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21.12.2011 16:24 Alter: 11 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Das ist so – Zwölf Erzählungen


Ausschnitt des Buchcovers von „Das ist so“

Es ist, wie es ist – so ist das. Und so sind sie, die Aussagen der zwölf kurzen Erzählungen, die Iris Junker im Band „Das ist so“ gesammelt hat. Unausweichliche Bestandsaufnahme und unwiderrufliches Urteil über ein Leben, über sich, über die anderen und immer sehr empfindlich. Dünnhäutig, wie der Herausgeber sagt. Ein Scheinwerferkegel, der einen Moment im Leben der ProtagonistInnen verharrt. Mehr erfahren die LeserInnen nicht. Es sind  Selbstgespräche, Gedanken oder Zwiegespräche, auch Beschreibungen der „allwissenden Erzählerin“, die ein klein wenig von dem verraten, wie Leben sein kann, das so ist, wie es ist. Ein Mann sinniert in nicht enden wollenden Gedanken, in Sätzen die weit über eine Seite hinauslaufen. Ein anderer gibt in Stakkatosätzen einen Teil seines Lebens – den seiner regen Sexualität –preis. Die, die sich das anschauen, was im Lichtkegel gespielt wird, die LeserInnen nämlich, stehen betroffen dabei, unangenehm berührt vielleicht, wenn die Frau vor den Freunden des Mannes nicht innehalten kann und auf die Affären anspielt, die er angeblich hat. Bevor aber die Situation zu peinlich wird, schwenkt der Lichtkegel ins nächste Leben.

Ist es die Genugtuung, über den Zaun zu blicken, die Neugier, zu erfahren, was hinter den Gardinen der anderen geschieht, die uns LeserInnen das Buch nicht aus der Hand legen lässt? Schließlich ist unser Leben auch nicht so anders, oder? Da stehen die Figuren, auch einmal nackt, wie der Geduschte und Deodorierte, nüchtern und jedes Zaubers beraubt – so, wie es ist, das Leben.
Auf jeden Fall weiß die Autorin Junker, die Leserschaft zu fesseln. Setzt ihre Wörter dort ein, wo sie stehen müssen, um genau zu beschreiben, was die Leserin und  der Leser nicht sehen können, sich aber vorstellen sollen – und noch viel mehr. Das nämlich, in das der Lichtkegel eingebettet ist. Das Davor und das Danach. Dicht gedrängt und komprimiert wie ein Wortschwall oder die Gedankenflut bricht sich ein Rhythmus Bahn, der ähnlich wie in der Poetik eine Handlung so kurz zusammen fassen kann, dass man sich beeilen muss, ihr „nach zu denken“.  

Mit „Das ist so“ hat die Autorin Iris Junker auf jeden Fall ein Klientel für sich gewonnen, das bereit ist, sich schnell und intensiv mit anderen Leben zu beschäftigen, ohne Angst zu haben, vielleicht einen Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Der Erzählband „Das ist so“ ist im Hardcover erschienen, 120 Seiten, Verlag Axel Dielmann, ISBN: 978 3 86638 154 4, 16 Euro.

Text: Sonja Lehnert

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