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25.10.2014 22:28 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Zarte Frau – raue Töne. Nachbericht zum sensationellen Soloprogramm „Pussy Terror“ von Carolin Kebekus

In ihrem über neunzig minütigen Marathonprogramm „Pussy Terror“ führt das rheinländische Ausnahmetalent durch alle Höhen und Tiefen ihres Lebens. Carolin Kebekus zeichnet ein unschlagbar witziges und doch sehr treffendes Bild des weiblichen Alltags und gewährt Einsicht in die intimsten Geheimnisse junger Frauen.


Mit unschuldigen Rehaugen und ungezügeltem Mundwerk sorgt Carolin Kebekus für Begeisterung beim Publikum.Foto: Lydia Polwin-Plass

Mit unschuldigen Rehaugen und ungezügeltem Mundwerk sorgt Carolin Kebekus für Begeisterung beim Publikum.Foto: Lydia Polwin-Plass

Carolin rockt ganz alleine die Bühne und fesselt mit Charme und Witz ihr Publikum. Foto: Lydia Polwin-Plass

Carolin rockt ganz alleine die Bühne und fesselt mit Charme und Witz ihr Publikum. Foto: Lydia Polwin-Plass

Carolin Kebekus behauptet von sich selbst ihre Wurzeln in der Kölner Bronx zu haben. „Gosse kann auch sexy sein,“ meint die Powerfrau aus dem Kölner Stadtteil Ostheim und stellt diese Aussage mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und ihrer attraktiven Ausstrahlung unter Beweis.

Mit unschuldigen Rehaugen und ungezügeltem Mundwerk sorgt die Stand-Up-Comedienne und Schauspielerin für Begeisterung beim Publikum und für ausverkaufte Hallen. Im stimmungsvollen Ambiente des Amphitheater Hanau faszinierte sie ihre Fans sogar zwei Abende hintereinander. Carolin Kebekus besitzt die große Begabung den ganz normalen Wahnsinn unserer Gesellschaft bis ins Detail aufzudecken und zu parodieren. Und in allem was sie sagt, steckt Wahrheit.

Das Bühnenbild besteht nur aus drei großen Bannern, die zusammen den Schriftszug von „Pussy Terror“ ergeben. Carolin braucht keine protzige Bühnenshow, kein Feuerwerk, kein großes Tamtam. Die zierliche junge Frau rockt ganz alleine die Bühne und von der ersten Minute an fesselt sie mit Charme und Witz ihr Publikum. Eine kleine Frau mit strahlendem Lächeln und großer Klappe. Die Themen, die sie behandelt sind gleichermaßen vielfältig wie aktuell. Von Pubertätsverwirrungen und  Jugendkultur über Konsumverhalten, bis hin zu Tabuthemen wie Pornografie oder den Ausschweifungen der Kirche, pöbelt sie hemmungslos alles und jeden an und verursacht damit bei ihrem Publikum so manchen Bauchmuskelkater. Mit starker Mimik und Stimme, und faszinierendem schauspielerischem Können lässt sie einmal ihren Mädchen-Charme spielen, um dann wieder schonungslos verbal um sich zu schlagen.

Gleich zu beginn der Show wird die Schlagerszene aufs Korn genommen. Carolin macht ihrem Entsetzen Luft, dass immer mehr junge Menschen zu Songs wie „Atemlos“ oder „Mein Herz das brennt“ abgehen, obwohl früher diese Art von Musik nur dem Geschmack älterer Menschen vorbehalten war. Auch drückt sie ihre Besorgnis über die neuen ultrakonservativen Kleidungsstile der Jugend aus und mokiert sich über umgehängte an der Brust geknotete Pullis. „Was ist nur mit der Jugend schief gelaufen,“ fragt sie sich seufzend, „wie sehen heute die Proteste der Jugend gegen die Eltern aus?“ Volxrocknroller? Carolin erzählt im Laufe des mehr als eineinhalbstündigen Programms den einen oder anderen Schwank aus ihrer eigenen Kindheit. Von ihrem sparsamen Vater, ihren ersten sexuellen Erfahrungen und schrägen Erlebnissen mit dem männlichen Geschlecht. So werden zum Beispiel die schlechtesten Anmachsprüche aufs Korn genommen und so manches Klischee wird zunichte gemacht.
Die Künstlerin kritisiert lauthals das Frauenbild, das von den Medien und vor allem von Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ gezeichnet wird und den Druck, der dadurch auf junge Mädchen entstanden ist. „Zellulite ist nur eine Frage der Beleuchtung,“ sagt Carolin treffend.

Die oft laute und manchmal ungemütliche Art machte die selbsternannte "Terror"-Braut zum absoluten Shooting-Star in der Comedy-Szene.

Ihr beeindruckendes Ausnahmetalent wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt Carolin Kebekus den renommierten „Prix Pantheon", den Kabarettpreis „Tegtmeiers Erben", den „Deutschen Comedypreis" und war bereits zweimal für den „Adolf-Grimme-Preis" nominiert. „PussyTerror" ist Carolins erstes Soloprogramm aber bestimmt nicht ihr letztes. Die ganze Bandbreite ihres umfangreichen Könnens kommt in ihrer Show voll zur Geltung und die Besucherzahlen sprechen für sich.

Text und Fotos: Dr. Lydia Polwin-Plass


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