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30.07.2011 00:00 Alter: 11 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Zwei Wochen Ideen erleben


Mit dem Fahrrad "Ideen erfahren" zwischen Darmstadt und Schönau im Schwarzwald.

© Dörthe Krohn

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie vom Organisationsteam: Meike Lünser (hinter dem blau-weißen Helm), Andreas Ockert (rechts von ihr, hält den blau-weißen Fahrradhelm) und Konni Schmidt von Bike for Peace and New Energies (im gelben T-Shirt).

© Dörthe Krohn

Filmstudenten begleiten die Radtour und werden Clips der einzelnen Stationen  zusammenschneiden.

© Dörthe Krohn

Gruppenfoto, Start 2011.

© Dörthe Krohn

Tour 2010

© Ideen hoch drei e.V.

Tour 2010

© Ideen hoch drei e.V.

Tour 2010

© Ideen hoch drei e.V.

Heute haben sie sich auf den Weg gemacht, Ideen zu "erfahren". Aus Deutschland, Frankreich, Bulgarien und Afghanistan kommen die 28 Teilnehmenden, die sich bis heute größtenteils nicht kannten. Angereist sind sie mit der Bahn und natürlich mit dem Fahrrad. Zusammen mit dem Organisations- und Filmteam sind insgesamt 39 junge Frauen und Männer an der außergewöhnlichen Bildungs-Radtour beteiligt.

Sara (27) aus Hannover interessiert sich für die Organisation der Fahrradtour selbst. Sie befindet sich bereits am Ende ihres Studiums der Sozial- und Organisationspädagogik und meint, eigentlich schon ein bisschen zu alt zu sein für so eine Unternehmung. Anderseits habe sie sich aber auch gedacht: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Und vielleicht ist das ja schon eine erste Idee, nämlich alternative Projekte und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen Richtung Norden zu "erfahren". Zwischen Hannover und Hamburg gebe es bestimmt auch eine Menge zu entdecken, meint Sara.

Die TeilnehmerInnen brechen in zwei Gruppen mit zwanzigminütigem Abstand zunächst nach Oppenheim auf, um sich dort am Abend den Integrationsbetrieb Rheinrestaurant anzuschauen. Die erste Etappe ist mit 27 Kilometern gut zu bewältigen. „Ich bin noch nie so lange Fahrrad gefahren“, sagt Elena (21) im Hinblick auf die bevorstehenden zwei Wochen. Die Geografie-Studentin aus Marburg ist besonders gespannt auf das Europäische Parlament, die achte Station von insgesamt dreizehn bis in den Schwarzwald. Umweltreferentin Laura (27) aus Darmstadt hingegen freut sich auf das Bio-Solarhaus und auf Musik und Tanz am Abend im Zeltlager. Spaß ist ein wichtiger Teilnahmegrund aller Beteiligten. 

Andreas Ockert hatte die Idee zu „Ideen erfahren“. Er suchte nach einer Möglichkeit, den „Tag der Ideen“, der erstmals 2008 stattfand und der die Schlussveranstaltung der Radtour sein wird, so auszubauen, dass Ideen erlebbar werden, wo nicht nur, wie beispielsweise bei einem Kongress, von Ideen berichtet wird. 

Der 21-jährige Julius musste am Treffpunkt Europaplatz in Darmstadt die erste (und hoffentlich letzte) Reparatur an seinem Fahrrad vornehmen. Das Schutzblech am Hinterrad hatte sich gelöst. Er sucht nach alternativen Lebensweisen, die es ermöglichen, ohne Verzicht umwelt- und sozialverträglich zu leben. Von der Politik erwartet der Auszubildende in einer Bochumer Bank keine Lösungen in dieser Richtung. Er vertraut eher auf individuelles Engagement, das gebündelt zu einem nachhaltigen gemeinschaftlichen Handeln führen kann. Durch privaten Konsum kann man z.B. das Angebot steuern. Von der Radtour erhofft er sich Anstöße und Ideen, die er mit anderen teilen kann.  

Noch eine Stärkung, ein Gruppenfoto und los geht es...

Video: Ideen Erfahren 2011 - Tag 1 - Start in Oppenheim // Integrationsbetrieb Rheinrestaurant 

reinMein am 3. Mai 2011: Im Sommer werden sich 40 Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren „Ideen erfahren“. Die Fahrradtour von Darmstadt bis in den Schwarzwald ist Sommerlaune und Bildungsreise in einem. Der Verein „Ideen hoch drei“ hatte 2010 erstmals eine Ideen-Radtour veranstaltet. „Uns geht es darum, Alternativen aufzuzeigen. Man muss nicht alles hinnehmen, was in der Gesellschaft passiert, sondern kann selbst etwas in Bewegung bringen, etwas verändern“, sagt Meike Lünser, selbst Teilnehmerin der ersten Tour und Mitorganisatorin der diesjährigen Fahrt. Dieser Gedanke wird vom 30. Juli bis 13. August 2011 an zwölf Stationen für 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ein zehnköpfiges Begleitteam erfahrbar. Bei den Stationen handelt es sich um Betriebe und Projekte, die Vorbildcharakter haben können. Hier wurden Ideen auf besondere Weise umgesetzt. Wichtig sind den Organisatorinnen und Organisatoren beispielsweise Aspekte wie soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit, zivilgesellschaftliches Engagement, Ganzheitlichkeit im Denken und Handeln oder wirtschaftsehtische Fragen.

