in HD-Qualität umzustellen. Der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest. Zudem wollen wir auch unter anderem in neue Schnittgeräte investieren.

rM: Wie wahrscheinlich ist es, dass im Radioprogramm beim AFN irgendwann eine nostalgische AFN-Stunde mit Beiträgen ehemaliger Moderatoren und alten Sendungen „on air“ geht?

LB: Wir sind eigentlich offen für alles. Da wir, wie schon gesagt, regelmäßig Umfragen bei unserer Hörerschaft machen, ist der Bedarf für eine solche Sendung jedoch eher gering. Das hat eben mit unserer aktuellen Zielhörergruppe zu tun. Die heutigen amerikanischen Hausfrauen haben keinen Bezug zu diesen Sendungen mit Wolfman Jack und den anderen, damals sehr bekannten AFN-Moderatoren. Ich denke, dass eher deutsche Hörer diesen Bezug zu dieser Zeit haben.

rM: Was hat es mit den alten „Wax“-Platten auf sich?

LB: Diesen Duft habe ich heute noch in der Nase. Wir hatten damals zwischen den 60er und 70er Jahren im AFN Frankfurt in Frankfurt-Dornbusch (ab 1966) im Keller eine „record library“ (Schallplattenbibliothek), in der mehrere 10.000 Schallplatten lagerten. Diese hatten eine Art Schutz-Wachsüberzug und rochen wie Kerzen.

Uns wurde gesagt, dass sei die zweitgrößte Schallplattensammlung der Welt. Die Größte ist in den „National Archives of the Smithstonian Institution in Washington D.C.. Mittlerweile haben wir unsere Sammlung in den späten 1990ern den „National Archives“ gespendet, da viele dieser Platten wichtige Tondokumente enthalten.

Während wir früher fast zwei Stunden nach Musik für die vierstündige Sendung zusammengesucht haben, klingen unsere „mp3“-Dateien bei AFN Wiesbaden heute dagegen fast schon unromantisch. Das komplette Musikverzeichnis ist im Computer gespeichert, jeder Titel ist mit einer kurzen Eingabe im PC in unserer Musiksammlung in wenigen Sekunden zu finden.

rM: Welche Musik mögen Sie privat?

LB: Ich bin nach wie vor großer Fan von Bob Marley und Reggae im Allgemeinen. Ansonsten gehören Rock’n Roll und Classic Rock zu meinen Favoriten. Auch AC/DC und Led Zeppelin gehören zu meinen Lieblingsbands. Aktuell finde ich auch Alternative Rock sehr gut, so zum Beispiel wie er von  „Blink 182“ und „Three Doors Down“ interpretiert wird.

rM: Wie bereitet sich der AFN Wiesbaden auf den Zuzug der GI’s aus Heidelberg ab nächstem Jahr vor? Wird es regelmäßige Sondersendungen geben?

LB: Die Bauarbeiten sind bei uns auf dem Airfield derzeit ein heißes Thema über das regelmäßig in den Nachrichten berichtet wird. Viele Amerikaner regen sich über den Baulärm, den Dreck und die kaputten Straßen auf, akzeptieren aber den Gesamtzustand. Wir bekommen unter anderem neue Gebäude, eine neue Sporthalle sowie ein kleines amerikanisches Einkaufszentrum, in dem jedoch nur Besitzer von amerikanischen Militärausweisen sowie deren Angehörige einkaufen dürfen. Wichtig ist dabei zu sagen, dass dies eine Bestimmung der Bundesregierung und nicht der US Army ist.

rM: Nicht nur die in Erbenheim lebenden Amerikaner werden das Geschehen auf ihrem Gelände verfolgen. Die Tagespresse wird die Leserschaft in und um Wiesbaden weiterhin schriftlich auf dem Laufenden halten, während der AFN Wiesbaden im Rahmen seiner Nachrichten seine Zuhörer und Zuschauer regelmäßig mit den neuesten Informationen versorgen wird.

Zur Person:
Lon Blair wurde 1961 im hawaiianischen Honolulu geboren. 1984 machte er seinen Abschluss in Kommunikation an der Clarion University of Pennsylvania. Vier Jahre später kam er zum AFN Frankfurt, wo er zunächst als DJ bei einer Morgenshow tätig war.  Zwischenzeitlich wechselte Blair für zwei Jahre zum Fernsehen, wobei er für die TV-Show „Passport“ nicht nur als Gastgeber sondern auch als Produzent tätig war. 1990 verschlug es ihn nach Schwetzingen in Deutschland nachdem er seine Wehrpflicht beendet hatte. Lange hielt er es jedoch nicht ohne die Arbeit beim AFN aus, sodass er sich erfolgreich für eine Anstellung als ziviler Radio- und TV-News-Produzent bewarb. Sein weiterer beruflicher Weg führte ihn zum AFN Nürnberg und zum AFN Würzburg bevor er im Mai 1993 wieder in seine Wunsch-AFN-Niederlassung in Frankfurt am Main versetzt wurde. Lon Blair ist seit der Entstehung des kleinen Funkhauses von AFN Wiesbaden im Jahr 2004 dort „Operations Director“ (Produzent und technischer Leiter).  
 
