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28.10.2014 13:17 Alter: 5 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Ougrapo meets Oulipo


Die drei Ougrapotinnen und Michael Hohmann  (seit 1992 Geschäftsführer der Romanfabrik) stellten das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vor. Foto: Dörthe Krohn

Die drei Ougrapotinnen und Michael Hohmann (seit 1992 Geschäftsführer der Romanfabrik) stellten das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vor. Foto: Dörthe Krohn

Buchcover: Oulipo - Ougrapo. Eine Gebrauchsanweisung, Verlag Das Wunderhorn, ISBN: 978-3-88423-480-8

Buchcover: Oulipo - Ougrapo. Eine Gebrauchsanweisung, Verlag Das Wunderhorn, ISBN: 978-3-88423-480-8

Oulipo kommt von L' Ouvroir de Littérature Potentielle, übersetzt: Werkstatt für Potenzielle Literatur. Sie wurde 1960 von experimentierfreudigen, vor allem französischsprachigen Autorinnen und Autoren gegründet und hat seit 2011 einen aktiven Ableger in der Frankfurter Romanfabrik. Die Verfasserinnen und Verfasser oulipotischer Texte erteilen sich selbst strenge Schreibregeln, unterwerfen sich freiwillig Formzwängen. Was erst einmal eher unattraktiv nach Disziplin klingt ist tatsächlich ein kreatives Spiel mit der Sprache. Wie das funktionieren kann hat 1969 eindrücklich Georges Perec gezeigt. In seinem Roman „La Disparition“ taucht kein einziges Mal der Buchstabe E auf. Die konsequente Weglassung des Buchstabens E, man nennt diese Spielart Lipogramm, hat auch Eugen Helmlé durchgezogen, der das Buch in die deutsche Sprache übersetzte. Der deutsche Titel lautet „Anton Voyls Fortgang“. Was „Potenzielle Literatur“ sein kann zeigt aber auch eine kürzlich im Heidelberger Verlag Das Wundhorn erschienene „Gebrauchsanweisung“, die nicht nur Oulipo-Werke präsentiert sondern mit Ougrapo eine Fusion eingegangen ist.

Ougrapo ist die Werkstatt für potenzielles Grafikdesign, die der Grundidee von Oulipo folgt. Faltet man den blauen Buchumschlag des von Heiner Boehncke, Michael Hohmann, Sophie Dobrigkeit, Ulrike Gauder und Sigrid Ortwein herausgegeben Bands auseinander, hält man ein Plakat in den Händen, auf dem das Ougrapo-Manifest zu lesen steht. Eine der Regeln: „Vergiss die Grenzen deiner Profession. Jedes Material kann der Beginn für ein Projekt sein.“ In diesem Sinne wenden sich die Designerinnen Sophie Dobrigkeit, Ulrike Gauder und Sigrid Ortwein bereits seit 2001 dem ougrapotischen Ausprobieren zu. (Weitere Professionen könnten und sprengen bereits die Grenzen ihrer Disziplinen und befassen sich mit dem Experimentieren nach variierenden Prinzipien, dem spielerischen Beschränken, dem Verhindern üblicher Formen, um sich von neuen überraschen zu lassen. Z.B.: Outrapo – Theaterwerkstatt, Ouviepo – Werkstatt für Potenzielles Leben.)

Die Allianz von Ougrapo und Oulipo hat eine vergnügliche Sammlung außergewöhnlicher Texte, darunter Gedichte, Zufallsstücke, Stilübungen und Bild-Wort-Spiele in rund 100 Seiten modernem Buchdesign hervorgebracht. Neben den Herausgeberinnen und Herausgebern haben der französische Poet Jacques Roubaud, Franz Mon, Viktor R. Georges, Klaus Gronau, Peter Hauff, Philipp Hertzog, Nathalie Klug, Ira Kulani und Norbert Zankl an „Oulipo Ougrapo. Eine Gebrauchsanweisung“ mitgewirkt.

Wer sich auch einmal versuchen möchte, kann sich unter der Leitung von Heiner Boehncke (Professor für Vergleichende und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität) zu den Oulipotinnen und Oulipoten in der Romanfabrik gesellen. Der nächste Termin ist der 2. Dezember: http://www.romanfabrik.de/reihen/oulipo-schreibwerkstatt/

Ougrapo-Einblicke gibt es schon am 12. November um 19 Uhr im Offenbacher Klingspor Museum unter dem Titel „Picture Wordshop. Wort malen, Bild schreiben, Zufalls lesen“. Anmeldung: http://picture-wordshop.de/wordpress/termine/

Text: Dörthe Krohn


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