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30.07.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Mit Kraft am Werk - gut essen in Oberursel


Foto von Aspe Rosenberg und Utz Schoris. Dieser Blaubeer-Topfenschmarrn bleibt nicht lange in der Pfanne.

© Aspe Rosenberg/Utz Schoris

Strom wird hier zwar nicht mehr erzeugt, aber das, was sich hinter den denkmalgeschützten Mauern des ehemaligen Oberurseler Gleichrichterhauses der Frankfurter Lokalbahn abspielt, brodelt nur so vor Energie. Schon im Eingangsbereich werden wir von dem empfangen, was die Quintessenz dieser Gastronomievariante verkörpert: Bewegung und Kraft. Denn durch eine Glaswand vom Gastraum getrennt, aber doch zum Greifen nah, stehen in der angrenzenden Autowerkstatt, die man für Events anmieten kann, fahrtüchtige Oldtimer, allen voran ein Aston Martin, der nicht undercover im Geheimnis Ihrer Majestät unterwegs ist, sondern königsgleich auf einer Empore über den anderen Schönheiten thront. Das verspricht viel!

Vor gut einem Jahr wurde das Kraftwerk von zwei jungen, zielorientierten Gastronomie-Profis als ihre zukünftige Wirkungsstätte auserkoren. Daniela Finkes und Bertl Seebacher betrieben bereits in Wiesbaden zusammen ein Restaurant, suchten aber nach mehr. Finkes in Service und Verwaltung und Seebacher in der Küche. Seine Stationen führten ihn von Hans Haas’ Tantris über seine Heimat Steiermark, auch über Südafrika bis er schließlich zusammen mit Finkes das Rhein-Main-Gebiet für sich entdeckte. Seebacher ist nicht umsonst in der Küche des Kraftwerks, denn er verkörpert die pure Energie. Und Leidenschaft, wenn er vom Kochen spricht. Ehrlichkeit ist sein erklärtes Ziel. Eine verständliche und doch gehobene Küche zu machen, seine Devise. Am Ende des Abends ist uns klar, dass Seebacher weiß, wovon er spricht.

Sein Enthusiasmus ist Gesetz, sein Spiel mit den Gegensätzen eine Geschichtsstunde des Kochens, sein Angebot: sowohl klassische österreichische Küche als auch moderne Sterneküche mit individuellem Einschlag. Und im Zentrum von allem steht für das Team um Seebacher-Finkes der Gast, der sich bei ihnen wohl fühlen soll. Wir sind gespannt und werden empfangen mit einem Aperitif aus einem hausgemachten Mark aus weißem Pfirsich, Maracuja und Vanille, für dessen fruchtige Spritzigkeit sich ein trockener Sekt verantwortlich zeigt. Mit Sicherheit ein Appetitmacher für das, was noch kommen soll. Daniela Finkes, die uns zu unserem Tisch begleitet und ihr Service-Team sind so unsichtbar wie allgegenwärtig. Würdige Nachfolger des berühmten Agenten in seinem Aston Martin.

Die 4-Gang-Menüs, die wir heute Abend wählen, scheinen auf den ersten Blick kontrovers, manifestieren jedoch die Maxime Seebachers: „Österreich klassisch“ (35€) und "Around the world" (50 €). Der gebackene Donauwels neben einem fein abgestimmten Kartoffel-Feldsalat mit Kalbfleischflanzerl findet sein Gegenüber in einem dezent marinierten Sashimi aus Thunfisch und Wildlachs mit Kren-Wasabi Espuma. Die klassische Rindersuppe mit Einlage entdeckt an ihrer Seite eine gegrillte Jakobsmuschel auf Blumenkohlcreme mit Spargel und Vanille. Zum Niederknien!

Wohl den größten Mut beweist Seebacher bei seinem Hauptgericht, einem "Original Wiener Schnitzel" mit Kartoffelschmarrn und Preiselbeeren. Damit verbindet jede/r einen gewissen Geschmack. Denn sein Pendant, der Lammrücken mit Balsamico-Zwiebeln und sanft gebratener Polenta ist wahrlich ein herausragender Gefährte. Die Menüs werden von den passenden Weinen begleitet. Auch hier gewähren uns Seebacher und Finkes einen Einblick in ihre Heimat.

Den cremigen Blaubeer-Topfenschmarrn an Vanille-Eis und einem erfrischenden Birnenmark als schmeichelnden Abschluss zweier herausragender Menükompositionen nehmen wir als Rezept-Geschenk mit.

Aber wir gehen nicht, ohne eine der Spezialitäten Seebachers gekostet zu haben: Die geschmorten Ochsenbäckchen. Hier zeigt er uns noch einmal, dass er wirklich ein herausragender Koch ist.

Blaubeer-Topfenschmarrn
170 ml Milch, 200 g Mehl, 250 g Topfen (Quark, 40% F.i.T.), 80 g Zucker, 5 Eier, Vanille

Diese Zutaten zu einem Teig verrühren.

In einer beschichteten Pfanne etwas Butter erwärmen und den Teig hinein geben. Bei 180°C 20 Minuten im Backofen backen.

Zum Karamellisieren 2 EL Butter in einer Pfanne schmelzen, 2 EL Zucker dazugeben und karamellisieren lassen. Dann 3 EL Blaubeeren zugeben. Den Pfannkuchen aus dem Ofen nehmen, in kleine Stücke reißen und in den Blaubeeren schwenken. Puderzucker nach Belieben.
Mit Vanilleeis und Birnenmark servieren.

Essen im Kraftwerk: www.kraftwerkrestaurant.de
www.kraftwerke-taunus.de

Text: Aspe Rosenberg und Utz Schoris

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