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03.12.2012 15:56 Alter: 10 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Cole Porter neu interpretiert


Operation Cole Porter legt neue Akzente auf die bekannte Musik der 20er Jahre. © Alfredo de Laat

Operation Cole Porter legt neue Akzente auf die bekannte Musik der 20er Jahre. © Alfredo de Laat

Kaum hört man die Melodien Cole Porters, erwacht das Paris der Goldenen Zwanziger zum Leben. Die Songs, die der Musiker und Texter schrieb, traten voller Witz und Verve ihren Siegeszug um die Welt an: Love for Sale, Miss Otis regrets, It’s de-lovely, Night and Day, Don’t fence me in, True Love, Let’s do it und wie sie auch heißen – man kennt und liebt sie.

In dem Musikkabarett „Operation Cole Porter – oder Das Lied von der Leber und andere Gesundheitsgesänge“ greifen Christian Golusda  als Doktor Krittel und Martin Lejeune als OP-Schwester Fräulein Martina Cole Porter auf und geben seinen Liedern einmal eine ganz andere Richtung.

Denn wer kennt schon die Geschichten, die dahinter stecken? Wer weiß zum Beispiel, dass dem jungen Mann, der in De-lovely über seinen Gang zum Traualtar so ausführlich jubiliert, erst genesen nach schwerer Krankheit sein Glück widerfuhr? Wer weiß, dass die arme Miss Otis, die keine Termine mehr wahrnehmen konnte, eine im Taunus lebende Schwester hatte, die ein ähnlich bedauernswertes Schicksal erlitt? Oder warum ein stressgeplagter Kollege am Rande des Nervenzusammenbruchs bitten muss: Don’t fence me in?

Das alles weiß Doktor Krittel, Bühnen-alter ego von Christian Golusda, denn er kennt die gesundheitlichen Hintergründe zu diesen Songs. Sozusagen Night and Day im Einsatz berichtet er uns singend aus seiner täglichen Praxis. Und da Krittel nicht nur ein begnadeter Arzt für alle (Bagatell)-Fälle ist, sondern auch ein akkreditierter Dichter, weiß er seine ausgesuchten Fallgeschichten aus dem Cole Porter-Fundus mit einigen knallharten lyrischen Details und überraschend vertraulichen Fakten anzureichern.

Die instrumentale Betreuung in Krittels Sprech- und Singzimmer liegt dabei in den Händen seiner talentierten Praxisassistentin und ehemaligen OP-Schwester Fräulein Martina (Martin Lejeune).

Cole Porters Songs werden so in ein medizinisch-menschliches Licht verrückt, womit die delikate musikalische Operation zu einer Vertiefung des Cole Porter-Vergnügens führt. Darin besteht die ausschließliche und absolute Indikation für das OP-Team.

Operation Cole Porter – oder Das Lied von der Leber und andere Gesundheitsgesänge, 15., 18. und 20. Dezember, 20.30 Uhr, Romanfabrik, Hanauer Landstraße 186, 60314 Frankfurt, Eintritt: 15 Euro (ermäßigt: 12 Euro).
Von und mit:
Doktor Krittel: Christian Golusda  (Stimme)
Fräulein Martina: Martin Lejeune (Instrumente u. musikal. Arrangements)
Regie: Manfred Roth
Vocal Coach: Amy Leverenz
Skript: Christian Golusda und Manfred Roth

Cole Porter ging nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im Frühjahr 1917 als Freiwilliger für eine amerikanische Hilfsorganisation nach Frankreich. Nach Kriegsende, 1918, blieb er in Paris und besuchte dort die Schola Cantorum, eine private Musikhochschule. Im selben Jahr lernte er die wohlhabende, acht Jahre ältere Linda Lee Thomas kennen und heiratete sie im Dezember 1919 ungeachtet seiner homosexuellen Orientierung. 1923 starb Porters Großvater und hinterließ ihm ein ansehnliches Erbe. Die Porters verbrachten die Jahre bis 1928 vor allem in Europa, insbesondere in Paris, Venedig und an der Riviera, führten ein freies, sorgenfreies Leben und unternahmen viele Reisen. Ende der 1920er Jahre arbeitete Porter zunehmend hauptberuflich und mit wachsendem Erfolg als Komponist und Textdichter und kehrte in die USA zurück. Der Durchbruch gelang ihm mit der Musicalproduktion Paris (1928).

(pm/sl)


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