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26.10.2011 15:01 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Bei der "Wilmenrod"-Nachfolgerin "Lumia" wird der Teller ratzeputze leer gegessen


Genussbällchen von Patricia Thiel

Genussbällchen von Patricia Thiel. © Restaurant Lumia

Kleine Köstlichkeiten in großartiger Umgebung

Kleine Köstlichkeiten in großartiger Umgebung. © Restaurant Lumia

Eröffnungsfeier im September 2011

Eröffnungsfeier im September 2011. © Restaurant Lumia

Raucherlounge des Lumia.

Raucherlounge des Lumia. © Restaurant Lumia

Martin Ziegler und Patricia Thiel

Martin Ziegler und Patricia Thiel. © Restaurant Lumia

Wenn Patrica Thiel, Betreiberin und Köchin des neuen Restaurants „Lumia“ in Königstein, über Nahrungsmittel und ihre Zubereitung spricht, klingt das wie eine Liebeserklärung an die Gaben der Natur und – es schmeckt auch so! Wer einmal ihre selbstgemachte Currysaucen-Kreation zur Wurst der 11ten Generation probiert hat, will mehr über ihre Kochkunst erfahren. Die warmverarbeitete Bratwurst 11te Generation heißt übrigens so, weil sie nach zehnmaliger Verbesserung alle Ansprüche der drei „Erfinder“ (Spitzenköche) erfüllte: keine Phosphate, keine Stabilisatoren, keine Bindemittel, keine Geschmacksverstärker oder sonstige Zusatzstoffe.

Viele Jahre arbeitete Patricia Thiel in einem Bioladen und weiß deshalb, welchen Produkten sie vertraut und welche sie in ihrem Restaurant anbieten möchte. Im „Lumia“ stehen beispielsweise Herbert-Limonade, Lammsbräu-Biere und Tau-von-den-Wiesen-Kräuteraufgüsse auf der Karte. Vor den beiden regulären Öffnungstagen des Lumia, Donnerstag und Freitag, lässt sich Patricia Thiel auf dem Markt inspirieren. Die Gemüsebeilage, mitunter auch die Fleisch- oder Fischauswahl, richtet sich danach, was die Region saisonal hergibt. Im Augenblick steht Mangold in Knallrot, Pink oder Gelb bei Patricia Thiel hoch im Kurs. Toll auf dem Teller machen sich aber auch handgroße, feinwürzige Salatköpfe, die so geputzt werden, dass sie als ganzer Salatkopf serviert werden können oder Pilze in bizarren Formen und Farben; die eine Sorte schmeckt nach Gambas, eine andere nussig. Frische und Aussehen sind wichtig, regional geht vor bio-dynamisch. „Uns liegt die Verkürzung der Wege am Herzen und wir kennen regionale Anbieter, die nicht bio-zertifiziert sind, aber hohe Ansprüche an ihre Produkte stellen“, so Mitgründer und Thiels Lebensgefährte, Martin Ziegler.

Patricia Thiels augenblickliches Lieblingsgericht klingt frisch, leicht und farbig: Kürbis in Organgensaft, Honig, Chili, Zimt, Koriander, Ur-Salz und Pfeffer mariniert. Der Pfeffer wird frisch gemahlen, damit er nicht nur Schärfe hat, sondern auch ein Aroma, der Kürbis geröstet, in Chili-Orangenbutter geschwenkt und mit geschmorten Pilzen, Lauchzwiebeln und Zitronenpolenta serviert. Wenn die Königsteiner Köchin abschmeckt, dann möchte sie „dem Essen ein Gesicht“ geben, es soll geschmacklich harmonieren, in Mund und Gaumen „Genussbälle“ formen. Sie würzt das Essen voll aus, sodass die Gäste nicht nachwürzen müssen. „Der Geschmack erzählt Geschichten, malt Bilder“, erzählt die Köchin begeistert. „Ich koche aus meinem Herzen und aus meinem Kopf heraus. Ich gucke mir Rezepte an, lese sie quer, wandle sie ab, aber probiere auch gerne Neues aus. Food ist meine Passion“, sagt Patricia Thiel.

„Mit acht Jahren bin ich den Wald gegangen, habe Pilze gesammelt, Beeren gepflückt und meinen Großeltern was gekocht. Ich fand heraus, dass der Heidelbeersaft Milch stocken lässt und mischte beides so, dass man es als Dessert mit dem Löffel essen konnte. Mit elf Jahren habe ich meinen ersten Kuchen nach eigenem Rezept gebacken.“ Ihre Küche nennt sie jedoch nicht experimentell, eher traditionell. „Als ich von 2006 bis 2008 das Kaffeehaus Leimeister in der Königsteiner Fußgängerzone führte, sagte mir mal ein Gast: ‚Deine Karte liest sich wie eine Kindheitserinnerung‘.“ Auch im „Lumia“ gibt es mal Königsberger Klopse oder Kohlrouladen. „In der Einfachheit der Zubereitung und in den ehrlichen Produkten liegt der Geschmack“, schwärmt Patricia Thiel. Bei ihr gibt es auch Milchreis aus der Kochkiste mit Kompott oder Zucker und Zimt.

Um ihre Gäste nicht nur kulinarisch zu verwöhnen, haben sich Martin Ziegler und Patricia Thiel unter dem Motto „Die Leute sollen bei uns Spaß haben“, auch kulturelle „Beilagen“ ausgedacht.

