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05.03.2011 05:35 Alter: 11 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Tag der offenen Töpferei


Formschön für jeden Tag - die Teekanne von Hans-Georg Fischer.

Formschön für jeden Tag - die Teekanne von Hans-Georg Fischer. © Hans-Georg Fischer

Ule Ewelt im "Eulenton" in Grünberg-Stangenrod.

Ule Ewelt im "Eulenton" in Grünberg-Stangenrod. © Ule Ewelt

Pferde von Ule Ewelt aus schamottiertem Ton.

Pferde aus schamottiertem Ton. © Ule Ewelt

Frühlingserwachen bei Ursula Dohrmann in Müs.

Frühlingserwachen bei Ursula Dohrmann in Müs. © Ursula Dohrmann

"Weibsbild" mit Mann. Eine Tonskulptur von Stina Tummel.

"Weibsbild" mit Mann. © Stina Tummel

Am 12. und 13. März sind zwischen 10 und 18 Uhr bundesweit zahlreiche kleine und größere Töpfereien geöffnet. Eine große Vielfalt an immer neuen Produktideen bringt der altbewährte Grundstoff Ton hervor und wie dieser im Einzelnen gestaltet wird, kann man direkt anschauen, wenn man den Kreativen in den Töpfereien, Keramikwerkstätten, Studios und Ateliers über die Schultern schaut. Die Keramikherstellung gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Die Idee zu diesem Tag, der in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfindet, sei von einer Thüringer Töpferei ausgegangen, so Gudrun Vogel, hessische Ansprechpartnerin in Sachen „Tag der offenen Töpferei“. Mit einem zeitgemäßen Angebot sollte die Informationspolitik über dieses alte Handwerk verbessert werden, was seit Einrichten der regelmäßigen Veranstaltung zu gelingen scheint. Im Folgenden werden sieben teilnehmende Töpfereien der Region vorgestellt. Viele weitere offene Töpfereien sind unter www.tag-der-offenen-toepferei.de zu finden.

Am Rande des Vogelsbergs liegt idyllisch die Hofreite von Ule Ewelt. Jedes Stück ihrer Gebrauchskeramik ist ein Unikat und zugleich alltagstauglich, denn das frei gedrehte und bei 1250°C im Elektroofen gebrannte Steinzeug ist lebensmittelecht, kann in den Backofen und ist spülmaschinenfest. Den ehemaligen Pferdestall hat sie zu ihrer Werkstatt umgebaut, aber das sei nicht die Verbindung zu ihrer zweiten Leidenschaft, dem Modellieren von Pferden. „Die Tiere faszinieren mich.“ Durch das Einfangen der Bewegungen wirken die Plastiken lebendig. Die aus grob schamottiertem Ton frei aufgebauten Pferde kann man unter anderem vom 22.3. bis 7.4.2011 im Rahmen der Ausstellung der Innungsmitglieder des hessischen Keramikerhandwerkes in der Handwerkskammer in Wiesbaden, Bierstadter Straße 45, sehen. Am Tag der offenen Töpfereien können Besucherinnen und Besucher in Ule Ewelts Keramikwerkstatt „Eulenton“ in Grünberg-Stangenrod in der Scheune ausgestelltes Töpfergut anschauen, aber auch der Schöpferin beim Arbeiten zugucken und sich mit Kaffee und Kuchen verwöhnen lassen. http://www.eulenton.de. Die Werkstatt hat eine kleine Stufe, die Scheune mit dem Hauptteil der Ausstellung ist barrierefrei.*

In Müs bei Fulda, liegt die Werkstatt von Ursula Dohrmann. Sie kreiert unter anderem wunderschöne Wandmosaike. Die handgedrehten Ess-Services sind nicht nur dekorativ, sondern für den täglichen Bedarf gemacht. Am „Tag der offenen Töpferei“ erwartet Besucherinnen und Besucher die jährliche Frühlingsausstellung mit frischen Ideen, nette Gespräche bei einem Glas Wein und wer sich traut, darf an der Töpferscheibe eigene Versuche wagen. Eine weitere Möglichkeit, die Keramik von Ursula Dohrmann kennenzulernen, gibt es das ganze Jahr hindurch auf verschiedenen Töpfermärkten der Region. Einzelheiten und weitere Informationen unter www.dohrmann-keramik.de. Älteres Haus, daher Schwellen vorhanden. Mit Assistenz für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich.*

