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26.08.2011 00:00 Alter: 7 Monat(e)
Kategorien: Kultur

"Jäger und Sammler" auf Schloss Kranichstein – vogelfrei 9


Regina Frank (Portugal): Solarbank

© Regina Frank (Portugal): Solarbank

Doro Hülder: Jagdfieber

© Doro Hülder: Jagdfieber

Gabriele Juvan: Tischgesellschaft

© Gabriele Juvan: Tischgesellschaft

Werner Henkel: Rudel (Park)

© Werner Henkel: Rudel (Park)

Am Donnerstag, den 8.9.2011 um 18 Uhr findet der letzte Vortrag der fünteiligen Serie zu "Jäger und Sammler - Vogelfrei 9" im Rondellsaal von Jagdschloss Kranichstein in Darmstadt statt. Philosoph Professor Dr. Gernot Böhme aus Darmstadt wird zum Thema "Höfische Jagdsitten - Über die Beziehung zur Natur in Renaissance und Barock" sprechen. In dem Vortrag werden die höfischen Jagdsitten mit besonderem Blick auf die Architektur und die Bildersammlung des Schlosses Kranichstein behandelt. Der Referent stellt seine Überlegungen in den Zusammenhang des von ihm mit seinem Bruder Hartmut verfassten Buches "Das Andere der Vernunft" (Suhrkamp 5. Aufl. 2007). Es geht dabei um das Verhältnis des Menschen zur Natur, wie es aus der christlichen Religion als Herrschaft – dominium terrae – legitimiert wurde.

Am Sonntag, 11.9.2011 um 14 Uhr, findet das Künstlergespräch von Waltraud Munz im Park von Jagdschloss Kranichstein statt. Sie spricht über die Arbeit an ihrem Pilzeprojekt "Cloud Areas" und wird die mehrteilige Arbeit vorstellen.

Am Samstag, dem 10.9. und am Sonntag, dem 11.9. um 15 Uhr sind die öffentlichen Führungen bei "Jäger und Sammler - Vogelfrei 9".

Die letzte Feierabendführung mit Ute Ritschel ist am Freitag, 16.9. um 18 Uhr mit Umtrunk.

reinMein im August 2011: Der vierte Vortrag der fünfteiligen Vortrgsserie im Rahmen der Ausstellung "vogelfrei 9" findet am Donnerstag, dem 1.9.2011 um 18 Uhr statt. Die Archäobotanikerin Angela Kreuz, Darmstadt, spricht über "Sammeln und Jagen: Mühsal oder Abenteuer? Traditionelle Nahrungsbeschaffung aus archäobiologischer Sicht". Das gemeinsame Konsumieren von Nahrungsmitteln gehört zu den grundlegenden Elementen menschlicher sozialer Bindungen. Hinweise zur Nahrungsbeschaffung der Vorzeit lassen sich durch archäologische Ausgrabungen gewinnen. Dabei erfolgt im Zuge archäobiologischer Untersuchungen die Bergung, Bestimmung und Interpretation pflanzlicher und tierischer Überreste. Entsprechende Methoden und aktuelle Ergebnisse zur vorgeschichtlichen Ernährung werden vorgestellt.

Angela Kreuz ist seit März 2007 zur Honorarprofessorin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bestellt, wo sie Archäobotanik und Umweltarchäologie lehrt. Sie ist Leiterin des Sachgebietes Naturwissenschaften am Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden.

reinMein im Juni 2011: Zum 9. Mal findet in diesem Jahr die Kunstbiennale „vogelfrei“ statt, erstmals gemeinsam vom Zentrum von Kunst und Natur und dem Verein für Internationale Waldkunst organisiert. Unter dem Motto „Jäger und Sammler“, passend zum Internationalen Jahr der Wälder, stellen zwanzig Künstlerinnen und Künstler ihre Werke im Schlosspark, in den historischen Anlagen und im Museum des Jagdschlosses Kranichstein in Darmstadt aus, darunter ortsspezifische Installationen, Performances und interaktive Projekte.

