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Explosion in Form und Farbe >
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01.02.2011 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Wohntextilien. Von Trichtern, Rinden und Membranen


Messestand von Curious Boy auf der Heimtextil.

© Curious Boys

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© Curious Boys

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© Curious Boys

Das Rindentuch.

© Dörthe Krohn

Vorhangstoff mit Rindentuch.

© Dörthe Krohn

Mit dem „grünen“ Ausstellerverzeichnis der Heimtextil-Messe ließ sich zielstrebig auf Produkte aus biologischen Rohstoffen, mit umweltschonenden Herstellungsverfahren und fairen Produktionsbedingungen zusteuern.
Doch in der Tapeten-Halle, zwischen Texturen, Strukturen und Mustern aller Sorten, von klassisch floral über Glitzereffekte, gewebte Bewandungen bis hin zu Totenköpfen mit roten Schmuckstein-Augen, riefen auch ganz ohne gedruckter Führung die wie Grammophontrichter aussehenden „digital wallpapers“ der Münchener „Curious Boys“ an den Stand.

Schrill bunt, aber für etwas mehr Raumruhe neuerdings auch als einzelne Applikationen auf unifarbene Flächen aufsetzbar.  Die Tapeten sind auf „dimensionsstabilem“  Vliesträger umweltfreundlich nach dem Forest Stewardship Council (FSC) gedruckt, versichert der Hersteller. D.h. das Papier stammt aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft. Die originellen Tapeten (es gibt auch Bodenbeläge) wurden von Markus Benesch entworfen. Der in Mailand und München lebende Professor für Design, gelernter Maler und Stuckateur beschäftigt sich seit Jahren mit der menschlichen Wahrnehmung und dem Thema Wandanwendungen, welche die bestehende Architektur quasi korrigieren. Die dreidimensionalen Effekte der Tapeten lassen Räume größer und großzügiger erscheinen. Sie verändern die Raumwahrnehmung.
Wer Gefallen findet an der Gestaltung der eignen vier Wände oder des Geschäftsraumes mit 3D-Effekten, nimmt am besten über die Homepage Kontakt auf: http://www.curiousboy.net.

Wer es nicht so flippig mag sondern individuelles, edles Design und hochwertiges Material schätzt, wird vielleicht bei der Tapetenmanufaktur Hohenberger fündig. Direktvertrieb: http://www.tapetenmanufaktur.de. Die Tapeten sind frei von PVC und Weichmachern.

Ebenfalls als Wandstoff eignet sich das Rindentuch. Es dient aber auch als Textil für Bekleidung und Schuhe (in Verbindung mit Naturlatex), Möbel, Vorhänge, Taschen, den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Die Rinde des ostafrikanischen Feigenbaums Matuba wird geschält und der Baumstamm anschließend mit Bananenblättern geschützt. Nach einem Jahr ist die Rinde nachgewachsen. Die Feigenbäume stehen auf den Kaffeeplantagen der Kleinbauern, denn ihre Blätter sind ein guter Dünger. Die Rinde wird geklopft, ggf. gefärbt, und dann kann sie auch schon verarbeitet werden. Die afrikanisch-deutsche Firma Bark Cloth wurde mit Preisen überhäuft. Die UNESCO hat den handwerklichen Herstellungsprozess 2008 zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Das aus dem Feigenbaum gewonnene Vlies ist vermutlich das älteste Textil der Menschheitsgeschichte. Mehr Infos: http://www.barkcloth.de.

Tencel-Jersey ist die Faser des Eukalyptus-Holzes. Unter diesen seidenweichen Stoff wird eine Polyurethan-Membran laminiert. Hausstaub- und andere AllergikerInnen, von Inkontinenz betroffene Menschen oder solche, die nachts viel Schwitzen kuscheln gut in atmungsaktiven und flüssigkeitsundurchlässigen Laken, Kissen- und Bettbezügen der Marken B-Sensible (Erwachsene) oder Suavinet (Kinder). Alles ist bei hohen Temperaturen waschbar, trocknergeeignet und aufs Bügeln kann verzichtet werden. Extra Nässeschutzauflagen, die rascheln und knittern, gab‘s gestern. Am Stand waren mit Wasser gefüllte Säckchen aus diesem Stoff wie Früchte an einen Baum gehängt worden. Der Stoff hielt dicht, vom 12. bis 15. Januar, also die gesamte Messe über. Deutschland-Vertrieb:  http://www.monika-schrank.de

Die Federbetten selbst gibt es aus der reinMein-Region, nämlich aus Mainaschaff bei Aschaffenburg. Hier hat die Firma Frankenstolz ihren Hauptsitz und bietet eine reiche und „nachhaltige“ Auswahl an Bettwaren aus Kaschmir, Schurwolle, Leinen, Baumwolle und Seide für ein gutes Klima im Schlafzimmer.  http://www.frankenstolz.de

Die Sonderschau „Green Exhibition -  Welcome to Utopia“ der Frankfurter Messe Heimtextil im Jahr 2011 hielt nicht, was ihr gewaltiger Titel versprach. Die dort gezeigten, mitunter sehr feinen, Textil-Produkte verschwanden optisch neben einem Meer aus weißen Windrädchen, die von einem Ventilator in Bewegung gebracht wurden. In den beigen Präsentationszelten wirkte manches wunderschöne Kissen deplatziert. Die Utopie im Bereich Wohntextilien: ohne Kinderarbeit, ausbeuterische Löhne, Verwendung von Pestiziden, gesundheitsgefährdende Herstellungsprozesse, giftige Farben usw. - hat insgesamt noch viel Platz für kreative Entwicklungen. Der Fokus auf „grüne“ Textilien stimmt dennoch hoffnungsvoll.

Text: Dörthe Krohn

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