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31.08.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Lebensstil

Aus Rheinhessen in die ganze Welt - Weingut Neumer


Weingut Neumer: Moderne Architektur trifft ökologischen Weinbau.

© Dorothée Mahringer

25.000 Liter Wein passen in jeden Tank.

© Dorothée Mahringer

Am 4. September ist Hoffest! Ab 15 Uhr gibt es Kellerführungen, Bouleturniere, Bio-Leckereien und lateinamerikanische Livemusik. 

Rheinhessen, ist das älteste und zugleich größte Weinanbaugebiet Deutschlands. Schon vor Christi Geburt wurden Trauben gepflückt und zu Wein gepresst. Heute hat rund ein Viertel allen deutschen Weins dort seine Wurzeln.

Den Urkunden nach ist der Niersteiner Glöck die älteste Lage. Unweit davon das Weingut Neumer, das Hubertus Weinmann und seine Frau Lucia in Uelversheim bewirtschaften. 1991 haben sie es von Lucias Vater Jakob Neumer übernommen und die ökologische Wende eingeläutet. Seither sind sie Mitglied im Verband ökologischer Winzer, der – Zufall oder nicht – in Rheinhessen seinen Ursprung hat.

Öko? Bio? Logisch, wer auf sich und seine Lieben hält. Auf die Frage „warum“ folgt oft das große Stottern oder der weltanschauliche Schwall. Nicht so bei Hubertus Weinmann. Seine Antworten kommen direkt aus dem Leben. 1991 waren seine Kinder noch klein, deutsche Pilze radioaktiv verseucht, das Reaktorunglück in Tschernobyl war gerade fünf Jahre her, die junge Familie stellte die Ernährung um. Da war es nur natürlich, auch draußen auf dem Weinberg die Produktion umzustellen. "Ich habe aus Eigennutz gehandelt", sagt Weinmann. "Schließlich bekommt der Winzer alle Chemikalien ab."

Keine einfache Zeit; die Umstellung ging nicht sukzessive. Um EU-Gelder zu erhalten, mussten die Weinmanns alle Anbauflächen ökologisch bewirtschaften. Zu Beginn gab es daher keinen Ertrag. Zudem fehlten Erfahrungen. Der Winzer war Weinmann zwar in die Wiege, vermutlich auch in die Gene und auf den Traualter gelegt worden. Hubertus Weinmann – Nomen est omen – kommt wie seine Frau Lucia aus einer Winzerfamilie. Die Liebe fiel nicht weit vom Rebstock und blieb dem Weinberg treu. Während ihre Berufslaufbahn nicht ganz so gerade verlief, lernte der junge Hubertus, wie man Trauben hegt und pflegt und daraus das Getränk macht, das die Sinne berauscht und als Medizin galt und gilt. Aber Vater Weinmann hatte traditionell gekeltert und Sohn Hubertus seinen Meister in eben dieser Tradition gemacht. Und so hieß es, erneut lernen und experimentieren.

Mittlerweile sind die Lehrjahre vorbei. Wie das Wissen vom reinen Wein ist auch das Gut gewachsen auf 30 Hektar mit rund 150.000 Rebstöcken. Da fällt der geringere Ertrag von etwa 20 Prozent aufgrund der ökologischen Bewirtschaftung weniger ins Gewicht. Zumal sich die Qualität gegenüber dem klassischen Anbau fast im gleichen Maße steigert. Den Neumerschen Weinen ist das gut bekommen. Auch die verschiedenen Sekte, teils handgerüttelt und in der Flasche gegoren, von halbtrocken bis brut, schmecken danach. Sie brauchen Konkurrenz nicht zu scheuen, eine Dégustation lohnt sich. Zumal der alte Bau aus den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen modernen, großzügigen und einladenden Anbau erhalten hat. Ende August fand die Einweihung statt. Probierpakete gibt’s frei Haus – innerhalb Deutschlands zumindest. Das linksrheinische Weingut vermarktet seine Produkte selbst. Inzwischen wird sein Wein in Schweden und Norwegen getrunken, in Kalifornien, demnächst vielleicht sogar in China. 2009 wird ein guter Jahrgang. Der Zuckergehalt stimmt, und der Reifegrad ist hoch. Die Lese fand im goldenen Oktober statt. Nun gibt der Wein in den riesigen Tanks sich kontrolliertem Nichtstun hin.

Winzer und Weinliebhaber fürchten die Klimaänderung. Sie ändert die Typik der Weine, vor allem die Schädlinge und Nützlinge. 2008 schwärmten Unmengen von Chinakäfern in die Weinberge, dieses Jahr waren es Marienkäfer. Und sie können den Geschmack verändern, leichte Bitterkeit in den Wein bringen. Bleibt zu hoffen, dass Goethe auch in Zukunft Recht hat: "Für Sorgen sorgt das liebe Leben, und Sorgenbrecher sind die Reben."

www.weingut-neumer.de

Text: Dorothée Mahringer


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