Schloss Kranichstein beherbergt seit 1992 ein Hotel. 2006 wurde die Tradition der Schleppjagden im Kranichsteiner Forst durch Konsul Bernd O. Ludwig, der seit 1997 mit seiner Frau das Hotel betreibt, wieder aufgenommen. 1951 wurde auf Kranichstein der Hessische Jägerhof als Stiftung des privaten Rechts gegründet, 1953 das Jagdmuseum wiedereröffnet, das 1918 unter Großherzog Ernst Ludwig begründet worden war. Diverse Umbauarbeiten und Restaurationsmaßnahmen führten 1998 zu einer abermaligen Wiedereröffnung des Museums mit seinen jagdkundlichen Sammlungen.

Vom 18. Juni bis 2. Oktober 2011 wird das Jagdschloss wiederholt ein Ort der zeitgenössischen Kunst, die dieses Mal das Jagen ebenso wie das Sammeln thematisiert. Etwa seit dem 16. Jahrhundert spielt die Jagd auf Kranichstein eine Rolle. Einige Künstlerinnen und Künstler haben sich mit dem Erlegen von Wildtieren beschäftigt, dem Jagdfieber, dem Sammeln von Trophäen, mit den Beutetieren, mit dem Verspeisen dieser. Auf der anderen Seite steht das Sammeln. Urtümliche Jäger-und-Sammler-Völker sammelten Früchte, Nüsse, Samen, Wildgemüse, Kräuter, Wurzeln, Rhizome, Maden, bestimmte Insekten, Eier, Honig, Muscheln, Algen, Beeren und Pilze. Heute hat das Sammeln meist nichts mehr mit Nahrungsmittelbeschaffung zu tun, kann Sammeln von allen möglichen Objekten eine LEIDENschaft sein. So geht es um eine Neuinterpretation der zeitgeschichtlich von uns weit entfernten Lebensweise der „Jäger und Sammler“.

Zwei Beispiele:
Die Kunst selbst hat einen nährenden Aspekt. In Gläsern hat Eli Frassine Nahrung gesammelt, farblich sortiert und zu einer Spirale aufgestellt. Mit ihrem Projekt „collected and protected“ lädt sie Betrachterinnen und Betrachter ein, nach vielfältigen Aspekten zu jagen und neue Facetten für sich zu sammeln.

Das „Praktischen Handbuch der Jagdkunde“ von Fritz Nüßlein führte Werner Henkel zum „Zeichnen von Schalenwild“. „Das ‚Zeichnen‘ beschreibt die körperlichen Reaktionen, an denen der Jäger erkennt, wo er das Tier getroffen hat. Mich traf es auch: wie hier in einer sachlich-nüchternen Fachsprache der Todeskampf eines geschossenen Tieres beschrieben wird“, schreibt er auf der vogelfrei-Webseite.

Weitere beteiligte (inter)nationale Künstlerinnen und Künstler: Barbara Beisinghoff, Daniel Bräg, Walter van Broekhuizen, Regina Frank, Waltraud Frese, Anjali Göbel, Doro Hülder, Helina Hukkataival, Zero Reiko Ishihara, Gariele Kappenberg, Waltraud Munz, Lutz Nevermann, Susanne Ruoff, Roza Rueb, Dorothea Seror, Sebastian Stöhrer, Harry van der Woud.

Am Eröffnungswochenende 18. und 19. Juni gibt es Performances und Künstlergespräche, außerdem die White Market-Aktion von Claudia Kappenberg und Dorothea Seror. Die von den Künstlerinnen gesammelten, aber auch von Besucherinnen und Besuchern mitgebrachten Stofftiere werden am White Market-Stand geschlachtet und die Köpfe als Trophäen aufgereiht. Aus den Resten kreieren die Künstlerinnen amorphe Gebilde und versteigern diese am Stand. Aus den noch verbleibenden Materialien nähen die Performerinnen Kleidung.

Das ganze Programm gibt es hier: http://2011.vogelfrei.info/programm
Das Jagdschloss Kranichstein ist in der Kranichsteiner Str. 261 in 64289 Darmstadt.

(pm/dk)


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