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16.03.2011 15:29 Alter: 11 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Zwischen Nostalgie und Moderne – ökologischer Rosenanbau


Die samtrote Rugosa "Wild Fox" hat eine stark gefüllte Blüte wie die historischen Rosen.

Die samtrote Rugosa "Wild Fox" hat eine stark gefüllte Blüte wie die historischen Rosen. © Rosenschule Ruf

Auf Schienen rollen die Regale mit Töpfen hinter dem Glashaus.

Auf Schienen rollen die Regale mit Töpfen hinter dem Glashaus. © Dörthe Krohn

Im Garten gibt es viel zu entdecken, auch schon im März.

Im Garten gibt es viel zu entdecken, auch schon im März. © Dörthe Krohn

Die historische Rose Jaques Cartier. Sie wird auch im Ruf'schen Rosengarten gepflegt, geerntet und zu allerlei Leckerem mit Rosengeschmack verarbeitet. Die Rosensorte ist auch im Verkauf. Die robuste Rose hat einen kräftigen Duft und ist ebenso für die Küblebepflanzung geeignet.

Die historische Rose Jaques Cartier. Sie wird auch im Ruf'schen Rosengarten gepflegt, geerntet und zu allerlei Leckerem mit Rosengeschmack verarbeitet. Die Rosensorte ist auch im Verkauf. Die robuste Rose hat einen kräftigen Duft und ist auch für die Küblebepflanzung geeignet. © Rosenschule Ruf

Familie Ruf.

Familie Ruf. © Rosenschule Ruf

In der Rosenmetropole Steinfurth, insbesondere in Deutschlands einziger Bioland-Rosenschule, der Rosenschule Ruf, lässt sich eine eigene Welt - eine duftende, sinnliche, prächtige, aber gleichzeitig natürliche Rosenwelt erschließen. Einmal angekommen, gehen Besucherinnen und Besucher unweigerlich auf Entdeckungsreise. Eine riesige Glashalle beherbergt hunderte verschiedenartige Rosen in so genannten Containern, das sind transportfähige Töpfe aus Altpapier. Im Garten finden sich gestaltete sowie wild gewachsene Winkel, Lauben und Bänke zum Verweilen sowie weitere Stellflächen für eingetopfte, verkaufsfertige Rosenpflanzen. Rollwagen, mit denen die im Laufe eines Jahres zusammenkommenden 30.000 Töpfe auf dem Gelände befördert werden können, laufen auf Schienen. „Wir wollten die Flächen nicht versiegeln und haben diese Lösung gefunden“, sagt Sabine Ruf, die zusammen mit ihrem Mann Werner in dritter Generation die Rosenschule betreibt. Statt eines Rasenmähers halten Gänse das Grün um die Beete kurz.

Alte Rosensorten neu entdeckt

Verfolgt man die Schienen, kommt man in der einen Richtung zu den historischen Rosen. Hinter einem schmiedeeisernen Tor wachsen Hochwohlgeborene wie die hellrote Duchesse of Portland (sie gehört zu den Portlandrosen), die dunkelviolette Cardinal Richelieu (Gallicarose) und die tiefrosa blühende und wohlduftende Königin von Dänemark (Albarose) neben Damaszenerrosen wie Miranda in Satinrosa oder der purpurroten Rose de Resht. Historische Rosen deshalb, weil sie zu Rosengruppen gehören, die es vor 1867 bereits gegeben hat. „Mit dem Jahr 1867 begann nämlich die Rosenneuzeit“, erklärt Werner Ruf. Es ist das Jahr von „La France“. Jean-Baptiste Guillot hybridisierte eine alte chinesische Teerose mit einer europäischen Rose. Das Ergebnis war die teehybride „La France“, die erste Edelrose der Welt. Alle Rosengruppen, die bereits vor 1867 existierten, gehören zu den historischen Rosen und unterscheiden sich von modernen Rosen überwiegend durch die barocke Üppigkeit ihrer Blüten und herrliche Düfte. Ihre Farbpalette reicht überwiegend von Weiß über diverse rosafarbene Töne bis Dunkelviolett, meist einmalblühende, überschwängliche Sträucher.

Die Blütenblätter der historischen Rosen eignen sich besonders gut für die Verarbeitung in der Küche und für Kosmetik. „Dass wir Rosen in Bioqualität vermehren, hat uns diese neue Möglichkeit eröffnet“, so Sabine Ruf. Im Rosenlädchen, gleich neben der Glashalle, stehen Marmelade, Likör, Essig, Tee, Mus, Schokolade, Kaffee neben Seifen und Cremes - alles aus den Rosenblättern vom eigenen Feld hergestellt bzw. mit ihnen aromatisiert.

