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06.09.2014 14:44 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Kultur

"Schattenwald" zurück in Heppenheim


© Theater Anu, Inszenierung „Schattenwald“, Der Krieger erzählt die Geschichte vom Ur-Riesen

© Theater Anu, Inszenierung „Schattenwald“, Der Krieger erzählt die Geschichte vom Ur-Riesen

© Theater Anu, Inszenierung „Schattenwald“, Raven, die Rabenschwester, rezitiert das Anti-Märchen aus Georg Büchners „Woyzeck“

© Theater Anu, Inszenierung „Schattenwald“, Raven, die Rabenschwester, rezitiert das Anti-Märchen aus Georg Büchners „Woyzeck“

Die Theaterbesucherinnen und -besucher tragen idealerweise Wanderschuhe und wetterfeste Kleidung. Ausgestattet mit Laternen, deren durchscheinende Wände zauberhafte Scherenschnitte zieren, geht es in den finsteren Wald. Das Knarzen der Äste, Rascheln der Blätter, der Duft des Herbstes, alles wirkt noch intensiver beim nächtlichen Waldrundgang. Im Wald, dort warten die Raben auf die Holzfäller-Kinder, die alles vergessen zu haben scheinen – die Märchen, die sichtbaren und unsichtbaren Waldbewohnerinnen und -bewohner, den Wert des Waldes und die Verbundenheit des Menschen mit der Natur. Da kommen sie, die „Walah-Kinder“, sich zu erinnern, was passieren kann, wenn der Weltenbaum fällt und der Riese erwacht und wie die aufgewühlte Natur besänftigt werden kann.

Die zu Menschen gewandelten Raben erzählen und verweben u.a. Grimms Märchen „Die sieben Raben“, das „Märchen von der Unke“ und germanische Sagen aus der „Edda“. Der Wald ist kulturübergreifend in vielen Märchen, Mythen und Sagen ein bedeutender Ort des Geschehens, ist mal heiliger Tempel und Zuflucht, Raum für Reinigung und Erkenntnis, aber auch Unterschlupf für dunkle Mächte. Das Theater Anu macht aus ihm einen Ort der Poesie, faszinierender Licht- und Schattenspiele, der Gedanken und Erinnerungen: Die Begleiter des Gottes Odins, die Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung), fliegen jeden Tag über die Erde. „Ich fürchte, dass Hugin nicht nach Hause kehrt; doch sorg ich mich mehr um Munin.“ (Strophe 20 des Lieds „Grímnismál“ aus der Lieder-Edda)

Die schauspielerische Leistung der Darstellerinnen und Darsteller der Mensch gewordenen Raben, die differenzierte rabenhafte Gesten und Bewegungen, Laute zwischen den Textzeilen und Zuschreibungen zum Ausdruck bringen, ist in jeder Hinsicht sagenhaft. „Schattenwald“ feierte im April 2013 im Rahmen des Jubiläumsjahrs zum 200. Geburtstag der Grimm'schen Kinder- und Hausmärchen Premiere und tourt aktuell abermals durch hessische Wälder. (Die Autorin hat das Stück beim Baumkronenweg am Edersee gesehen.) Vom 1. bis 4. Oktober 2014 ist die Inszenierung nach August/September des vergangenen Jahres noch einmal in Heppenheim (Waldgebiet am Essigkamm, Steinbruch im Wald, Erbacher Tal 15) zu erleben. Spielbeginn ab 19.45 bis 20.30 Uhr. Das Theaterpublikum begibt sich gruppenweise alle 15 Minuten auf eine etwa einstündige Wanderung in die Dunkelheit des Waldes. Den gebührenden Applaus kann man am Ende des Weges in schriftlicher Form in einem Gästebuch verkünden.  

Das vor über zehn Jahren in Heppenheim gegründete Theater Anu hat seit 2007 seinen Sitz in Berlin und beschäftigt sich mit poetischen Theaterformen im öffentlichen Raum. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern bespielt die Compagnie unter der Leitung von Bille und Stefan Behr europaweit Parkanlagen, Tunnel, Industriehallen oder besondere Orte wie die Edersee-Staumauer. Dort war im August anlässlich des 100-jährigen Edersee-Jubiläums die Theaterinstallation „Nachtmeerfahrt“ zu sehen.  

Infos und Tickets: http://theater-anu.de

Text: Dörthe Krohn


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