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26.10.2014 10:22 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Zweiter vielschichtiger Kriminalroman mit Commissario Pavarotti


Meran, Foto: Frieder Blickle, Freie Bilddatenbank: www.meranerland.com

Meran, Foto: Frieder Blickle, Freie Bilddatenbank: www.meranerland.com

Das Ende schreit nach einem dritten Band! Elisabeth Florin hat nach ihrem Debüt mit „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ nachgelegt – und wie! „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ ist eine mehr als gelungene Fortsetzung der Reihe und packt aufgrund der nuancierten Schreibe der Autorin aus dem Taunus, eines ausgeklügelten Spannungsaufbaus und differenzierter Charaktere. Das ungleiche Ermittlerduo Pavarotti und Lissie von Spiegel begibt sich nach dem Mord in einer psychiatrischen Privatklinik in Meran auf Spurensuche zwischen Frankfurt am Main, Tyrrhenischem Meer und dem beliebten Südtiroler Touristenort. Bei der Erforschung der Identität des Toten – der Hauptstrang des Kriminalromans – führen die Anhaltspunkte bis in die Südtiroler und Deutsche Vergangenheit zurück. Die im Buch verarbeiteten Ereignissen sind teilweise an tatsächliche historische angelehnt.

Tatsächlich gab es ab 1978 das so genannte Basaglia-Gesetz, eine einzigartige Psychiatriereform in Italien, die die Anstaltsinsassen aus den Institutionen in eine ambulante Betreuung und zu ihren Familien entließ. Eine Schwäche des Gesetzes war allerdings, dass zwar klar war, was man nicht mehr wollte, nämlich die Zwangseinweisungen in Großanstalten und psychiatrische Kliniken, doch welches Behandlungsangebot es anstelle des alten geben sollte, blieb unausgereift. Vor diesem Hintergrund lässt Florin Romanfiguren mit diversen psychischen Störungen samt dem erfundenen Personal der Privatklinik durch die Gänge, Zimmer und den Garten einer alten Meraner Villa kreisen.

Ein weiterer zeitgeschichtlicher Aspekt des Krimis ist die so genannte Option von 1939. Die faschistischen Diktaturen in Deutschland und Italien stellten die deutschsprachigen Südtiroler_innen vor die Wahl entweder ins Deutsche Reich auszuwandern (Optanten) oder in ihrer Heimat zu bleiben (Dableiber), zu dem Preis der Italianisierung, sprachlicher und kultureller Diskriminierung. Die Auswirkungen dieser erzwungenen Wahl auf die betroffenen Familien ziehen sich durch Generationen. Die „Große Option“ spaltete über Jahre die südtiroler Gesellschaft.

Auch die Romanereignisse auf den Kreuzfahrtschiffen im Tyrrhenischen Meer und in Amalfi haben reale Vorfälle als Vorlage. Während Pavarotti und Lissie den Fall entflechten, geraten sie unweigerlich in ihre eigenen Geschichten und müssen sich mit ihren eigenen seelischen Befindlichkeiten auseinandersetzen. Über ihre Beziehung zueinander sind sie sich im Unklaren. Eine Verbindung zwischen ihnen ist die gemeinsame Sorge um Teenager Justus, der seit dem tragischen Ende des ersten Falls bei Pavarotti lebt.

Elisabeth Florin
Commissario Pavarotti küsst im Schlaf
Kriminalroman
Emons Verlag
400 Seiten
ISBN 978-3-95451-439-7


Nächste Lesung: 13. November, 19 bis 20:30 Uhr im Gasthaus Schmiede, Feldwies 5, 61389 Schmitten

Der erste Band in der reinMein vorgestellt: Abstecher nach Meran

Text: reinMein/Dörthe Krohn


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