„Keramikhexe“ und Keramikmeisterin Iris Kühnel zeigt in Niederklein bei Marburg ihre raffinierten Tonkünste.  Ihr Steinzeug aus rotem, schamottiertem Ton wird bei 1200°C im Gasofen dichtgebrannt. Ein Krönchen als Deckelknauf oder eine liebenswerte Hexe im Steilflug auf einer Teekanne, Königinnen und andere Diven als Flaschenverschlüsse – Getöpfertes zum Schmunzeln und Gebrauchen. Neben den Werkstattführungen bietet Iris Kühnel an beiden Tagen von 14 bis 17 Uhr unter Anleitung Töpfern für Kinder an. www.keramikhexe.de. Altes Fachwerkhaus (ehemaliges Schulgebäude) mit steiler Treppe als Aufgang.* 

Andere „Weibsbilder“ gestaltet Stina Tummel in ihrem Atelier in Flörsheim-Weilbach. Sie lesen, tanzen, baden, turnen, sind dünn oder dick, fahren Fahrrad, Boot oder reiten. Lebensfreude drücken ihre Skulpturen aus. Jeder Körperteil wird einzeln modelliert und zum Schluss zu einer ganzen Frau zusammengefügt. www.stinas-weibsbilder.de. Ausstellung barrierefrei*

Ein Merkmal der Keramik von Gudrun Vogel sind ihre selbsthergestellten, blei- und cadmiumfreien Glasuren. Die Eiervasen könnten das Richtige für die eigene Osterdekoration sein. Wer beim Trinken immer unangenehm mit der Nase am Tassenrand anstößt, erfreut sich wohlmöglich an einer „Nasentasse“. Am „Tag der offenen Töpferei“ bietet sie jeweils um 12 und um 16 Uhr an, das eigene Türschild zu töpfern. Ihre Werkstatt befindet sich in der Kapellenstraße 6 in Geisenheim. www.keramik-erbsloeh.de. Das Geschäft ist barrierefrei, zwei Nebenräume mit maximal zwei Stufen, Werkstatt barrierefrei erreichbar.*
 
Traditionelle blau-graue Bembel mit passenden Bechern, aber auch moderne Keramiken stellt die Töpferei Struthof in Münchwald in der Nähe von Bad Kreuznach her. Hier dürfen am 12. und 13. März auch Besucherkinder töpfern. Der Familienbetrieb wurde 1840 am südlichen Soonwaldrand gegründet. Der unerschöpfliche Holzvorrat und das Tonvorkommen in der Region machten die Gegend attraktiv für das Töpferhandwerk. Ein historischer, holzbefeuerter Brennofen kann auf dem Struthof noch besichtigt werden. www.toepferei-struthof.eu  (Barrierefreiheit nicht bekannt).

Hans-Georg Fischer, vor einem Jahr von Solingen nach Bensheim-Zell umgesiedelt, macht  „Keramik zum Leben“ und meint damit überwiegend Gebrauchskeramik, bei hohen Temperaturen gebranntes Steinzeug oder Porzellan. Seine Teekanne mit Edelstahlgriff erinnert an Japan. Tatsächlich habe er sich an der Form von japanischen Teeschalen orientiert. „Die Form ist alles – aber nichts ohne die Funktion“, so das Motto des Tonkünstlers. Die Teekanne gibt es mittlerweile auch mit brauner Glasur und einem dazu passenden Holzhenkel von einem Schreinermeister im Nachbarort. Zu Hans Georg Fischers Werkstatt geht es 10 Stufen aufwärts*, dann können Besucherinnen und Besucher sehen, wo seine ebenso formschönen wie nützlichen Töpferwaren entstehen. Adresse: Gronauer Str. 113, 64625 Bensheim-Zell, Tel.: 06251/8696534, keramikwerkstatt-fischer@web.de. Im Mai ist Hans-Georg Fischer sowohl auf dem Kunstkeramik- und Töpfermarkt Schloss Fasanerie Fulda http://www.schloss-fasanerie.de/aktuell/index.php?page=content_index.php&jump=01
vertreten als auch auf der Kunstmeile in Bensheim. http://www.bensheim-aktiv.de/aktionen/kunstmeile/

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*Angaben über die Barrierefreiheit von den AtelierbesitzerInnen selbst.

In Siershahn bei Montabaur liegt übrigens ein Tonbergbaumuseum. Es ist mittwochnachmittags und nach vorheriger Vereinbarung geöffnet. www.tonbergbaumuseum.de

Text: Dörthe Krohn

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