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14.05.2011 00:00 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Carin Grudda mit Gemälden und Objekten "über die Liebe und andere Dämonen" in Bad Soden


© Dörthe Krohn

© Dörthe Krohn

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© Carin Grudda

© Dörthe Krohn

© Dörthe Krohn

© Dörthe Krohn

© Dörthe Krohn

„Ich nehme eine Zinkplatte, schmeiße sie auf den Asphalt und springe darauf herum“, erklärt Carin Grudda ihre Arbeitsweise dem Vernissage-Publikum im Bad Sodener Badehaus. Spuren, den Spuren nachspüren und schließlich den spitzen Griffel in die Metallplatte führen, so ist die Basis für die Kaltnadelradierung der Zufall. Den Zufall zu nutzen sei nichts Neues im künstlerischen Entstehungsprozess. Max Ernst sprach von seinem „Jungfräulichkeitskomplex“, der ihn vor einer weißen Leinwand einholte. Er ließ sich von alltäglichen Gegenständen inspirieren. Andere haben ihren Rotwein über die Leinwand gekippt, um auf etwas „Versehrtem“ aufbauen zu können. Beeindruckend sind Carin Gruddas Arbeiten auf Brettern aus der Gießerei. Der 10 bis 15 Jahre alte Bildträger selbst ist bereits ein Unikat - absichtslos. Carin Grudda studierte Kunstgeschichte und Philosophie in Gießen und beendete ihr Studium mit einer Arbeit über den Dadaismus und seine philosophischen Bezüge. Mit Odo Marquard habe sie einst in Seminaren mit kleiner Teilnehmerzahl gesessen und beeindruckende Gedankenhappen mitgenommen. „Wir Menschen sind stets mehr unsere Zufälle als unsere Wahl.“, schrieb er in seiner „Apologie des Zufälligen“. Weitere Zitate aus seinen Schriften: „Der Sinn - und dieser Satz steht fest - ist stets der Unsinn, den man lässt.“ „Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.“ „Vernunft ist der Verzicht auf die Anstrengung, dumm zu bleiben.“

Für Carin Grudda und ihr künstlerisches Wirken entscheidend ist Odo Marquards Grundsatz: „Zukunft braucht Herkunft.“ „Stellen Sie sich vor, wie eine Skulptur aussähe, die zwei Standbeine hätte“, führte Grudda aus. Steif und langweilig würde das aussehen. Hätte sie zwei Spielbeine, würde das albern wirken. Deshalb sei es wichtig, ein Standbein zu haben. Es repräsentiert die Herkunft, Geschichte, gibt Halt und eine Haltung in der Welt. Das zweite Bein, das Spielbein, kann experimentieren, steht für Neugierde.

Kulturhistoriker Dr. Uwe Geese, der im Rahmen der Ausstellungseröffnung in Gruddas Werk einführte, nannte zwei Ereignisse, die die Wertschätzung Gruddas Kunst zeige. Bei einem Kunstraub in einer Gießerei in Rom seien ausschließlich ihre Werke gestohlen worden, obwohl wertvolle Rohmaterialien und andere Kunstwerke ebenfalls dort waren. „Eine Art Wertschätzung“, so Geese. Aber viel schöner sei, dass sie im italienischen Pavillon der in wenigen Tagen beginnenden Biennale in Venedig vertreten sein wird. Geese hat die meisten Texte im neuen Katalog von Carin Grudda verfasst.

Bis Anfang der neunziger Jahre lebte und arbeitete Carin Grudda freischaffend in Frankfurt am Main. 1993 zog die Künstlerin nach Ingelheim am Rhein. Doch auch Rom, Madrid, Paris, Miami, Lanzarote und andere Orte im In- und Ausland waren wichtige Stationen für ihr künstlerisches Schaffen. In Ligurien, Lingueglietta, hat sie eine neue Heimat gefunden. Hier steht ihr Skulpturenpark „Tra i Mondi“.

Wer Ingelheim besucht, findet seit April 2009 Bronze Skulpturen von Carin Grudda auf dem Friedrich-Ebert Platz.