Angesteuert wird zunächst der Integrationsbetrieb Rheinrestaurant in Oppenheim. Dort arbeiten Menschen mit und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zusammen. In Nierstein-Schwabsburg wartet der Biolandhof Borngässer auf die radelnde Gemeinschaft. Das Thema erneuerbare Energien wollen die Jugendlichen bei der juwi Holding AG in Wörrstadt erörtern. In Sankt Alban wird die Bio-Solar-Haus GmbH angesteuert. Um Friedensarbeit und Gerechtigkeit geht es beim Friedensplenum Mannheim, der 5. Station von „Ideen erfahren“. „Im Weltladen Heidelberg wollen wir ein Einkaufsspiel machen“, verrät die 25-jährige Meike Lünser. Fortan geht es außerhalb des reinMein-Gebiets weiter. Zum Thema „Mensch, Technik und nachhaltige Entwicklung” besucht die Gruppe das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), in Straßburg besichtigen die Jugendlichen das Europäische Parlament. Die Regionalwert AG, Bürgeraktiengesellschaft in der Region Freiburg, ist ein weiteres Beispiel für ökologische Landwirtschaft. Zum Thementag „Erlebnispädagogik“ und „Ganzheitliche Bildung“ erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein spannender Tag in der Wildnis. Um alternative Wohnformen geht es beim Besuch der selbstorganisierten, unabhängigen Siedlungsinitiative SUSI. „Geld und Sinn“ wird mit der GLS Gemeinschaftsbank und dem Institute for Social Banking verbunden und dort diskutiert. „atomstromlos. klimafreundlich. bürgereigen“, so beschreiben sich die ElektrizitätsWerke Schönau im Schwarzwald. Dort endet die Tour mit dem „Tag der Ideen“.

„Wir wollen unabhängig und neutral sein“, so Lünser, deshalb konnten und können sich zwar im Vorfeld einer „Ideen erfahren“-Tour Betriebe und Institutionen anbieten, doch die Entscheidung, wo die Reise tatsächlich hingeht, trifft das Organisationsteam. 

„Ich fand schon die erste Reise sehr inspirierend“, so Meike Lünser, die Studentin im Master-Studiengang General Management der Universität Witten/Herdecke ist. Abgesehen davon, dass sie ja als Mitorganisatorin bereits eine wunderbare Idee, nämlich das Projekt „Ideen erfahren“ selbst, tatkräftig unterstützt, möchte sie vielleicht schon während, aber spätestens nach ihrem Studium einer eigenen Idee auf die Sprünge helfen und unternehmerisch tätig werden. Da ist es anregend und hilfreich, sich schon einmal mit den vielfältigen Möglichkeiten, eine Idee marktfähig zu machen, auseinanderzusetzen.

Manche Ideen halten sich und werden weitergedacht, so manche erweist sich aber auch als schöne Idee, die wieder verworfen wird. „Meine Oma strickte mir immer Socken und weil ich mir mal was anders Gestricktes wünschte, kam ich auf die Idee, dass Omas für junge Leute Pullover, Jacken usw. nach Maß, also individuelle Designs stricken könnten.“ Meike Lünser meint heute, dass diese Idee eher etwas für einen Tauschring wäre und sich nicht so sehr kommerziell verwerten ließe. Zudem gebe es beispielsweise bereits die Senior Design Factory in der Schweiz und Oma Schmidt's Masche in Stuttgart. Meike Lünser hat aber noch weitere Ideen in ihrer (Fahrrad)Tasche mit denen sie die Zukunft mitgestalten will.

Denn die Idee der Idee ist es, eigene Ideen nicht als Ideen stehen zu lassen im Sinne von „Ist ja bloß so ne Idee“, sondern „Ideen erfahren“ macht Mut, die eigene Idee wertzuschätzen, sie gedanklich hin und her zu bewegen und weiterzuverfolgen – abgesehen davon, dass auf der Fahrt aller Voraussicht nach neue Ideen entstehen werden.

Damit auf der Tour nicht nur diejenigen mitfahren, die ohnehin schon offen für Alternativen sind, wurde sich im Vorfeld überlegt, wie die Gruppe auch in Bezug auf den Bildungshintergrund diverser werden könnte. „Ideen hoch drei“ hat vier Partnerorganisationen: oikos International mit Hauptsitz in St. Gallen/Schweiz, den Dachverband Schweizer Jugendparlamente, Bike for Peace and New Energies e. V. und den Verein Paidaia, dessen Zielgruppe sozial benachteiligte Jugendliche in sozialen Brennpunkten/Quartieren sind. Die Organisatorinnen und Organisatoren erhoffen sich, dass sich auch aus diesen Organisationen Jugendliche für die Fahrradtour begeistern werden und somit eine noch heterogenere Gruppe entstehen könnte als im vergangenen Jahr. Zwei Bewerbungen aus Bulgarien lägen auch schon vor, so Lünser.

Aber grundsätzlich können sich noch alle Interessierten für die Fahrt bewerben. Auf der Homepage gibt es ein Bewerbungsformular. Die Fahrt kostet quasi „all inclusive“ 250 Euro. Darin enthalten sind  Programm, Unterkunft (meist in Zelten) und Verpflegung.

Wer nicht mitradeln kann, aber die Idee spannend findet und die Radtour gerne verfolgen würde, kann das auf dem Blog. Ein studentisches Filmteam wird auch die 2011er-Tour begleiten und von jeder Station Filmbeiträge schneiden.

Ein längerer Film von der gesamten Tour als Bildungsmaterial für Schulen kommt dann zustande, wenn genug Menschen diese Idee finanziell unterstützen. Hier haben auch Sie die Möglichkeit:  http://www.startnext.de/ideen

"Wer, wenn nicht wir, kann die Zukunft bestimmen?" - www.ideen-erfahren.de

Text: Dörthe Krohn

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