Zum einen „die lange Tafel“ ein Mal im Monat: Zur Premiere am 19. Oktober gab es alle Speisen und Getränke mit Äpfeln; zum Empfang beispielsweise Apfel-Champagner, als Hauptgericht Schweinebraten mit Äpfeln, dazu hausgemachte Semmelknödel. Im November soll es Wild geben. Alle sitzen an einer langen Tafel, Freundinnen und Freunde ebenso wie fremde Leute, es ist in Weiß eingedeckt, Wein und Wasser stehen auf dem Tisch, Kerzenschein. Die Vorspeise wird auf dem Teller serviert, doch der Hauptgang in Schalen und Schüsseln. „Reich mir bitte mal die Knödel oder schick mal bitte die Sauce über den Tisch“, sind Einstiege für die weitere Konversation bei Tisch. „Viele kennen das aus dem Urlaub im Süden. Da wirst du in einem Restaurant platziert, eben auch mal an einen Tisch, wo schon andere sitzen und es gibt eine reduzierte Speisekarte“, erklärt Martin Ziegler, wie sie auf die Idee gekommen sind.

Auch der Name „Lumia“ entwickelte sich aufgrund von Urlaubseindrücken. „Wir waren in Sizilien in einer touristisch nicht so erschlossenen Region Anfang März auf der Suche nach einem guten Restaurant und fanden nach langer Irrfahrt inmitten einer Orangen- und Zitronenplantage, den Sonnenuntergang im Rücken, das „Le Lumie“. Denselben Namen wollten wir nicht nehmen, aber die Verbindung mit Licht, Strahlen, Helligkeit, Frische und Zitrone gefiel uns und so kamen wir auf ‚Lumia‘“, erinnert sich Martin Ziegler und Patricia Thiel hat weitere Geschmackspoesie parat - Zitronenkartoffeln: „Die Kartoffeln kommen in den Bräter mit Gemüsebrühe sowie ganz viel frischem Zitronensaft und werden darin gegart. Das Aroma der Kartoffel ist dann zitronenfrisch mit einer röschen Kruste. Ein bisschen Butter dazu – das ist sehr lecker.“

Das „Lumia“ knüpft atmosphärisch an das „Wilmenrod“ (2002 bis 2006) zu Zeiten von Jo Hewel, seiner Frau Silvia und Thomas Müller an (2006 wurde das „Wilmenrod“ von Mirko Reeh übernommen). Zufriedene Gäste tafeln fein miteinander, fühlen sich fast so daheim wie in ihrem eigenen Wohnzimmer, unterhalten sich, genießen. Ins „Lumia“ kann man auch gut alleine kommen, sich an die Bar setzen oder an einem 6er- oder 4er-Tisch zu anderen gesellen, einen guten Wein trinken, kleine Schmeckewöhlerchen knabbern, „kleine Köstlichkeiten näuseln“, wie Patricia Thiel es nennt, und einen netten Abend verleben. „2er-Tische sind gar nicht mehr zeitgemäß, wenn man sich anschaut, wie viele Singlehaushalte es gibt“, meint die Gastgeberin, die ihre Gäste stets persönlich, aber unaufdringlich begrüßt.

Das Frühstück „a la Leimeister“ am 30. Oktober greift die Gemütlichkeit und liebevolle Zubereitungstradition des ehemaligen Kaffeehauses Leimeister zu Zeiten von Patricia Thiel wieder auf. Hier lässt sich der Sonntag mit frischen Brötchen, süßen und herzhaften Aufstrichen, Käse von den Fuchshöfen, Rühreivariationen, italienischem Schinken und weiteren Lusthappen sehr gut angehen.

Außerdem gibt’s regelmäßig Kunst und Kultur im „Lumia“. Wechselnde Ausstellungen verändern immer wieder das Aussehen des  Gastraums. Gegenwärtig zeigt Cathy Carvi vom Königsteiner Creativecamp abstrakte Gemälde, wobei sie ein Bild speziell für die Ausstellung in der Limburger Straße 22 gemalt hat. Am 1. November um 21 Uhr startet die Kleinkunst-Reihe „Zwo“ mit dem Kabarettisten Andy Sauerwein und Mentalist Harry Seher. „Zwo“ deshalb, weil es die zweite Auflage dieser Idee ist; auch zu Wilmenrod-Zeiten gab es Kleinkunstabende und weil jeden ersten Dienstag im Monat immer zwei KünstlerInnen auf der „Lumia“-Bühne stehen werden. Der Eintritt ist frei, aber ein Hut geht rum.

Damit das „Lumia“ nicht nur die Restaurantlandschaft der Region bereichert sondern sich auch rechnet haben Martin Ziegler und Patricia Thiel ihr frisch gegründetes Unternehmen auf drei Säulen gestellt: Catering (Frühstück, Brunch, Kaffeetafel, Fingerfood, Grillparty, warmes Essen, was gewünscht wird, aber ohne Fertigprodukte - im „Lumia“ oder Außerhaus), öffentlicher Restaurantbetrieb an zwei Tagen in der Woche (Donnerstag und Freitag von 18 bis 24 Uhr) und Vermietung für Businessevents, Weihnachtsfeiern (im „Lumia“ auch im Januar möglich) oder Familienfeierlichkeiten. Es ist fast alles möglich in dem bewusst wenig, akzentuiert dekorierten, loftähnlichen, rund 95 Quadratmeter großen Raum. Stehtische, Bänke oder Tische, Hussen und Wunschdekoration können variiert werden für einen kleineren Kreis oder bis zu 90 Personen.

Besonders erfreuen dürfte Raucherinnen und Raucher, dass es eine Treppe abwärts eine separate Raucher-Lounge gibt. Kein Frösteln mehr an kalten Tagen vor Restauranttüren. Jeden Dienstag ab 19 Uhr sind hier die Zigarrenraucherinnen und -raucher willkommen.

Das ehemalige Haus des Hofschreiners der Herzogin von Luxemburg-Nassau ist leider nicht rollstuhlgeeignet. Parkplätze vor der Tür, Anfahrt und Kontakt unter: www.lumia.de

Text: Dörthe Krohn

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