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06.08.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Riviera in Wiesbaden-Schierstein


Vertrauen prägt die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer und ist die Basis bei einem Sport wie Wakeboarden. Foto: www.lara-mouvee.com

Vertrauen prägt die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer und ist die Basis bei einem Sport wie Wakeboarden. © www.lara-mouvee.com

Weibliche Eleganz auf dem Brett, Foto: www.lara-mouvee.com

Weibliche Eleganz auf dem Brett. © www.lara-mouvee.com

Coach Clint in seinem Element, Foto: www.Wakeschool.de

Coach Clint in seinem Element © www.Wakeschool.de

Die Designer-Sandälchen klackern über den Holzsteg. Beide tragen sommerliches Weiß und dezentes Gold am Handgelenk. Über den Körbchenrand lugt ängstlich der Chihuahua – es geht wieder zurück auf die Yacht. Nur eine der vielen Szenen des Hafenlebens an der "Schiersteiner Riviera".

Der Schiersteiner Hafen ist heute Anlegestelle für Yachten, Motor- und Ausflugsboote, nicht wie ehemals für Lastkähne. Die am Nordufer gelegene Hafenpromenade, die wegen ihres mediterranen Flairs auch als "Schiersteiner Riviera" bezeichnet wird, verleiht dem Hafen seinen besonderen Charme.

Geschichte seit 1859

Betrachtet man die Geschichte des Hafens, schaut man auf viele wechselnde Rollen. Der Schiersteiner Rheinhafen wurde 1859 gebaut. Schiersteins Fischer erlebten durch den Hafenbau einen wahren Boom. Rund um den Hafen eröffneten Fischrestaurants, von denen heute noch die „Rheinhalle" existiert. Mit der Fertigstellung des Hafens begann eine Hoch-Zeit der Flößer in Schierstein. Die schmalen Holzflöße aus Main und Neckar wurden hier im Schutz des neuen Hafens zu größeren Flößen zusammengefügt und reisten weiter Richtung Norden bis nach Holland. Ab 1958 war der Hafen Standort des Pionierbatallion 706 der Flusskompanie der Bundeswehr, nachdem die US Navy Rhine River Patrol dort dreizehn Jahre lang ihren Stützpunkt hatte. Als Industriehafen verlor der Schiersteiner Hafen nach dem zweiten Weltkrieg an Bedeutung, der Osthafen an der Bismarcks-Aue wurde aber 1961 als neuer Industrieumschlagplatz gebaut. Seit 1967 wird die Hafenausfahrt zum Rhein von der Dyckerhoff-Brücke im eleganten Bogen überspannt. Sie ist eine der ersten Spannbeton-Brücken in Deutschland.

Terrain für Wassersport

Je weniger Bedeutung der Hafen für die Fischerei und Wirtschaft hatte, desto mehr begann sein Wert für Freizeit und Erholung zu steigen. Der 1.250 Meter lange Yachthafen wurde zu einem Wassersportzentrum mit Regatta-Strecke ausgebaut. Zahlreiche Yachtclubs und Wassersportvereine, Cafés und Bistros sind hier zu Hause. An schönen Tagen ist das Hafenbecken ein Paradies für Segler, Windsurfer, neuerdings auch für Wakeboarder und für die besagten Yachtbesitzer sowie die, die sie von einem gemütlichen Plätzchen am Bootssteg aus beobachten wollen. Das Schiersteiner Hafenfest, das jährlich im Sommer veranstaltet wird, gilt als Attraktion für Jung und Alt – besondere Highlights sind das Drachenboot-Rennen und das Feuerwerk. Der Hafen ist außerdem Austragungsort einer jährlichen Ruder-Regatta. Für Wiesbaden und seine Umgebung ist er ein erstklassiges Naherholungsgebiet, nicht zuletzt auch wegen der Anlegestelle der fast schon legendären Fähre Tamara, die ihre Passagiere zur Rettbergsaue bringt, wo Klein und Groß unbeschwerte Stunden am und im Wasser verbringen können. Im westlich anschließenden Auengelände des Wasserwerkes Schierstein ist die Beobachtung von Weißstörchen möglich. Sie brüten teilweise auf den Armen von Hochspannungsmasten, deren Leitungen hier in großer Höhe den Rhein überqueren.

