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09.06.2013 13:55 Alter: 9 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Demonstrationskunst


Alle Fotos dieser Seite © Dörthe Krohn

"Der Wolkenkratzer" - ein Gesellschaftsbau unserer Zeit, heißt das Kunstwerk des Zusammenschlusses Gesellschaftskritik & Kunst, das zu Blockupy 2013 entstanden ist. Das 2,50 Meter hohe und 60 Zentimeter breite Pappmodell nimmt Max Horkheimers Darstellung des Querschnitts durch den Gesellschaftsaufbau der Gegenwart von 1934 (Ersterscheinung des Textes in "Dämmerung. Notizen in Deutschland" (unter dem Pseudonym Heinrich Regius) als Vorbild.

Der Sozialphilosoph der "Frankfurter Schule" schrieb damals: "Obenauf die leitenden, aber sich untereinander bekämpfenden Trustmagnaten der verschiedenen kapitalistischen Mächtegruppen; darunter die kleinen Magnaten, die Großgrundherren und der ganze Stab der wichtigen Mitarbeiter; darunter – in einzelne Schichten aufgeteilt – die Massen der freien Berufe und kleinen Angestellten, der politischen Handlanger, der Militärs und Professoren, der Ingenieure und Bürochefs bis zu den Tippfräuleins; noch darunter die Reste der selbstständigen kleinen Existenzen, die Handwerker, Krämer und Bauern e tutti quanti, dann das Proletariat, von den höchst bezahlten gelernten Arbeiterschichten über die Ungelernten bis zu den dauernd Erwerbslosen, Armen, Alten und Kranken."

Gedanken der Kunstgruppe zu ihrem Kunstwerk:
Das hierarchische Modell einer Klassengesellschaft, in der es Unterdrücker und  Unterdrückte gibt, hat mit den Werten der neoliberalen Gesellschaft auf den ersten Blick nichts zu tun. Doch die individuelle Freiheit, die Lebenschancen, und Handlungsmöglichkeiten blieben an die Klassenzugehörigkeit, Ressourcenausstattung und den Zugang zu Gemeinschaftsgütern gebunden. "Das neoliberale Werbeplakat hingegen, das den aktuellen Gesellschaftsaufbau mit Etagen von unmerklichen Höhenunterschieden zeigt, die sich wie an Gummiseilen aufgehängt frei schwebend in verschiedene Richtungen bewegen können, soll vortäuschen, dass der individuelle Aufenthalt im Gesellschaftsbau von den eigenen Fähigkeiten und der Leistungsbereitschaft abhänge, also höchst flexibel sei.", heißt es im Flugblatt zum Kunstwerk.

Foto: Dörthe KrohnDie Kunstgruppe hält den Klassenbegriff keinesfalls für überholt. Die herrschenden Produktionsmittelbesitzer (ManagerInnen, Machteliten) stünden weiterhin denjenigen gegenüber, die den oberen Etagen ihre Arbeitskraft als Ware anbieten müssten. (Angestellte, ArbeiterInnen, prekär Beschäftigte, Erwerbslose) "Gerechtigkeitsfragen zielen danach nicht im Sinne der bürgerlichen Moral allein auf eine egalitäre Beschäftigungspolitik mit etwa einer besseren Bezahlung oder Gleichstellung der Beschäftigten, auf den ArbeitnehmerInnenschutz oder der Steuergerechtigkeit usw. Im Fokus der Kritik stehen die Macht- und das heißt vor allem die Eigentumsverhältnisse, die den Bauplan für die soziale Hierarchie stellten und stellen und die unaufhörlich Unterwerfung, illegitimen Zwang, Ausbeutung und Gewalt reproduzieren."

(dk)

 


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