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18.07.2014 09:35 Alter: 3 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Werken, denken, schauen auf der Mathildenhöhe


Fotos: Dörthe Krohn

Am Osthang der Mathildenhöhe wird aktuell entworfen, gesägt und gehämmert. Bis zum Eröffnungswochenende (25. bis 27. Juli) entsteht auf dem einst verwilderten Gelände experimentelle Architekturkunst, schöpft eine bis 16. August befristete internationale Künstlerkolonie Holzbauwerke und entwirft Interieur. Zwischen selbst gezimmerter Küche, Freiluft-Duschen und Gemüsebeeten wachsen Gästehäuser, ein Workshop-Haus, eine Veranstaltungshalle und die Infobrücke, die unter anderem als Verbindung zur Mathildenhöhe fungiert.     

Genau vor 100 Jahren errichtete Albin Müller auf der Mathildenhöhe ein zerlegbares und transportables Ferienhaus aus Holz, präsentierte die Darmstädter Künstlerkolonie nach 1901, 1904 und 1908 ihre letzte Ausstellung. Noch bis 14. September sind neben den Werken der 1899 von Großherzog Ernst Ludwig nach Darmstadt berufenen sieben Jugendstil-Künstler daher insbesondere jene der Ausstellenden von 1914 zu sehen: Albin Müller, Bernhard Hoetger, Elizabeth Duncan, Friedrich Wilhelm Kleukens, Emanuel Josef Margold, Arnold Mendelssohn und Heinrich Jobst. Die Übersichtsschau „Dem Licht entgegen“ kann im Museum Künstlerkolonie und auf dem Freigelände erkundet werden.

Die Grundidee der Darmstädter Künstlerkolonie, durch eine Verbindung von Kunst und Handwerk neue und zukunftsweisende Bau- und Wohnformen zu entwickeln, setzt sich ein Stück weit beim „Osthang Project“ fort. Erklärtes Ziel ist das miteinander Denken von Künstler_innen, Architekt_innen, Theoretiker_innen und Studierenden über Fragen des zukünftigen Zusammenlebens und -arbeitens und über die Weiterentwicklung des Ortes. Nach der Bauphase der „Internationalen Summer School für experimentelles Bauen“ (kuratiert von Jan Liesegang, raumlaborberlin) werden die errichteten Häuser für die Veranstaltungen im Rahmen des „Thinking Together“ (kuratiert vom Österreicher Berno Odo Polzer) oder die „Zukunftswerkstatt Mathildenhöhe“, bei der vor allem auch Darmstädter Bürgerinnen und Bürger mitreden sollen, genutzt. Doch bereits jetzt finden täglich Veranstaltungen statt: Führungen, Vorträge, Workshops, Filme, Talkrunden und Musik und geht die Zukunftswerkstatt am 19. Juli schon in die zweite Runde.

Am großen Plan für den Osthang wirken außerdem u.a. das atelier le balto (Le Harvre/Berlin), Bow-Wow (Tokio), ConstructLab (Paris/Berlin), collectif etc (Straßburg), orizzontale (Rom), Studio Umsichten (Stuttgart) und m7red (Buenos Aires) mit. Referent_innen reisen u.a. aus London, Moskau, Kapstadt, New York, Singapur und Kalkutta an. Lokale Akteure sind beispielsweise das Internationale Musikinstitut Darmstadt, Hessen Design, die Hochschule und die TU Darmstadt oder der Künstler Gerhard Schweizer.

Das „Osthang Project“ ist auch Auftakt für den Architektursommer Rhein-Main (ASRM) in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden 2015, der sich mit Visionen für die Metropolregion Rhein-Main beschäftigen will. Acht internationale Architekturbüros, darunter keins aus dem Rhein-Main-Gebiet, wollen unter der Überschrift „Region im Fluss“ neue Impulse für das Zusammenwachsen der Region setzen. Vom 11. bis 16. August stellen sie ihre Ideen im Designhaus, Eugen-Bracht-Weg 6 in Darmstadt, aus. Am 16. August findet zudem ein ASRM Symposium statt. Seit 2011 werden gemeinsame Architektursommer der Städte Darmstadt, Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden veranstaltet. Initiiert wurden und werden sie von Architekt_innen, Kulturschaffenden und der Politik.

Und noch mehr Gegenwartskunst auf der Höhe

Ein Ausflug auf die Mathildenhöhe lohnt sich diesen Sommer in einer weiteren Hinsicht. Neben dem „Osthang Project“ und der Schau zur Künstlerkolonie-Ausstellung 1914 läuft noch bis 5. Oktober der filmische Ausstellungsparcours „Der Stachel des Skorpions“. Der surrealistische Tonfilm „L’Âge d’Or“ (Das goldene Zeitalter) des Regisseurs Luis Buñuel von 1930 inspirierte eine Gruppe internationaler Gegenwartskünstler_innen zu einer Neuinszenierung der Themen und Motive des Klassikers in sechs Teilen. Entsprechend stehen sechs Container im Platanenhain, sozusagen sechs kleine Kinos. Im Café „L’Âge d’Or“ unter den Platanen kann man sich nach den vielfältigen Eindrücken entspannen.

Außerdem bis 27. Juli im Designhaus: Jubiläumsausstellung 40 Jahre Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, Regionalverband Darmstadt (BBK Darmstadt).

Osthang Projekt: www.osthang-project.org

Museum Künstlerkolonie (hier auch die Infos zu „Der Stachel des Skorpion“): www.mathildenhoehe.eu

Architektursommer Rhein-Main: www.asrm2015.de

Designhaus: www.hessendesign.de

(reinMein/dok)
 


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