Obwohl das Schwimmen im Schiersteiner Hafen eigentlich verboten ist, führt seit August 2007 zudem die 1,9 Kilometer lange Schwimmstrecke des Triathlons "Ironman 70.3 Germany Wiesbaden" als Wendepunktstrecke durch das Schiersteiner Hafenbecken, an dessen westlichem Ende sich auch die erste Wechselzone zum Radfahren befindet. 1,9 Kilometer – einmal hoch und wieder zurück – müssen die Athleten im Hafenbecken zurücklegen, bevor es auf die 92 km lange Radstrecke quer durch den Taunus und den Halbmarathon im Kurpark geht. "70.3" steht dabei für 70,3 Meilen (113 km), also die Gesamtstrecke aus Schwimmen, Rad und Laufen. Der klassische Ironman in Frankfurt und Hawaii ist genau doppelt so lang. Die Wasserqualität in Schierstein und besonders die Schwermetalle von Bootslackierungen machten der Stadt und dem Veranstalter anfangs Sorgen. Doch nach 300 Wasserproben stand fest: Es besteht kein Gesundheitsrisiko für die Sportler.

Trendsport Wakeboarden

Aber auch die Wakeboarder erobern das Wasser. An der Uferpromenade des Hafens liegt die Wakeboard-Schule "wake n gear". Clint Liddy, Oliver Mohr und Torsten Pritsch haben sie 2008 gegründet.

Wakeboarden hat als Kombination aus Wellenreiten und Wasserski besonders in den 1980er Jahren an Popularität gewonnen und veränderte die Welt des klassischen Wasserski ähnlich rasant wie die Snowboarder die Skipisten. Die Sportlerinnen und Sportler lassen sich von einem Boot oder Lift quer durchs Wasser ziehen, springen meterhoch, drehen und verdrehen sich, stehen kopfüber und landen schließlich weich auf ihren kleinen Brettern. Das Wakeboard ist dabei an die Füße geschnallt, der/die Fahrer/in steht seitlich zur Fahrtrichtung auf dem Brett und wird von einem Boot oder einer Seilbahn gezogen. Dabei ist die Kielwelle des Boots, die "wake", als Absprungrampe zu sehen.

Anfängerinnen und Anfänger, die die Grundtechnik des Starts und der Drehung vergleichsweise leicht erlernen können, sind in Schulen am besten aufgehoben, da sie dort vom Motorboot gezogen werden. Die Bootsführer wissen um die Probleme beim Wakeboarding lernen und können Bugwelle und Beschleunigung gezielter einsetzen, um den Start zu erleichtern.

Wer also Spaß am kreativen Sport hat, vielleicht schon auf einem Snowboard oder Skateboard gestanden hat und mit mindestens 30 Stundenkilometern übers Wasser flitzen will, für den ist Wakeboarden sicher eine der angesagtesten Arten, sich übers Wasser zu bewegen. Mit der professionellen Einweisung gelingt es schnell, die kritische Startphase zu überwinden und die ersten Runden zu drehen.

Was der Profi dazu sagt

Was hat es mit dem Wakeboarden eigentlich auf sich, wollte reinMein wissen und sprach mit dem Australier Clint Liddy, einem der Gründer der Wakeschool "wake n gear" in Wiesbaden-Schierstein.

reinMein (rM): Clint, wie kamen Sie auf die Idee mit der Wakeboard-Schule?

Clint Liddy (CL): Ich arbeitete schon lange in Australien und hier in Deutschland in Wasserski-Anlagen. Meine Leidenschaft ist aber eigentlich das Wakeboarden. 2007 traf ich den Geschäftsführer von "Aktivboot", Oliver Mohr, und wir haben angefangen, ein bisschen Wassersport zusammen zu machen. Nach dem Sommer fragte mich Oliver, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm gemeinsam eine Wakeboard-Schule aufzumachen. Er denke schon länger darüber nach. Hilfreich dabei wäre das Unternehmen "Aktivboot", das Hauptimporteur von Correct Craft Booten aus Amerika ist. So könnte das neueste Model gleichzeitig von der Schule und von potenziellen Käufern als Testboot genutzt werden. Neulinge könnten dann ausprobieren, wie es sich im oder hinter dem Boot anfühlt - und das mit der höchsten Qualität von Wakeboard Booten, die auf dem Markt sind. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.

rM: Seit wann gibt es die Schule?

