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22.12.2014 00:00 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Jossgrund-Krimi mit sympathischem Ermittlerduo


Foto: Dörthe Krohn

Einband: Das dunkle Echo

Ein neuer Regionalkrimi führt von Frankfurt in den Spessart. Wie das so ist, wenn ein Kommissar mal ausspannen will, Vergehen finden trotzdem statt und fordern ihre Ermittler_innen. In „Das dunkle Echo“ sind das Leonie Theophila Möller, kurz LTM, und Thomas Seibold, den LTM bevorzugt „Cheffe“ nennt. Autor Leon Specht (Pseudonym) setzt nicht auf Blut und das große Verbrechen sondern findet seinen Stoff in den kleinen, alltäglichen Abgründen, in die Menschen mehr oder weniger (un-)bewusst hineingeraten und in denen sie sich mitunter über Jahre einrichten. Das Privileg des Autors: die psychologischen Muster und Verstrickungen zugleich schöpfen und entwirren. Das gelingt profund und durch eine ausgewogene Mischung aus unkonventionell und bodenständig.

Was die Erzählperspektive betrifft, ist die Hauptfigur der Frankfurter Kommissar Seibold, der in seinem Urlaub in der Pension einer älteren, kräuterkundigen Frau im Spessart landet.
Der Autor schreibt auf seiner Homepage, dass er in seinen Krimis durchaus auch seine eigenen Werte vermitteln wolle, „die natürlich unterschwellig von den Figuren und Charakteren der Romanfiguren transportiert werden.“ Seine Leidenschaft sei das Coaching. „Anderen Menschen helfen, ihre Probleme zu lösen oder ihre Ziele zu erreichen, ist ein wichtiger Teil meines Lebens.“
Romanfigur Seibold lässt sich von Kräuterfrau Bulling unter die Fittiche nehmen und erfährt durch eine von ihr verordnete Ernährungsumstellung und etliche Waldwanderungen einen nachhaltigen Gesundheitsgewinn.  

Als große Bereicherung nimmt Kommissar Seibold auch seine lebensfrohe, kluge Kollegin LTM wahr. Ihre gute Laune und ihr Engagement sind ansteckend. Sie fährt Seibold in den Jossgrund (bei Bad Orb) hinterher, als dort mysteriöse Ereignisse ihren Lauf nehmen. Erst sterben Bienen, dann ein Professor, der dem Bienensterben auf der Spur war. Am Ende werden zentrale Fragen gelöst sein, doch einige Themen bleiben offen, was eine Fortsetzung nahelegt.

In dem Zusammenhang stiftet die Einordnung des aktuellen Bands in Leon Spechts bisheriges und  zukünftiges Werk leichte Verwirrung. In einer Mitteilung des Waldemar Kramer Verlags ist von einer „neuen regionalen Krimi-Reihe“ die Rede. Auch der Buch-Untertitel „LTMs erster Fall“ weist darauf hin. Am Ende der einführenden historischen Begründung dafür, weshalb der Jossgrund die finsterste Gegend des Spessarts sei, findet sich in „Das dunkle Echo“ aber dieser Absatz: „Für die Erstleser, die sich für dieses Buch entschieden haben, sei dies der guten Ordnung halber berichtet, weil sie die Vorgänge aus dem ersten Teil nicht kennen. Gleichwohl lässt sich dieser zweite und dritte Teil der Trilogie unabhängig von „Der stille Schrei“ lesen: Die Bezüge werden nachvollziehbar gemacht.“ „Der stille Schrei“ war Leon Spechts Krimi-Debüt und erschien 2012 im B3-Verlag.

Leon Specht
Das dunkle Echo
LTMs erster Fall
Waldemar Kramer im Verlagshaus Römerweg
Hardcover mit Schutzumschlag
367 Seiten
ISBN: 978-3-7374-0452-5

Text: Dörthe Krohn


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