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07.08.2013 21:09 Alter: 5 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Rock auf der Bühne und Mut zum Leben


Foto: Markus Gath

Sechs Jungs und ein Mädel rocken und röhren auf der Bühne, als würden sie nie anderes tun und zwar so, dass der Funke nach wenigen Minuten auf Zuhörerinnen und Zuhörer überspringt. Foto: Sonja Lehnert

Es sind nicht nur die Songs von Status Quo, Bad Company und Bryan Adams, die die Konzertsäle der Lickin’ Boyz füllen – es ist auch die Ansage, „wir spielen für einen guten Zweck“, die hinter jedem Auftritt steht und die Fans begeistert.Allerdings füllt nicht gleich jedes soziale Engagement große Hallen, wie demnächst den Südbahnhof in Frankfurt, es gehören auch Können und Professionalität dazu. Eine geglückte Kombination aller Komponenten bringen sie mit, die Lickin’ Boyz. Sechs Jungs und ein Mädel rocken und röhren auf der Bühne, als würden sie nie anderes tun und zwar so, dass der Funke nach wenigen Minuten auf Zuhörerinnen und Zuhörer überspringt und niemand im Saal die Beine stillhalten kann – so, wie es eben beim Konzert einer Rockband sein soll. Anders ist, dass alle als Ärzte und Ärztin im „wirklichen Leben“ ihren Mann und ihre Frau stehen. Doch wenn mit „Rockin’ All over the World“  die Party so richtig losgeht und David Bowies „Heroes“ ebensowenig fehlt wie Deep Purples „Smoke on the Water“, ist man als Zuhörerin oder Zuhörer einfach nur Fan der großen Rockgeschichte der letzten Jahrzehnte.

Geschichte

Die Bandgeschichte begann in einer portugiesischen Strandbar namens „Last Chance Saloon“, wo sich 2006 einige Teilnehmer eines internationalen Medizinsymposiums nach einem langen Vortragstag zum Feierabend beim Sonnenuntergang trafen. Irgendwann an dem Abend sprach man über Hobbys aus der Jugend und stellte fest, dass viele Musik gemacht hatten. Was lag näher, als eine Band zu gründen? Die Idee hatte tatsächlich auch noch bei Tageslicht Bestand und das erste Treffen im heimatlichen Langen wurde verabredet.

Die Band traf sich zunächst regelmäßig im Wartezimmer des Facharztzentrums in Neu-Isenburg, ein Bandname war mit The Lickin´ Boyz  bald gefunden und zu den Fortschritten, die die Band musikalisch machte, kamen Unterstützung in der Technik und im Management dazu. Während der ersten eineinhalb Jahre wurden im „stillen Kämmerlein“ spielbare Titel der letzten 30 Jahre gesucht und einstudiert. Dann war es endlich soweit, der erste Auftritt wurde vom Manager und dem Herz der Band, Helmut Golke, organisiert. Mitten im alten Ortskern von Trebur-Astheim, seinem Heimatort, spielte die Band ihr Repertoire in dem mit rund 150 Zuschauern zum Bersten gefüllten alten Festsaal. Die ersten musikalischen Holperschritte ließ man mit den nächsten kleinen Auftritten bei Benefiz-Veranstaltungen in Heusenstamm, Langen und Offenbach schnell hinter sich und brachte jedesmal vierstellige Euro-Beträge für gemeinnützige Zwecke (Kinderkrebshilfe, DKMS) zusammen. Unter dem Motto: „Wir spielen aus Spaß an der Musik!“, verzichtet die Band auf jegliche Gage.
Das vergangene Jahr brachte einige Veränderungen mit sich, wie das Ausscheiden zweier Musiker, die sich letztlich zum Guten hin entwickelten. Mit der Bassistin Daliah Nadas, im richtigen Leben Zahnärztin in Neu Isenburg, kam die erste Frau in die Band, die nicht nur ihr Instrument sondern auch ihre Stimme perfekt einzusetzen weiß.
Mit drei bis fünf Auftritten pro Jahr sind die Mediziner und die Medizinerin ausgelastet. Hin und wieder kommen eine offene Probe mit Freunden, eine private Geburtstagsfeier oder ein Auftritt im Ausland dazu – immer mit den Gedanken im Hintergrund, für einen wohltätigen Zweck zu spielen.