Wer bis 26. Juni nach Bad Soden kommt, kann Gemälde und Objekte der Künstlerin im Badehaus im Alten Kurpark, Königsteiner Str. 86, anschauen.

Mehr über Carin Grudda: http://www.carin-grudda.net

Zur Vernissage am 13. Mai spielte die in Frankfurt lebende Pianistin Sona Talian eigene Klavierkompositionen. Auf ihrer Webseite gibt es Hörproben: http://www.sonatalian.com

Öffnungszeiten der Ausstellung in Bad Soden:
Mittwoch, Samstag, Sonntag 15 bis 18 Uhr, draußen permanent. Der Eintritt in der Stadtgalerie ist frei. Die Ausstellung befindet sich im 1. Stock! Sie wird realisiert in Zusammenarbeit mit der Galerie Elzenheimer, Schwalbach am Taunus.

Außerdem gibt es ein Begleitprogramm zur Ausstellung mit dem Titel: „Pegasus und seine Freunde".

Dienstag, 17. Mai 2011, 16 Uhr: Lesung für Kinder ab 7 Jahren

Karin Montes liest aus dem Kinderbuch „Fous wunderbare Reise durch das Traumland“. Geschrieben von Kindern für Kinder, entstanden zu einer Kunstausstellung der Künstlerin Carin Grudda. Herausgeberin Galerie Elzenheimer. Teilnahme kostenlos. Anmeldung: Stadtbücherei Bad Soden am Taunus, Telefon 06196 / 2 08 - 255.

Freitag, 27. Mai 2011, 16 Uhr: Kunstführung für Kinder ab 4 Jahren

Eine Märchenreise mit Rudi Gerharz durch die Bilderwelt von Carin Grudda. Teilnahme kostenlos. Anmeldung: Stadtbücherei Bad Soden am Taunus, Telefon 06196 / 2 08 - 255.

Sonntag, 29. Mai 2011, Beginn 11 Uhr, Eintritt frei: Matinee

Die Künstlerin Carin Grudda führt durch ihre Ausstellung. Am Nachmittag ab 15 Uhr Kunstworkshops für Kinder im Alter von sechs bis elf Jahre. Die Künstlerin Carin Grudda malt mit Kindern. Die entstandenen Bilder werden im September 2011 in einer eigenen Ausstellung im Badehaus Bad Soden am Taunus präsentiert. Teilnahme kostenlos. Anmeldung: Stadtbücherei Bad Soden am Taunus, Telefon 06196 / 2 08 - 255.

Freitag, 24. Juni 2011,  20:30 Uhr bis ca. 23 Uhr: Sternennacht

Rudi Gerharz erzählt im Alten Kurpark Geschichte und Märchen für Kinder und Junggebliebene. Anmeldung: Stadtbücherei Bad Soden am Taunus, Telefonnummer 06196 / 2 08 - 255. Anmeldung erforderlich. Kostenbeitrag: 10 Euro Erwachsene, 6 Euro Kinder, 19 Euro  Familien. Treffpunkt am Badehaus im Alten Kurpark; bitte Decken und warme Kleidung mitbringen. Bei schlechtem Wetter im Badehaus.

Donnerstag, 9. Juni 2011, 16 Uhr: „Touch me“

Eine Kunstführung der besonderen ART. Eine Zeitreise „Von Pegasus zu seinen Freunden“. Ein sinnliches Erlebnis mit Animation, Geschichten und Musik unter dem Motto „Wer hören will, darf fühlen“. Dieser Rundgang mit Rudi Gerharz ist speziell für Menschen mit Sehschwäche konzipiert.
Anmeldung erforderlich. Kostenbeitrag 7 Euro pro Person, Gruppen ab zwölf Personen 70 Euro. Kartenvorverkauf und Reservierung immer mittwochs von 15:30 Uhr bis 17 Uhr. Mailadresse Galerie Elzenheimer: info@galerie-elzenheimer.de oder Telefonnummer 06196 / 8 21 21.

Text: Dörthe Krohn

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