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07.04.2011 00:00 Alter: 4 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Fotografische Portraits migrierter Frankfurterinnen und Frankfurter


© Societäts-Verlag

Frankfurt im Sommer. Der Rasen in der Friedrich-Ebert-Anlage ist vertrocknet, der Blick hinüber zum „Hammering Man“ vor dem Messeturm vertraut. Das Foto wäre nicht mehr als ein Foto unter vielen, säße nicht auf den verdorrten Grasstoppeln Emilia Flügel im malaysischen Hochzeitsgewand. Aufmerksam schaut die schöne Malayin in die Kamera, das metallene Klimpern ihres Kopfschmucks ist fast hörbar.

Jean Jules Tatchouop präsentiert sich auf der ersten Etage eines Holzhauses auf dem Abenteuerspielplatz Riederwald. Der Kameruner mag den Wald und den Ort der Kinder. So viele Menschen unterschiedlicher Kulturen und so viele Orte, die auch gebürtigen, einheimischen, nicht zugezogenen Frankfurterinnen und Frankfurtern wie noch nie gesehen erscheinen oder die ihnen tatsächlich bisher unbekannt waren.

Miroslaw Meir Lisserman besucht wenn möglich drei Mal täglich die Westend-Synagoge während andere in ihre Stadtteilkirche gehen, Brötchen holen oder  einen Gartenzwerg in ihren Vorgarten stellen. Das alles ist Frankfurt - gleichzeitig, nacheinander, voreinander, untereinander, übereinander, miteinander.  Aber in dem Bildband „mein frankfurt und ich.“ geht es ausschließlich um Migrantinnen und Migranten. Das Redaktionsteam bestehend aus Christina Bender, Sébastien Daudin, Gudrun Ranftl, Turgut Yüksel und Judith Zimmermann beschreibt in seiner Einleitung das gemeinsame Nachdenken über den Begriff der Migration und bietet folgende Grundformel an: „Zwei Strömungen, Kulturen, Geschichten stoßen aufeinander und es entsteht etwas Neues“.

Viele Fotografien von Anna Pekala zeigen etwas Neues: Barbara und Thomas Hentschl in Iseltaler Tracht im Palmenhaus, ein echter Frankfurter Grieche vor Karibik-Tapate, der Blick in einen irakischen Friseursalon, Rokeya Sultana-Rothe aus Bangladesh in ihrem Schrebergarten-Häuschen am Ginnheimer Spargel. Das alles sind ungewohnte Bilder und zugleich gehören sie zum Alltag des Lebens in Frankfurt. Neben den Fotos finden sich Zitate der Porträtierten oder kurze Beschreibungen, warum sie diesen oder jenen Ort für ihr Foto gewählt haben, woher die Tracht kommt, die sie tragen (wenn sie eine Tracht tragen) und andere knappe persönliche Anmerkungen. Man kann das Universum erahnen, das sich hinter jedem Bild erstreckt. Wie gerne würde man mehr erfahren...  

Einige der insgesamt 50 Porträtfotos von Anna Pekala sind noch bis 15. April  täglich von 9 bis 18 Uhr im Haus Rosenbrunnen (Eingang Siesmeyerstraße) im Palmengarten ausgestellt. Dort kann man auch den im Societäts-Verlag erschienenen Bildband direkt erwerben oder ihn über den Buchhandel unter der ISBN 978-3-7973-1252-5 bestellen. Alle Texte im Buch sind in Deutsch und Englisch geschrieben. 

Herausgegeben hat das Buch der Trägerverein des Frankfurter Jugendrings e.V.. Die Idee des Bildbandes ist aus der „Parade der Kulturen“ entstanden, die dieses Jahr aus Mangel an Sponsorengeldern nicht stattfinden kann. Das Buch ist aber kein Ersatz, sondern eine Ergänzung und Bereicherung zu Frankfurts vielfältigem kulturellem Leben, das sich so wunderbar differenziert und individuell darstellen lässt wie in diesem Buch.

Text: Dörthe Krohn

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