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04.02.2011 16:18 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Explosion in Form und Farbe


Eine Abendkleid-Kreation in Rosa vom Stefanie Pattke Atelier.

© Stefanie Pattke Atelier

"Atelierschönheit" Schwarzer Engel

"Atelierschönheit" Schwarzer Engel, © Sonja Lehnert

Garnrollen: In der Schatzkammer des Ateliers weisen schon die Garnrollen auf die zu erwartende Farbenvielfalt hin.

In der Schatzkammer des Ateliers weisen schon die Garnrollen auf die zu erwartende Farbenvielfalt hin. © Sonja Lehnert

Das Bild im Hintergrund zeigt den per Hand in Falten gelegten brombeerfarbenen Satin des Titelfotos. Im Vordergrund eine weibliche Schaufensterpuppe in feiner Abendgarderobe.

Das Bild im Hintergrund zeigt den per Hand in Falten gelegten brombeerfarbenen Satin des Titelfotos. © Sonja Lehnert

Stefanie Pattke lässt in ihrem Atelier Stoff-Träume wahr werden. Was als ein glatter brombeerfarbener Satin daherkommt, verwandelt sich unter ihren Händen in ein formvollendetes Kunstwerk, das immer das Ziel verfolgt, die Trägerin hervorzuheben.

Genauso wie die Ideen, die einen Stoff zum Kleid, Jäckchen, Anzug oder Mantel werden lassen, sprudeln die Wörter bei Stefanie Pattke, die vom Jugendopernchor über die Malerei bis zur eigenen Schneiderwerkstatt Geschichten und Anekdoten erstehen lässt. Rundherum stehen Ankleidepuppen, Garderobenwagen und Schnittkarton, aber dominant – und als Nabel der (Schneiderinnen-)Welt – nimmt der Zuschneidetisch den Raum ein, bedeckt mit Schnitten, Nadeln, Schneiderkreide, Stoff. Am Ende des großzügigen Ateliers führt noch eine Tür in die wahre  Schatzkammer. Hier hängen dicht gedrängt fertige und fast fertige Kostüme, Kleider, Anzüge von Kundinnen und Kunden, hier biegen sich aber auch bis zur Decke die Regalbretter unter hunderten von Stoffen, die alle ihren eigenen Platz haben. Hier ein schwarzer Stretchsamt, da ein dunkelblauer Satin, dort ein bunter Jersey. Neben diesem riesigen Fundus „für die Kurzentschlossenen die fast ‚just in time’ ihr Bekleidungsstück brauchen, kann ich auch Material bestellen. Die Stoffkollektionsordner – und davon habe ich einige – beinhalten als Basic die ganze Farbpalette und das in allen Qualitäten oder modisch ausgefallenen Farben, Zusammensetzungen und Bindungsarten . . . man kann die Stoffmuster anfühlen und in den Seiten versinken,“ schwärmt Stefanie Pattke und man merkt ihr die Begeisterung an, die sie 1:1 an ihre Kundinnen und Kunden weitergibt. Da wird geblättert, zwischen den Fingern gefühlt, darüber gestrichen, Farbnuancen verglichen. Die Stoffpreise können zwischen 25 Euro und 1.500 Euro pro Meter schwanken, dann aber auch zum Beispiel mit Swarovski-Steinen besetzt, aber immer in allerbester Qualität. Es ist ein Abenteuer, hier fündig zu werden. Aber die Erfolgsquote liegt bei hundert Prozent, denn die Atelier-Inhaberin hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, ist immer mit den neuesten Trends up-to-date und hört nach über 11-jähriger Selbstständigkeit auch ganz genau die Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden heraus, um immer und ganz individuell auf die Vorstellungen eingehen zu können.

Pattke hat dieses Atelier vor sechs  Jahren eröffnet und damit Interessierten die Möglichkeit gegeben auch einmal durch die Schaufenster in der Fußgängerzone  in der Kreisstadt Hofheim einen Blick zu wagen. Vorher arbeitete sie in ihrem Atelier, das direkt in ihre Wohnung integriert war, in der dann schon einmal Nadeln, Stoffe und  Garnrollen die Oberhand gewannen. Jetzt sind aber hinter dem Schaufenster schwarzer Tüll, brombeerfarbener Satin und schwarze Engelsflügel, drapiert an ein umwerfendes, schwarzes Ballkleid zu sehen. „Viele denken deshalb, ich schneidere nur Abendkleider. Aber es geht vom Standard-Businessanzug über den Petticoat der Themenparty bis zur Abendrobe. Nur kann ich die Kleider der Kundinnen ja nicht ins Schaufenster hängen, das ist doch viel zu persönlich und privat. Aber viele, die interessiert sind, kommen dann zu den Geschäftszeiten und fragen nach“, erläutert die Schneidermeisterin.