‚Ich hatte mir geschworen, keine Rosen in den Vorgarten zu setzen‘, habe eine Kundin zu Werner Ruf gesagt und dabei das Bild ihres Opas vor Augen gehabt, wie er mit der Giftspritze gegen Pilzkrankheiten und Blattläuse vorging. Etwa in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts standen imposante, leuchtende Rosen vor den Häusern Spalier. Weil die hochgezüchteten Monokulturen fürs Auge (weniger für die Nase, weil meist nicht duftend) anfällig waren, wurden die Pflanzen mit allerlei chemischen Zugaben behandelt inklusive der Bodenaufbereitung mit Stickstoff, Phosphor und Kali in Form eines synthetischen Düngers. Das musste in eine Sackgasse führen und hat bei der einen oder dem anderen die Freude an der stacheligen Herrscherin im Reich der Blumen erst einmal getrübt.

Baumschulgärtner Werner Ruf, der den 1930 gegründeten Betrieb von seinem Vater übernommen hat, und seine Frau Sabine aus dem Schwäbischen, ebenfalls vom Fach, suchten und fanden neue Wege – und wandten sich unter anderem den alten Rosensorten zu. „Es fing an mit einer Sorte, die meine Oma noch im Gemüsebeet neben dem Wasserhahn stehen hatte. Meine Schwestern sagten, dass sie auch gerne so eine alte, gut duftende Rose hätten. Die alten Eigenschaften waren mehr und mehr gefragt“, so Ruf. Der Rosenhof Schultheis, die älteste Rosenschule Deutschlands von 1868, habe als erster auf den Bedarf an alten Rosensorten reagiert und Rufs seien dann auf der Nostalgiewelle mitgeschwommen. Allerdings, und das ist eben das Besondere an der Rosenschule Ruf, setzt sie seit 1990 keine Herbizide mehr ein und ist seit 1994 Bioland-Betrieb. Sechs Hektar Land für jährlich 40.000 Rosen werden ökologisch bewirtschaftet.

„Die gute Mischung macht’s“

Auch der Biobauer/die Biobäuerin möchte Ertrag, aber keine Hochleistungserträge. „Bei 20.000 Rosen auf einem Acker ist es geradezu die Aufgabe der Natur dort mal ordentlich Blattläuse hinzuschicken, damit die Rosen nicht überhand nehmen“, schmunzelt Werner Ruf. In dem Augenblick, in dem der Spaten einsticht, wird in der Natur etwas verändert. Bei der Kultivierung möchte man bestimmte Pflanzen bevorzugen, den Rosen gegenüber anderen Pflanzenarten zu einem Vorteil verhelfen, und greift damit in das natürliche Gleichgewicht ein. Schädlinge werden sich nie vollkommen aufhalten lassen, aber zwischen der Chemiekeule und gar nichts tun gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten der sanften Steuerung. „Die gute Mischung macht’s.“ Und wenn im Juni, was ganz normal ist, ein paar Blattläuse auf den Rosenblättern im Garten Platz nehmen, dann, so Werner Ruf „lassen Sie sie dran als Futter für die Marienkäfer“.

Eine gute Mischung sind auch die in der Regel öfter blühenden, meist duftenden englischen und romantischen Rosen mit schalen- oder rosettenförmigen Blüten. Sie punkten mit ihrer Üppigkeit und Farbenvielfalt. Sie sind Kreuzungen aus verschiedenen alten Rosensorten mit modernen Teehybriden.

Frau Hagebutte geborene Rose

Eine eigene Züchtung der Rosenschule Ruf sind neun verschiedene Sorten der Wildrose Rosa Rugosa. Im Katalog der Rosenschule sind sie bei den Strauchrosen aufgeführt und tragen das „Wild“ in ihren Namen. „Kein Rosengärtner kann es lassen, mal ein paar Hagebutten auszusähen“, weiß Werner Ruf aus eigener Erfahrung. Und auch sein Vater tat es. Aus 1.200 Sämlingen wurden „Wild Bird“, „Wild Eagle“, „Wild Emmy“ und Co. ausselektiert. Die Rosa Rugosa, auch Sylter Rose genannt, ist eine Kartoffelrose. Ihr Laub hat Blattadern und der dicht mit Stacheln besetzte Stamm ist nicht grün sondern braun. Sie bekommt ziemlich sicher keinen Sternrußtau, dafür aber dicke Hagebutten im Herbst. Sie ist frostbeständig und eignet sich besonders gut als Hecke. Ihre offenen Staubgefäße sind anziehend für Bienen und Hummeln und sie gedeihen auf fast allen Böden von Sand bis Lehm. Nur Kalkboden und extreme Trockenheit gefällt der Rosa Rugosa nicht. Weil sie ein Flachwurzler ist, im Gegensatz zu fast allen anderen Rosen, die tief wurzeln, entfaltet sie sich auch im Kübel. „Rugosa-Züchtungen sind wegen ihrer Robustheit mit die besten Rosen für die biologische Kultur“, weiß Werner Ruf. Deshalb machen sie auch Gartenfreundinnen und –freunden Freude.

