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22.03.2014 17:30 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Alix Dudel interpretiert Mascha Kaléko


Alix Dudel, Foto: www.alixdudel.de

Alix Dudel, Foto: www.alixdudel.de

Beim Vortrag sofort inhaltlich erfassbar, aber nachklingend. Einfach, klar und oft heiter im Ausdruck, zugleich gedankenreich, gesellschaftskritisch und kummervoll sind die in Gedichten und Liedern festgehaltenen Wahrheiten von Mascha Kaléko, mit denen man sich auch im 21. Jahrhundert identifizieren kann.
Marcel Reich-Ranicki hat zum 100. Geburtstag der Lyrikerin im Jahr 2007 eine Hommage an sie im FAZ-Feuilleton hinterlassen, die es sich zu lesen lohnt, möchte man sich mit ihrer der Literaturrichtung Neue Sachlichkeit zugeordneten Großstadtlyrik und ihrem Leben befassen. Im österreichisch-ungarischen Galizien, heute Polen, geboren führt Mascha Kalékos Weg über Frankfurt und Marburg zunächst nach Berlin, wo sie 1929 ihre ersten Gedichte in der Kulturzeitschrift „Querschnitt“ veröffentlicht. 1933 wird das „Lyrische Stenogrammheft“ herausgegeben, ein Jahr später erscheint „Das kleine Lesebuch für Große“. 1938 emigriert die Jüdin mit ihrem zweiten Ehemann und ihrem gemeinsamen Sohn in die USA. Die 1945 veröffentlichten „Verse für Zeitgenossen“ befassen sich thematisch mit Emigration. 1956 kommt Mascha Kaléko anlässlich einer Neuauflage ihres „Stenogrammhefts“ erstmals seit dem Exil wieder nach Deutschland zurück. 1960 soll sie den Fontane-Preis erhalten, lehnt ihn aber ab, weil ein Jurymitglied in Hitlers SS war. Wie eine zweite Emigration habe sie 1959 ihre Auswanderung nach Jerusalem erlebt, schreibt Kaléko-Biografin Jutta Rosenkranz 2007 in der Jüdischen Allgemeine. Vor ihr sterben erst ihr Sohn und dann ihr Mann. Sie selbst erliegt 1975 auf einer Reise dem Krebs und ist in Zürich begraben. Wenige Monate zuvor hat sie ein letztes Mal Berlin besucht.

Berlin, das ist auch die Adresse von Alix Dudel, die am 6. April um 19 Uhr im Internationalen Theater in Frankfurt Lyrik von Mascha Kaléko vorträgt. Mit ihrer tiefen, entschiedenen und zugleich warmen Stimme interpretiert die Diseuse 40 Texte und Lieder von Mascha Kaléko und bringt ein Stück heiter-melancholisches Lebensgefühl des Berlins der 20er und 30er Jahre nach Frankfurt, wo Kaléko einst einen Teil ihrer Schulzeit verbrachte. Bis 30. März führt Alix Dudel noch durch das Jubiläumsprogramm des Tigerpalasts und betört das Publikum mit Liedern und Texten von Friedhelm Kändler oder Georg Kreisler.

Dudels Mascha Kaléko-Programm mit Musik von Herbert Baumann wird begleitet von Sebastian Albert mit der Gitarre. Veranstaltungsdetails und Tickets: Das Internationale Theater

(reinMein/dok)


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