Stefanie Pattke hat schon als Kind den Gartentisch der Eltern leergeräumt, um darauf aus Stoffen etwas Tragbares für sich selbst zu schneidern. „Es war zwar eine kindliche Spielerei, aber es war etwas ganz für mich, es war bunt  und das fand ich toll“, erinnert sie sich. Die Schneiderei war damals nicht ihr angestrebtes Berufsziel. Sie sang im Jugendopernchor des Wiesbadener Staatstheaters, genoss eine klassische Gesangsausbildung und wollte diesen Weg auch weitergehen, bis sie als Jugendliche die Malerei entdeckte. Sie malte in verschiedenen Künstlerateliers, „da ging es mir gar nicht so sehr um die Farbe, sondern um die Form. Ich malte mit Bleistift und Kohle“, beschreibt sie ihre damalige Technik. Nachdem sie sich schließlich doch für eine Schneiderlehre entschieden und sie mit besten Ergebnissen abgeschlossen hatte, studierte sie Modedesign, das zu dieser Zeit noch Textiltechnik hieß und alle Details des Mode- und Schneiderhandwerks beinhaltete. Die Studierenden beschäftigen sich neben Fertigungstechnik, Entwurf, Gestaltung, Kunstgeschichte, Schnittgestaltung und Marketing auch mit Computer-Aided Design. Als Vollblut-Handwerkerin, wie sich Pattke selbst beschreibt, liegt ihr aber viel am eigentlichen Handwerk und daran, die Schnitte selbst zu entwerfen und die Arbeit nicht von Schablonen oder einem Computerprogramm erledigen zu lassen.

Heute kann sie deshalb auch den Kundinnen und Kunden die Wahl lassen, ob sie die Knopflöcher lieber hand- oder maschinell gestochen, ob sie Falten gelegt und gerafft haben möchten. Stefanie Pattke kann allen Wünschen gerecht werden. „Das ist natürlich auch eine Preisfrage“, sagt sie, „die Handarbeit ist zeitaufwändiger, aber wenn es solch ein besonderes Knopfloch am Anzug sein muss, mache ich das natürlich gerne.“ Ihr ist es wichtig, dass jede und jeder, der zu ihr kommt die individuelle „Wohlfühlhülle“ erhält, die dem Wunsch und manchmal auch dem Traum vom individuell geschneiderten Kleidungsstück entspricht. Sie schaut als Schneiderin nach der Silhouette der Kundin und des Kunden, und was diese kleidet. Was sie schneidert, muss die Persönlichkeit unterstreichen. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt, die Kleidung tritt zurück und dient nur dem Hervorheben seiner Vorzüge. „Ich beobachte manchmal, wie eine Kundin erst einmal kaum wagt, einen Blick in den Spiegel zu werfen. Doch langsam wird sie gewahr, wie sie in dem neuen Kleid wirkt, richtet sich auf, blickt ihr Spiegelbild selbstbewusst an und lächelt sich zu – das ist für mich ein wunderbarer Moment.“ Teilweise habe sie unter ihren Kundinnen und Kunden auch durchaus Modejunkies, aber sie werde niemals jemanden in etwas hineinstecken, in dem er oder sie sich blamieren könnte. Sie berät in Stilfragen und sagt auch manchmal nein zu einem gewünschten Outfit, das sie gar nicht vertreten kann. „Doch es gibt so viele Nuancen eines Musters oder einer Farbe, dass eigentlich immer ein gemeinsamer Nenner gefunden wird. Wenn Chanel  in diesem Sommer in Weiß über den Laufsteg läuft, meiner Kundin aber das harte Weiß gar nicht steht, einigen wir uns auf ein weiches Creme, das ihre Persönlichkeit hervorhebt  und trotzdem den hellen angesagten Farbton zeigt.“

Stefanie Pattke arbeitet bei ihren Schnittentwürfen frei nach ihren Ideen und nicht mit Schablonen. Vor ihr auf dem Zuschneidetisch liegt der zweidimensionale Karton, aus dem sie dann einen ganz individuellen und dreidimensionalen Schnitt „zaubert“, ob mit oder ohne Volant, mit Revers- oder Steh-Kragen, Falten, Raffungen oder Plissees. „Und neben dem Konstruieren von Schnitten tritt dann das freie Arbeiten in den Vordergrund, wenn das Material durch meine Finger gleitet und das gefühlvolle Spiel der Formgebung beginnt“, sinniert sie und man spürt beim Zuhören, wie sich hier zur Handwerkerin die Künstlerin gesellt, die aus einem vielleicht ganz gewöhnlichen Tageskostüm das Besondere für seine Trägerin kreiert.

Hier kann, wer nach der ganz persönlichen „Wohlfühlhülle“ sucht, nachfragen:
Stefanie Pattke, Telefon 06192/21210 oder unter www.atelier-pattke.de.

Text: Sonja Lehnert

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