Die Rosenschule Ruf ist aber kein Zuchtbetrieb sondern sie kultiviert, vermehrt die Rosensorten, so wie eine Baumschule ihre Baumsetzlinge großzieht. Rosen vermehren sich vegetativ, d.h. die Mutterpflanze hat exakt dasselbe Erbgut wie ihre Ableger. Die Rosenschule zahlt für jeden vermehrten Rosenstock einer lizensierten Rosensorte eine Gebühr. Die Rosenzüchterinnen und -züchter dürfen kontrollieren, ob die Rosenschule tatsächlich genauso viele Rosenpflanzen ihrer „Mildred Scheel“, „Traviata“ oder „Chippendale“ vermehren wie sie angegeben haben. 

Die gezielte Zucht von Rosen ist eine schwierige und langwierige Angelegenheit. Rosen haben einen komplizierten Chromosomensatz, weshalb die Möglichkeiten der Kreuzungsresultate sehr vielfältig sind. Die Rose hat männliche, die Blütenpollen, und weibliche Geschlechtsorgane, den Stempel. Bei der gezielten Kreuzung unterschiedlicher Rosensorten werden die Blütenpollen der Mutterpflanze entfernt und ihr Stempel mit der gewünschten Vatersorte bestäubt. „Bis sich eine verkaufsfähige Rose, die dann unendlich häufig vermehrt werden kann, findet, müssen zig Kinder über Jahre beobachtet werden. Ihre Selektion erfolgt anhand von Kriterien wie beispielsweise Farbe, Duft, Blütenform, Gesundheit, Haltbarkeit, Wuchs und Blühwilligkeit“, erklärt Sabine Ruf. „Geduld bringt Rosen“, lautet treffend ein Sprichwort.

Erst einmal dran riechen

Auch Hobbygärtnerinnen und -gärtner können es mit der Rosenzucht versuchen. Dafür muss man aber erst einmal wissen, welche Pflege Rosen überhaupt benötigen, um ihre ganze Pracht entfalten zu können. Die Rosenschule bietet ganzjährig Kurse an: Rosenschnitt, Rosenpflege rund ums Jahr, aber auch, wie das genau mit dem Veredeln funktioniert und wie man das selber machen kann, demonstriert Werner Ruf. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Veranstaltungen von der Rosenverkostung, Kochen mit Rosen, Rosen filzen, malen, sticken, Schmuck, Rosenkosmetik selber herstellen, Yoga mit Rosenduft bis hin zur Hagebutten-Wanderung und dem Hagebuttenfest. Der Katalog der Rosenschule enthält neben den erhältlichen Sortenlisten viele wertvolle Tipps für die ökologische Rosenpflege. Außerdem kann man neben Rosen auch zahlreiche Begleitpflanzen von einem Bioland-Staudengärtner bei der Rosenschule erwerben: Schleierkraut, Waldbeere, Bartnelke, Anemonen, Glockenblumen usw., sowie Kräuter, Lavendel, Clematis und Ziergehölze.

Bei einem längeren Anfahrtsweg ins schöne Steinfurth lohnt es sich, vor oder nach dem Besuch bei der Rosenschule Ruf noch beim Rosenmuseum vorbeizuschauen. Bis April ist das Rosenmuseum dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ab Mai gelten die Sommeröffnungszeiten. Sammlung, Forschung und Ausstellung kreisen ausschließlich um die dornige Königin der Blumen. http://www.rosenmuseum.com

Die Rosenschule Ruf liefert darüber hinaus noch bis Ende April Rosen im Container (Topf) per GLS Paketdienst.

Informationen und Termine der Rosenschule Ruf: http://www.rosenschule.de. Den Katalog gibt es auch online zum Blättern. 

Text: Dörthe Krohn

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