Quellen und weiterführende Informationen über den AFN:

Tamara Domentat. Coca-Cola, Jazz und AFN. Berlin und die Amerikaner. Mit Beiträgen von General Raymond E. Haddock und Rik DeLisle. Schwarzkopf&Schwarzkopf, Berlin 1985.

http://en.wikipedia.org/wiki/American_Forces_Network (allgemeiner Überblick über den AFN)
http://wikipedia.org/wiki/AFN_Berlin  (über AFN Berlin)
http://wiesbaden.afneurope.net  (Homepage des AFN Wiesbaden)
http://www.gavagai.de/musik/HHM64.htm (AFN Munich / Infoseite)

http://www.radiojournal.de/1/15jahre-best-of/stories/afn1/afn1.htm (Die Geschichte von AFN (Teil 1))
http://www.radiojournal.de/1/15jahre-best-of/stories/afn2/afn2.htm (Die Geschichte von AFN (Teil 2))
http://www.great88.de (über den auf der Berlinale vorgestellten Film) 
http://afrtsarchive.blogspot.com/ (AFRTS Archiv)

Hörproben:
http://www.peterhammer.de/afn.htm (inoffizielle Datenbank mit hörbaren Ausschnitten)
http://www.bobfm.de/afn_files.html  (Datenbank von „Retro Radio” sowie weiteren interessanten Informationen über AFN)
http://www.youtube.com/watch?v=AQseFAcWvtE (Moonshine Serenade)
http://www.youtube.com/watch?v=3gZPe_gJ6Us („Good Morning Vietnam“ von Adrian Cronauer)
http://www.youtube.com/watch?v=xdbmJafOauE  (Ausschnitt aus „The Charlie Tuna Show“: Charlie Tuna interviewt US-Autorin Melissa Anderson)

Kurzübersicht zu einigen wichtigen AFN-Moderatoren mit weiterführenden Links

Wolfman Jack (1938-1995), bürgerlich: Robert „Bob“ Smith,  moderierte in den 1960ern und 1970ern seine eigene „The Wolfman Jack Radio Show“ bei AFN und war auch für AFN Munich tätig. Sein Markenzeichen war das wolfsähnliche Geheul zwischen seinen humorvollen, heiseren Ansagen und den R’n’B-, Jazz-, Soul- oder Funkmusik-Beiträgen. (Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfman_Jack, The Wolfman Jack Museum http://www.wolfmanjack.org, http://www.bobfm.de/wolfman.html).

Casey Kasem (*1932), bürgerlich: Kemal Amin Kasem, libanesisch-drusischer Abstammung, ist US-Hörfunkmoderator und Zeichentricksprecher. Seit Anfang 1960 gibt er seinen Hörern den Spruch „Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars“ mit auf den Weg.  Von 1970 bis 2004 moderierte er die durch AFN bekannt gewordene Show „American Top 40“. 1992 wurde er, neben anderen AFN-Kollegen, in die Radio Hall of Fame aufgenommen. (Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Casey_Kasem, http://www.radiohof.org/discjockey/caseykasem.html).

Charlie Tuna (*1944), bürgerlich: Art Ferguson, moderierte unter anderem „Weekend World“ bei AFN. Aktuell hat er seine eigene Sendung „The Charlie Tuna Show“ beim Black Card Radio in Kalifornien/USA. (Link: http://blackcardradio.com/?page_id=29) Auf seiner Homepage http://www.charlietuna.com hält er seine Fans überwiegend mit Ereignissen aus der Starszene in Hollywood auf dem Laufenden und ist auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter vertreten. Tuna bekam 1990 einen eignen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame verliehen.

Rik DeLisle (*1947) ist ein amerikanischer Hörfunkmoderator, der in seiner Moderatorenzeit beim AFN Berlin bekannt wurde. Noch bei AFN Frankfurt ging er mit „Old Gold Retold“ (1976-1984) auf Sendung und war beim AFN Berlin Moderator des Frühprogramms. Aktuell moderiert er seit 2008 die Sendung „Bob’s Vormittag“ montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr beim hessischen Radiosender Radio Bob. (Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Rik_DeLislehttp://radiobob.de/das-programm-von-radio-bob, http://radiobob.de/werbung/american-airlines-praesentiert-retired-air-force-sergeant-rik-de-lisle).

Jim McCauley „the Magnificent Magoo behind the Mic“  war bei den Hörern des AFN Berlin durch seine Sendung “The Juice – Black Music der 70er und 80er Jahre” bekannt und beliebt. Als McCauley seinen Wehrdienst abgeleistet hatte, verließ er Berlin, kehrte aber im letzten Jahr zurück, um in einem Berliner Club wieder Platten aufzulegen. Dort wurde er auch von seinem ehemaligen Kollegen Rik DeLisle unterstützt. (Link: http://www.afn-the-juice.de/pressemitteilung3.pdf)

Bill Ramsey (* 1931), bürgerlich: William McCreery Ramsey, leistete seinen Wehrdienst in Deutschland ab und war Chefproduzent beim AFN Frankfurt. Er wurde mit amerikanischen und deutschen Liedern (unter anderem “Pigalle – Die große Mausefalle” (1961)) bekannt. Ramsey ging 2008/2009 mit Max Greger und Hugo Strasser auf Tournee und lebt in Hamburg. (Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Ramsey, http://www.ramsey.de)

Text: Christin Lilge

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