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Ei, wie hübsch - Wir wünschen schöne Ostertage! >
< Mirko Reeh: Spargel Quiche
15.04.2011 00:00 Alter: 11 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Wie war das mit Ostern noch?


© obs/BLE Bundesprogramm ökologischer Landbau

Und wieder geht es auf Ostern zu. Aus den Regalen der Supermärkte grinsen uns freundliche Schokoladenhasen an, und wer es lieber kreativ mag, kauft sich Farbe um seine Eier selbst zu färben. Kinderaugen werden so oder so strahlen, spätestens wenn das letzte Ei gefunden und der letzte Hase verzehrt ist. Und sicher wird der eine oder die andere erwartungsvoll dem Ende der – meist selbst aufgelegten – Fastenzeit entgegensehen.

Aber wissen wir eigentlich noch, was wir hier feiern? Und warum? Und warum gerade jetzt, Ende April? War das letztes Jahr nicht noch im März gewesen? Und überhaupt, Ostern, was für ein merkwürdiger Name für dieses Fest? Woher kommt dieser Name?

Die meisten wissen sicher noch, dass Ostern zur Erinnerung an die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus gefeiert wird, so geschehen in Jerusalem unter der Statthalterschaft von Pontius Pilatus, wohl im Jahre 33 nach Christi Geburt. Und die Bibel weiß auch, wann dies genau geschehen ist. Jesus war als gläubiger Jude wie viele seiner Zeitgenossen zum jüdischen Pessachfest (auch Passah genannt) nach Jerusalem gepilgert, dieses Fest wird von den Juden sieben Tage lang gefeiert, und der Höhepunkt wird nach dem jüdischen Kalender am 15. Nisan erreicht. Es ist, religionshistorisch gesprochen, ein typisches Frühlingsfest, welches das endgültige Ende der Winterzeit markiert.
In den folgenden Jahrhunderten war die sich formierende christliche Kirche um eine zunehmende Abgrenzung zum Judentum bemüht und es wurde beschlossen, das Fest der Auferstehung Christi nicht mehr nach dem jüdischen Kalender zu feiern, und nach langen Streitigkeiten wurde erst auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 eine neue Formel zur Festlegung des Festes gefunden: Die Christen wollten fortan am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond feiern. Dies hat auch zur Folge, dass Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt. Der ursprüngliche Name des Festes blieb in den romanischen Sprachen allerdings dennoch erhalten: Aus dem lateinischen Pascha wurde im Italienischen Pasqua, im Spanischen Pascua und im Französischen Paques. Warum also feiern wir heute Ostern, und die Engländer Easter?

Wie schon gesagt, war das Pessachfest ursprünglich ein typisches Frühjahrsfest. Als die Kirche begann, den nord-mitteleuropäischen Raum, vor allem die Gebiete des heutigen Englands und Deutschlands, zu missionieren, trafen ihre Sendboten dort auf vitale heidnische Kulte, deren religiöser Kalender sich stark an den jahreszeitlichen Gegebenheiten orientierte, und im angelsächsischen England wurde im Frühling die Fruchtbarkeitsgöttin Eostra oder Ostara verehrt, auf deren Wirken der Sieg über den Winter zurückgeführt wurde. Um den Neubekehrten die Abkehr von ihren alten Göttern zu erleichtern, blieb der Name erhalten und die Tradition zumindest teilweise gewahrt. Es waren dann angelsächsische Missionare, allen voran der bedeutende Bonifatius, Gründer des Bistums Fulda, die das Christentum nach Deutschland brachten und dort ausdrücklich das Osterfest einführten. Dieser Name setzte sich durch, und viele Symbole, nicht zuletzt die Hasen und die Eier, erinnern noch heute an die alte vorchristliche Fruchtbarkeitstradition.

Vielleicht gedenken wir, wenn wir heute Ostern feiern, nicht nur der Auferstehung Jesu, sondern auch der Göttin unserer Vorfahren: Ostara.

Text: Sören Scheffler
Er hat Geschichte und Religionswissenschaft studiert und leitet heute das auf Kulturreisen spezialisierte Unternehmen Scheffler Reisen.

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