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07.03.2011 22:00 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Kunst-Jam-Session


Vier Künstlerinnen in Haut und Hüllen.

Vier Künstlerinnen in Haut und Hüllen. © FotoArt Lara Mouvée

Zusammenspiel von Fumiko Ohamas Bandagen und Petra Hillekes filigranem Netz-„Kleid“.

Zusammenspiel von Fumiko Ohamas Bandagen und Petra Hillekes filigranem Netz-„Kleid“. © FotoArt Lara Mouvée

Objekt aus Filz von Birgit Samson.

Objekt aus Filz von Birgit Samson. © FotoArt Lara Mouvée

Bronze von Lara Mouvée.

Bronze von Lara Mouvée. © FotoArt Lara Mouvée

In der Tradition der Jamsessions versammelt die Künstlerin Lara Mouvée zum zweiten Mal Kunstschaffende um sich, um gemeinsam ein Improvisations-Wochenende zu organisieren, das die verschiedenen Einflüsse von der Malerei, Zeichnung und Skulptur über spannungsgeladene, luftige Objekte aus Draht und Textilien bis hin zur Fotografie verbindet. Begleitet werden die vier Künstlerinnen von Klavier- und Tanzimprovisation.

Die Jamsessions waren damals für die gesamte Entwicklung des Jazz von großer Bedeutung. In den frühen 40er Jahren des letzten Jahrhunderts trafen sich dafür Swing-Musiker großer Bigbands, um bis zur Morgendämmerung gemeinsam zu improvisieren. Daraus entstanden wiederum ganz neue Musikrichtungen. Auch Poetry-Slams, die ihren Ursprung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in Chicago hatten, sind mittlerweile immer wiederkehrende Programmpunkte bei Kulturveranstaltungen.

Im Laufe des letzten Jahres konkretisierte sich mehr und mehr die Idee Mouvées, eine zweite Kunst-Jam-Session zu organisieren. Eher zufällig kamen die vier Künstlerinnen zusammen, um dann in vielen Gesprächen ihr gemeinsames Thema „Haut und Hüllen“ zu entdecken. In diesem Austausch entstanden zahlreiche neue Arbeiten, eine wird aber auch erst direkt vor Ort, in der alten Industriehalle der PhriX-KG, entstehen. 

Die Malerei und FotoArt von Lara Mouvée zeigen unter dem Stichwort „Innenansichten“ den Mut zur offenen Hingabe, sowohl potenzielle Kraft als auch Verletzlichkeit, aber auch Verlust und Rückzug. Letzteres vorwiegend in Skulpturen.

Unter „Häutung und Verpuppung“ zeigt Birgit Samson transparente, textile Hüllen, die das Spiel von Intimität und Preisgabe, von Öffnung und Distanz kommunizieren.

„Grenzräume“ macht Petra Hillekes mit ihren Drahtobjekten sichtbar, die einmal frei schwebend im Raum oder auch stehend, jederzeit beweglich, undurchlässige oder starre  Grenzen ziehen.

„Spiel mit den Puppen“ nennt Fumiko Ohama ihre Zeichnungen, die Phantasien von Nacktheit karikieren. Ihre Objekte und Performances spielen mit der Oberfläche des allgemeinen Rollenverständnisses.

Die kreative und zugleich kraftvolle Auseinandersetzung mit dem Thema „Haut und Hüllen“ ist auf der Fabriketage der PhriX Künstlergemeinschaft bestens aufgehoben.  Dort ist Raum für kreatives Miterleben,  für ein fesselndes Programm sowie  Zeit und Ruhe für Gespräche in einer einladenden Atmosphäre. An der kleinen Bar stehen an beiden Tagen Getränke und Snacks bereit. Ab Sonntagnachmittag können die Besucherinnen und Besucher auch einen Blick in einige der anderen Ateliers der Künstlergemeinschaft  werfen.

Zuvor jedoch steht mit dem Werkstattgespräch über „Marsyas und Apoll – Spiel und Grenzen“ noch ein ganz heißes Thema zur Diskussion, auf das sich die Künstlerinnen schon jetzt freuen. Das Thema geht zurück auf die Sage vom Sartyr Marsyas, der die von   Athene weggeworfene Flöte fand und virtuos auf ihr zu spielen lernte. Sein Publikum, vornehmlich Nymphen, Hirten, Satyrn und andere dionysische Gefolgschaft, gerät in Verzückung. Das ermutigte Marsyas, den Gott Apoll zum musikalischen Wettstreit herauszufordern. Dieser spielt die Kithara. Schiedsrichter sind König Midas und die Musen. Der Wettstreit wird vollzogen und Marsyas unterliegt. Ausschlaggebend für diese Niederlage sind in den verschiedenen Überlieferungen unterschiedliche Gründe. Das Resultat bleibt jedoch immer das eine: Apoll zieht Marsyas – zur Strafe für seine Anmaßung – bei lebendigem Leib die Haut vom Körper ab. Zur Diskussion steht deshalb die „Häutung“, unter anderem aufgriffen von Birgit Samson in ihren textilen Arbeiten. Zum anderen kann die Überheblichkeit und Bescheidenheit in der Kunst diskutiert  werden.

Die Kunst-Jam-Session beginnt am Samstag, 19. März, um 14 Uhr. Um 15 Uhr zelebriert Fumiko Ohama „Hautnah“ mit Bandagen. Ab 17 Uhr finden bei „InEinAnder“ künstlerische Objekte von Birgit Samson und Petra Hillekes bei der Improvisation von Judith Herrmann am Klavier zusammen oder auch nicht.
Einlass am Sonntag, 20. März, ist um 11 Uhr. Um 12 Uhr imrovisiert Nina Piulats Finger Tanz mit „haptikós – oder über das Finden der Berührung“. Um 12.30 Uhr beginnt das Gespräch über Marsyas und Apoll – Spiel und Grenze“. Ab 14 Uhr sind einige der Ateliers der PhriX Künstlergemeinschaft geöffnet.

Die Künstlergemeinschaft  wirkt in einer ehemaligen Cellulosefabrik in Okriftel. Zwölf Kreative arbeiten hier in einer großen Bandbreite künstlerischen Schaffens.

Bildhauerei, Malerei und Fotografie finden sich ebenso wie Theaterplastik, Lichtkunst und Film oder.  Die eindrucksvolle Industrieruine Phrix bietet dafür den imposanten Hintergrund.  Über die individuellen Kunstwerke hinaus verstehen sich die PhrixkünstlerInnen auch als DienstleisterInnen mit viel Erfahrung in den Bereichen Architektur, extravagente Raumgestaltung, Kunst im öffentlichen Raum, temporäre Bauten (Messestände etc.) oder Illustration, Layout und Corporate Design. In den großzügigen Räumlichkeiten finden regelmäßig Ausstellungen, offene Ateliers, Kreativworkshops und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Die Bar ist mit Kaffee, kalten Getränken und Snacks immer geöffnet.

Termin „Haut und Hüllen“: 19. und 20. März
Öffnungszeiten: Sa: 14-19 Uhr, So: 11-17 Uhr
Ort: Phrix KG, Rheinstr. 3, 65795 Hattersheim/ Okriftel

Weitere Infos unter:
www.lara-mouvee.com
www.Zauberweltkleiderkunst.de
www.fumiko-ohama.fuyosoft.com
www.phrix.info

Text: Sonja Lehnert

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