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08.09.2012 11:39 Alter: 7 Monat(e)
Kategorien: Kultur

MEDEA und MEDEA. STIMMEN


© Regina-Busch-Ensemble, Foto: Monika Roth

© Regina-Busch-Ensemble, Foto: Monika Roth

© Regina-Busch-Ensemble, Foto: Monika Roth

Ein Doppel-Theaterabend des Regina-Busch-Ensembles setzt die erste schriftliche Niederlegung der überlieferten Geschichte „Medea“ von Euripides neben die „Medea. Stimmen“ von Christa Wolf. Nachdem Medeas Mann Jason, mit dem sie zwei Söhne hatte, untreu geworden war und die Tochter des Königs Kreon heiratete, soll Medea nach der Darstellung von Euripides Rache genommen haben. Die Königstocher und ihr Vater seien an einem von Medea vergifteten Kleid und Diadem gestorben, danach habe Medea ihre beiden Kinder getötet, um Jason noch stärker zu verletzten. Diese Motive hat Euripides seinerzeit, das war 431 vor unserer Zeitrechnung, der Argonautensage angedichtet. Es ist die älteste schriftliche Überlieferrung des griechischen Mythos um Medea. Die in Polen aufgewachsene und 1945 nach Ostdeutschland geflohene Schriftstellerin Christa Wolf hat die Geschichte der Kindsmörderin hinterfragt und in ihrem 1996 erschienen Roman „Medea. Stimmen“ umgedeutet. Sie stellt die gesellschaftliche Ausgrenzung der fremden Kolcherin in Korinth und ihre Rolle als Sündenbock in den Vordergrund.

Wolfs „Medea. Stimmen“ bildet den zweiten und Hauptteil des Abends und befasst sich mit der Vorgeschichte Medeas in Kolchis bis zu ihrer Verbannung. Ihre Medea, eine ungewöhnliche, starke und selbstbestimmte Frau, wird in Korinth Opfer von Intrigen. Sie bringt nicht ihre eigenen Kinder um. Vielmehr werden die Kinder von den Korinthern gesteinigt und ein in Umlauf gebrachtes Gerücht gibt Medea die Schuld an dem Tod ihrer Kinder, weshalb sie allen bis in die Ewigkeit als Kindsmörderin im Bewusstsein bleibt. Auch bringt sie nicht Kreons Tochter um, vielmehr bewundert Glauke die Medea und nimmt sich nach der Verbannungsverkündung selbst das Leben.

Im ersten Teil erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer die Version Euripides über Medea und werden Zeuginnen und Zeugen der Geschehnisse. Die Situationen und Positionierungen sind statisch, genau so starr und verkrustet wie die Gesellschaft in Kreons Königreich Korinth. Im zweiten Teil sind alle Figuren bereits tot und im Zwischenreich angekommen. Sie haben nichts mehr zu verlieren und können sich zu den Geschehnissen in Korinth offen positionieren und äußern. Eine enttäuschte Schülerin der Heilerin Medea, die sich ungeliebt fühlt, treibt die Verurteilung Medeas voran. Während im ersten Teil Kristin Erlei tatsächlich die Medea mit ihrem ganzen Körper spielt, während die anderen Rollen eher rezitieren, übernimmt im zweiten Teil Gabriele Giersiepen als die sich rächende Medea-Schülerin den dynamischen Part. Die anderen Stimmen kreisen umeinander, mal kreuzen sich ihre Wege, mal sind sie weit auseinander, doch ihr darstellendes Spiel fokussiert Stimme und Mimik.

Das Publikum hört die unglaubliche Geschichte und die Reflexionen der einzelnen Stimmen über die Geschehnisse in Kolchis und Korinth. Alles, was im ersten Teil als tatsächlich überliefert präsentiert wurde, muss nicht zwingend auch so sein. Um es in Medeas Worten auszudrücken: „Der Schein trügt!“ Obwohl Medea in Euripides Tragödie eine mehrfache Mörderin ist, kann man ihre innere und äußere Hölle, den Schmerz und das Leid der jungen Frau mitfühlen. Im zweiten Teil ist Medea eine bedachte Persönlichkeit. Zwar ist ihre Person das bestimmende Thema, doch ihre Stimme ist eine unter anderen.

Aufführungen: 15. September um 20 Uhr und 16. September um 19 Uhr

Weitere Infos: www.regina-busch-ensemble.de, www.internationales-theater.de

Es spielen in „Medea“ von Euripides:
Medea: Kristin Erlei
Jason: Gabriele Giersiepen
Chor der Korintherinnen: Hannah Gudrich, Angelika Löfflat, Monika Roth, Marlene Witwer
Amme der Medea: Angelika Löfflat
Kreon, König von Korinth: Karin Flaake
Aigeus, König von Athen: Hannah Gudrich

Es spielen in „Medea.Stimmen“ von Christa Wolf:
Medea, Kolcherin, Tochter des Königs Aietes und der Idya, Schwester der Chalkiope und des Absyrthos: Angelika Löfflat
Leukon, Korinther, Erster Astronom des Königs Kreon: Hannah Gudrich
Jason, Argonaut, Schiffsführer der „Argo“: Karin Flaake
Agameda, Kolcherin, Vormals Medeas Schülerin: Gabriele Giersiepen
Glauke, Korintherin, Tochter des Königs Kreon und der Merope: Marlene Witwer

Regie + Textfassungen: Regina Busch
Ausstattung: Britta Yook
Sound: Frank Marheineke
Licht: Jan Hartmann

(dk/pm)


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