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19.07.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Silberfliegen und Gamblerschmuck


Eigenwillige Schmuckkunst: eine weiße und eine schwarze Stubenfliege.

© Gudrun Ranftl

"Iiiih! Das sieht ja ekelhaft aus", entsetzt starrt die Frau auf ein obskures Edelmetall. "Guck mal, das ist echt cool!", so der Ausruf einer anderen. Beide blicken auf ein und dieselbe silbern glänzende Fliege. Sie sieht echt aus. Sie ist echt. Nicht wirklich. Oder doch?

Andreas Zidek, Schmuckdesigner, hat experimentiert. Er hat es geschafft, aus einer echten toten Fliege eine durch und durch silberne zu kreieren. Es funktioniere nach dem galvanischen Prinzip. "Ich habe einen Minuspol an die tote Fliege geklemmt und einen Pluspol an das Silberbad. So hat sich eine hauchdünne Schicht über die Fliege gezogen. Ich habe sie sozusagen mumifiziert", sagt er. Mit einem Abgussverfahren fertigt er daraus nun den Fliegenschmuck an. Einen Ring, eine Brosche und einen Piercingring könne er auch machen. "Das pickst allerdings ein bisschen, wenn die Beinchen der Fliege auf dem Bauch aufliegen", Zidek lacht.

Silberne Fliegen sind aber nur eine der Geschäftsideen von Andreas Zidek. Der 41-Jährige sprüht vor Ideen. Vor Jahren zum Beispiel hat er auf Mannheims Straßen einen ausrangierten einarmigen Banditen gefunden. Er war von den Symbolen auf den großen Rollen, die bis zu einem Meter Durchmesser haben, fasziniert. Daraus produziert er, einmalig in der Region, Schmuck, wie  Hemdmanschettenknöpfe, Pins oder Anhänger mit Kronen, Kirschen oder dem bekannten "bar bar bar"-Zeichen.  Es sei nur eine limitierte Auflage möglich, denn sein Vorrat schrumpfe von Jahr zu Jahr. Den einarmigen Banditen in dieser Form gibt es schon lange nicht mehr.

Seit zwei Jahren hat er im kulturellen Szeneviertel Jungbusch, in Mannheim, mit seinem Geschäftspartner Eric Carstensen eine Nachtgalerie. Die Stadt Mannheim unterstützt ihn bei seinen monatlich wechselnden Ausstellungen von den mittlerweile etwa 20 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Bis auf das letzte Wochenende im Monat, das er benötigt um umzuhängen, ist die Galerie "Strümpfe" (http://www.struempfe-jungbusch.de) immer freitags und samstags ab 20 Uhr geöffnet. Am Eingang prangt das alte Schild eines ehemaligen Strümpfe-Ladens. Auch hier hat Zidek wieder einer ausgedienten Sache neues Leben eingehaucht. Mittlerweile ist die Strümpfe-Galerie an jedem Veranstaltungswochenende gut besucht. "Es geht bei alledem um Zeit, Vergängliches wieder neu zum Leben erwecken", sagt er, dämpft die Zigarette im Aschenbecher aus und geht zurück zu seinem Stand. Kundschaft wartet. 

Text: Gudrun Ranftl 

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