Gut organisiert

Proben, Auftritte, Sponsoren und die Stimmung untereinander müssen natürlich am Laufen gehalten werden. Dafür sorgt Helmut Golke, der Motor der Lickin’ Boyz und seines eigenen Lebens, das schon zweimal am seidenen Faden hing. Leukämie hieß 2005 die Diagnose, die seinen bisherigen Alltag komplett aus dem Ruder warf.

Als Pharmareferent stand er in ständigem Kontakt mit Ärzten. Eines Tages riet ihm einer seiner Kunden und späteres Bandmitglieder, sich einmal von einem Hämatologen untersuchen zu lassen, weil es ihm gesundheitlich beständig schlecht ging. Die Diagnose war niederschmetternd: akute Leukämie, die sofort behandelt werden musste.

Innerhalb kurzer Zeit war klar, dass nur eine Stammzellen-Transplantation Helmut Golkes Leben retten würde. Zum Glück wurde bald ein Spender gefunden. Doch vor der Transplantation standen mehrere Zyklen von Chemotherapie an und die Zerstörung des eigenen Knochenmarks, um den neuen Zellen die Möglichkeit zu geben, vom Körper angenommen zu werden und ein neues blutbildendes System aufzubauen. In dieser Phase besteht höchste Lebensgefahr, da jeder Keim tödlich sein kann. Nach 100 Tagen im Krankenhaus wurde Golke entlassen. Überstanden war die Krankheit jedoch noch nicht. Ein Rückfall ließ ihn weitere vier Wochen im Krankenhaus verbringen, bevor er im Juni 2006 seinen Arbeitsalltag für zirka zwei Jahre wieder aufnahm. 2008 stieg er endgültig aus dem Berufsleben aus.

2009, als die Abstände der Kontrolluntersuchungen schon immer länger geworden waren und der Krebs besiegt zu sein schien, waren plötzlich wieder neue Krebszellen da. Mit speziellen Medikamenten bekam Golke die Leukämie wieder unter Kontrolle. Doch auch wenn jetzt keine Krebszellen mehr nachzuweisen sind, ist die Krankheit gegenwärtig.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – steht Helmut Golke als Antriebsfeder für die Aktivitäten der Lickin’ Boyz. Seine Lebensfreude und seine Ideen sind ansteckend – kein Wunder also, dass für den Auftritt am 13. September 2013 im Südbahnhof auch Henni Nachtsheim (von Badesalz) und der Jungkomiker Emil Ferrari zugesagt haben. Am 9. November 2013 wird in Berlin zusammen mit Queen 2 gerockt und aktuell sind die Musiker und die Musikerin in Österreich „on tour“.
 
Die Benefizkonzerte der Band werden hauptsächlich für die DKMS und die Kinderkrebshilfe aber auch für die Clown-Doktoren und die Kinderhospiz-Organisation Bärenherz organisiert.  

Die Band

Hendrik Bretschneider
Percussion, Drums und Art-Director bei der Ärzte Charity Rockband „The Lickin´Boyz“
Jahrgang 1956, verheiratet und 1 Tochter
Hobbys: japanische Kampfkünste, Malerei und Musik
Motto: „Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?“


Helmut Golke
Managment + Percussion  
Jahrgang 1952, verheiratet und 2 Kinder
Dipl.-Ing(FH) für Umwelt-und Hygienetechnik, 32 Jahre im Pharma- Außendienst bei Novartis beschäftigt. Seit 2005 an Leukämie erkrankt.
Mitbegründer, Mitglied und Vorsitzender des Ärztevereins „Grooving Doctors e.V.“
Hobbys: Familie, gutes Essen und mit der Band Erfolg haben
Motto: „Man muss dem Leben nicht mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben geben“