CL: Wir haben 2008 angefangen und sind jetzt im dritten Jahr.

rM: Ist Wakeboarden ein Ersatz für das Surfen?

CL: Das Wakeboarden ist ja vor über 30 Jahren aus dem Surfen entstanden und für mich kommt es direkt danach. Wenn ich nicht mit den Wellen spielen kann, dann spiele ich eben hinter dem Boot.

rM: Clint, welches war Ihre Sportart in Australien, Surfen oder Wakeboarden?

CL: Ich habe mit sieben Jahren schon in Australien  mit dem Surfen angefangen. Als ich 13 war, arbeitete ich in einer Wasserski-Anlage und habe angefangen zu skurfen, wie die ersten Versuche damals noch hießen und aus denen, mit dem Einfluss vom Skateboarden und Snowboarden, das Wakeboarding entstand.

rM: Was ist der Unterschied zwischen Surfen und Wakeboarden?

CL: Ich liebe beides. Das Surfen ebenso wie das Wakeboarden. Beim Surfen hat man ein bisschen mehr Freiheit, wenn man mit den Wellen spielt. Das Wakeboarden dagegen ist wie eine breite Allee, auf der ich Power zeigen kann. Beim Wakeboarden ist das Boot eben maßgeblich, beim Surfen braucht man die Wellen…

rM: Hat Wakeboarden nicht mehr Ähnlichkeit mit Wasserski?

CL: Auf jeden Fall hat Wakeboarden schon allein durch das Boot sehr viel Ähnlichkeit mit Wasserski. Aber von der Körperhaltung auf dem Brett her, ist es dem Surfen viel ähnlicher.

rM: Wann ist die Saison zum Wakeboarden?

CL: Das hängt natürlich vom Wetter ab. Aber normalerweise dauert die Saison hier in Deutschland von April/Mai bis Oktober.

rM: Gibt es in Ihrer Schule Schnupperkurse?

CL: Ja, das ist der Anfängerkurs, da man zum Ausprobieren auch starten und fahren lernen muss. Der Kurs besteht aus der Theorie, zum Beispiel worauf man beim Starten achten muss, welche Zeichen zwischen "Rider" und Bootsfahrer beachtet werden müssen und was in einer Notsituation zu tun ist. Und aus der Praxis, d.h. aufs Boot und ausprobieren bis man fährt.

rM: Wie teuer ist die Ausrüstung?

CL: Die Ausrüstung besteht aus Badehose, Preis je nach Geschmack, Neopren Anzug beginnt bei 80 Euro, Prallweste beginnt bei 70 Euro, Board beginnt bei 200 Euro und Bindungen, damit man auch Wakeboard fährt und nicht Wakeski, beginnen bei 200 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

rM: Was kosten die Kurse?

CL: Man hat verschiedene Möglichkeiten. Wenn man nur ein Set, das sind 20 Minuten, fahren will, sind das 55 Euro. Wenn man eine kleine Gruppe ist, kann man eine Stunde für 125 Euro buchen, zwei Stunden für 225 Euro usw. Es wird immer gecoacht.

rM: Was ist wichtig, wenn man wakeboarden will? Alter, Gesundheit, ist es auch für Menschen mit Behinderung möglich?

CL: Eigentlich kann jeder Wakeboard fahren. Mit ein bisschen Geduld und Beweglichkeit ist es sehr einfach zu erlernen.

rM: Sie haben noch zwei Partner? Sind sie auch Wakeboard-Lehrer?

CL: Das Wakeschool Team besteht aus drei Gründern. Oliver, Torsten und mir. Torsten ist der Bootsfahrer und zieht auch die offiziellen Wettkämpfe wie Deutsche Meisterschaft. Oliver ist einer der drei Inhaber von der Aktivboot GmbH, war 2007 erster und 2008 dritter bei der Deutschen Meisterschaft. Wenn er Zeit hat, geht er noch mit aufs Boot und coacht. Ich bin der Main Coach der School, bin für Boot und School verantwortlich und der Stammcoach für unsere Kunden. Als Neuzugang kam David letztes Jahr dazu. Er war zweimal Vize Europameister am Boot und ist ein erfahrener Coach am Boot.“

Wer sich selbst ein Bild von dem neuen Wassersport machen will, kann sich informieren unter: www.Wakeschool.de oder per Telefon 0611/334772323


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