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10.09.2014 22:09 Alter: 3 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Ermutigung – Ausstellung im KunsTraum Kelkheim

Zwei Künstlerinnen und ein Künstler teilen ihre tiefgründige Herangehensweise im Entstehungsprozess ihrer Werke und in der Ambivalenz der Aussagen, die Bilder, Fotoreihen und Skulpturen ausdrücken – und sie teilen den Raum, in dem die Werke bis zum 21. September zu sehen sind.


Quelle: Lara Mouvée

Quelle: Lara Mouvée

Lara Mouvée, Sali Musliu, Herta Werlitz (v.l.n.r.).„Die Welt ist aufgeteilt, teilt sie brüderlich“ schrieb sinngemäß Friedrich Schiller 1795 in seinem Gedicht „Die Teilung der Erde“, auf das Johannes Priesemann von der Galerie „Kunst im blauen haus“ in seiner Eröffnungsrede zur Vernissage immer wieder zurückkam. Das Gedicht handelt vom Gegensatz von Materialismus und Idealismus, von Handeln und Denken, vom „irdischen" (normalen) Menschen und dem Dichter oder – wie hier – von der Künstlerin, vom Künstler. Was für ein Versprechen, das Schillers Zeus gibt, indem er sagt: „Willst du in meinem Himmel mit mir leben, so oft du kommst, er soll dir offen sein." Dem Dichter/Künstler steht der Himmel offen. Da sollte es doch ein Mindestes sein, die Welt „brüderlich“ zu teilen.

Doch jeder des von den Ausstellenden für sich genutzten Teils spiegelt völlig unterschiedliche Interpretationen des Ausstellungsthemas „Ermutigung“ wider.

Lara Mouvée, die „Gestalt-Bewegende“ wie sie Priesemann nannte, zeigt Frauentorso, Bronze / Collage, Lara Mouvéeeine ungeheure Vielfalt in ihrem künstlerischen Schaffen. Fotografien, Collagen und Skulpturen  stellen bei dieser Ausstellung nur einen Bruchteil ihrer Werke dar. Doch schon darin ist die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit Zerbrechlichkeit und Kraft als immer wieder auftretendes, ganz unterschiedlich definiertes Thema enthalten. Zwei Projekte aus jüngster Vergangenheit sind zum einen die Fotografien der „roadmovie“-Reihen, Priesemann nannte sie Männertorso, Bronze. Lara Mouvéemeisterlich, die scheinbare Nebensächlichkeiten, am Straßenrand aufgefangen, zu genau beobachteten Lebensporträts zusammenfügen. Und zum anderen die in Bronze gegossenen Torsi, die, sowohl in ihrer weiblichen als auch in ihrer männlichen Erscheinung, die gesamte Gratwanderung des Menschen zwischen Verletzlichkeit und Kraft darstellen. Wie in einem Tanz, zueinandergewandt, bilden sie die kraftvolle Achse der Ausstellung.

Lara Mouvée arbeitet seit 40 Jahren als Künstlerin. Sie war für einige Jahre Mitarbeiterin an der Universität Frankfurt. Sie hat ihr Atelier in der Phrix-Künstlergemeinschaft. Ihr zentrales Thema ist der Mensch in seinem Lebenskreislauf. Nackt, verletzlich aber auch kraftvoll zeigt sie in ihren Bronzearbeiten Mann und Frau. Sie verarbeitet Lebensgeschichte und Lebenssehnsucht in der starken, direkt erlebbaren Körperlichkeit ihrer Skulpturen. Dies setzt sich sichtbar in ihren fotografischen Werken und in ihrer Maltechnik fort.
www.lara-mouvee.com


Sali MusliuAuch Sali Musliu arbeitet mit scheinbar unvereinbaren Gegensätzen in seinen oft großformatigen Bildern. Einnehmende, kräftige Farben überdecken auf den ersten Blick sein feines Gespür für Verletzlichkeiten. „Traurigschön“ nannte Johannes Priesemann seinen Blick für die Zeit im Bild. Zeit, die in Muslius Heimat, dem Kosovo, lange keine schönen Bilder vor Augen entstehen ließen. Traurigschön sind deshalb die Mädchenaugen, die Lämmer und Blumen – denn sie sind  umgeben von Einschüssen
Seine Bilder erscheinen heiter. Erst beim genaueren Hinsehen wirken seine Chiffren – ein schönes Gesicht, verstört, rote Kreuze, Schussflecken, gemarterte Hände und Füße, ein brennendes Haus, Wolf, Schaf, Blume und Feuer – wild im harmonischen Chaos verwoben. „Wie kann es dazu kommen, dass Schönheit, die zu allen Herzen spricht, gewaltsam vernichtet, zerfetzt, zerschossen, gebrandschatzt wird? Wie kann der Mensch eine Welt ertragen, in der dies wieder und wieder geschieht? Sali Muslius Bilder sprechen sanft und mutig: Seid achtsam, immer sprossen die Blumen hervor, schaut hin, ertragt!“ (Pressetext 2013)  Sali Musliu war Meisterschüler bei Konrad Klapheck und lehrte in Priština, der Hauptstadt des Kosovo.
Youtube.com/watch?v=L-cfNAhaTCQ


Herta Werlitz, von Priesemann die „Farbwelt-Wanderin“ genannt, drückt ihre Herta WerlitzAuseinandersetzung mit den Gegensätzen des Lebens in ihren aktuellen Werken mit Farben aus – und bringt scheinbar sich Ausschließendes ins Gleichgewicht. Die Zwiesprache zwischen Farben und Formen wird in der Gegenüberstellung von Rot und Weiß gegenständlich und findet einen ganz neuen Ausdruck in der Beschäftigung mit dem Körperlichen, dem Figürlichen, mit einem neuen Terrain – der Skulptur.

Für Herta Werlitz ist in der neuen Serie die Farbe selbst in all ihren Ausdrucksmöglichkeiten das Thema. Die Form ordnet sich unter und ist frei von Botschaften und Gedanken. Es ist ein dialogischer Arbeitsprozess, in dem sich sukzessive durch das Überlagern und Verschmelzen von Farbschichten der Klang eines Bildes entwickelt. Diese Schichtung ist auch in ihren Skulpturen zu spüren. Herta Werlitz lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Frankfurt. 1984 begann ihre künstlerische Auseinandersetzung, die von ihr als ein kontinuierlicher Lern- und Weiterentwicklungsprozess begriffen wird.
www.herta-werlitz.de


Den Abschluss der Ausstellung bildet „Musik von Bach bis Tango“

Mit dem mehrfach ausgezeichneten Quartett „Mi Loco Tango“ standen die beiden Musikerinnen Irina Bunn (Violine) und Judith Herrmann (Piano) auf zahlreichen Bühnen im In- und Ausland. Nach Auflösung des Ensembles, beschlossen die beiden auch weiterhin zusammenzuarbeiten. Und so entstand das Musikprogramm von Bach bis Tango. Dieses werden sie am Samstag, 20. September 2014, 20 Uhr, im Rahmen der Ausstellung im KunsTraum Kelkheim zu Gehör bringen. Der Eintritt ist frei.

KunsTraum 44, Breslauer Straße 44, 65779 Kelkheim

Öffnungszeiten:
Do 15 - 18 Uhr
Sa 15 - 18 Uhr
So 11 - 18 Uhr

Text und Fotos: Sonja Lehnert




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