Karl Hieke
Gitarrist
Selbstständiger Facharzt für Allgemeinmedizin, Tauchmedizin (GTÜM), Notfallmedizin, Sportmedizin, Reisemedizin, Ernährungsmedizin (DGEM), Akupunktur in Rodgau-Jügesheim, Eisenbahnstr.13
Musizieren ist für mich eine Ausdrucksform von Emotionen. Wenn sie auch das Publikum ergreifen, sind wir Eins.
Hobbys: Tauchen, Skifahren, Biker Kult, Gitarre spielen
Motto: „Ein Leben ohne Musik wäre für mich ein Stück farbloser und kälter.“

Thomas Hoffmann

Jahrgang 1965, verheiratet, 2 Kinder
2007 reaktivierter Schülerband Schlagzeuger und spät entdeckter Teilzeitsänger
Niedergelassener Arzt für Diagnostische Radiologie – Radiologie und
Nuklearmedizin Langen, Röntgenstr. 20, Langen
Tätigkeitsschwerpunkt Mamma-Diagnostik, MRT und CT, Interventionen
Hobbys: die Band und was man sonst so macht, wenn man Zeit hat
Motto: „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? (Sesamstraße)“.

Hans-Jürgen Lange
Leadsänger
Selbstständiger Facharzt für Innere Medizin mit Tätigkeitsschwerpunkt endoskopische Gastroenterologie und Hepatologie am Facharzt-Zentrum, Robert-Koch-Straße 7, Neu-Isenburg.
Leitender Notarzt im Kreis Offenbach.
Jahrzehntelange Tätigkeit als Luftrettungsarzt auf Rettungshubschrauber Christoph 53 Mannheim.
Hobbys: seit früher Jugend Rockmusik. Weitere Leidenschaften sind Skilaufen, Radfahren, Literatur und Reisen.
Motto: „Wenn der Weg mein Ziel sein soll, so möchte ich noch lange laufen.“

Daliah Nadas
Bassistin und Co-Sängerin
Zahnärztin in Neu-Isenburg
Ganzheitliche Zahnmedizin mit Schwerpunkt Ästhetik.
Studium begleitende Passionen waren die Arbeit am Institut für Biophysik und natürlich die Musik.
Hobbys: Radfahren, Malen und Fotografie
Motto: „Glücklich ist, wer sich in der untergehenden Sonne auf die aufgehenden
Sterne freut.“


Rainer Wittig
Akustik- und E-Gitarre
Jahrgang 1962, niedergelassener Facharzt für
Allgemeinmedizin in Dreieichenhain, Schwerpunkt haus- und familienärztliche Betreuung, Psychotherapie, Sportmedizin, Akupunktur und Naturheilverfahren
Fahrgasse 5, Dreieich
Hatte immer den Traum, einmal in einer Rockband zu spielen. Dieser Traum ging zwar spät in Erfüllung, dafür kam aber alles gewaltiger, als in den kühnsten Träumen vorgestellt.
Hobbys: neben der Musik Sport, Film und Fotografie.
Motto (frei nach Gerhard Polt): „Es braucht nur ein kleines Konfetti, und schon ist eine Bombenstimmung.“

Jetzt vormerken und Karten reservieren:

The Lickin’ Boyz

mit Henni Nachtsheim (Badesalz) und Emil Ferrari (jüngster Comedian Deutschlands),
zu Gunsten des KinderPalliativTeams Südhessen ( www.palliativteam-frankfurt.de )
Südbahnhof Musiklokal Frankfurt ( www.suedbahnhof.de )
Freitag, 13. September 2013, Beginn 20 Uhr, Einlass 19 Uhr
Tickets für 19 Euro gibt es bei:

helmutgolke@gmx.de
www.suedbahnhof.de  + Vorverkaufsgebühr mit Click auf ADTicket

Text: Sonja Lehnert




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