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16.07.2014 17:04 Alter: 3 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Neuinszenierung der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch


"Abdruck" des UNESCO-Welterbe-Klosters Altenmünster, Foto: Dörthe Krohn

"Abdruck" des UNESCO-Welterbe-Klosters Altenmünster, Foto: Dörthe Krohn

Kräuter wie vor tausend Jahren, Foto: Dörthe Krohn

Kräuter wie vor tausend Jahren, Foto: Dörthe Krohn

Kapitell im Basilikafragment auf dem Klosterhügel, Foto: Dörthe Krohn

Kapitell im Basilikafragment auf dem Klosterhügel, Foto: Dörthe Krohn

Im Hintergrund das Torhaus, auch als Königshalle bezeichnet. Anlässlich der Lorscher 1250-Jahrfeier gab es Anfang 2014 eine historische Ansicht als 60 Cent-Marke. Davor von li nach re: Lorenz Dexler (Topotek 1, Berlin),  Matthias Schimpf (Kreisbeigeordneter Kreis Bergstraße),  Christian Schönung (Bürgermeister der Stadt Lorsch), Boris Rhein (Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst) und Karl Weber (Direktor Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen). Rund 12 Millionen Euro haben Bund, Land und die Stadt Lorsch zusammen in die Umgestaltung investiert. Foto: Dörthe Krohn

Im Hintergrund das Torhaus, auch als Königshalle bezeichnet. Anlässlich der Lorscher 1250-Jahrfeier gab es Anfang 2014 eine historische Ansicht als 60 Cent-Marke. Davor von li nach re: Lorenz Dexler (Topotek 1, Berlin), Matthias Schimpf (Kreisbeigeordneter Kreis Bergstraße), Christian Schönung (Bürgermeister der Stadt Lorsch), Boris Rhein (Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst) und Karl Weber (Direktor Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen). Rund 12 Millionen Euro haben Bund, Land und die Stadt Lorsch zusammen in die Umgestaltung investiert. Foto: Dörthe Krohn

Der Rohstoff für die Lorscher Zigarre, Foto: Dörthe Krohn

Der Rohstoff für die Lorscher Zigarre, Foto: Dörthe Krohn

Nebenan der pure Sommer, Foto: Dörthe Krohn

Nebenan der pure Sommer, Foto: Dörthe Krohn

Das Freilichtlabor Lauresham wird im September 2014 eröffnet. Hier soll das Leben zu Zeiten Karls des Großen erlebbar werden. Außerdem werden ab September im Wissensspeicher Zehntscheune die Fundstücke präsentiert, die auf dem Klosterhügel gefunden wurden. Foto: Dörthe Krohn

Das Freilichtlabor Lauresham wird im September 2014 eröffnet. Hier soll das Leben zu Zeiten Karls des Großen erlebbar werden. Außerdem werden ab September im Wissensspeicher Zehntscheune die Fundstücke präsentiert, die auf dem Klosterhügel gefunden wurden. Foto: Dörthe Krohn

Nach dreijähriger Umbauzeit wird ein Teil des neu gestalteten Areals des Klosters Lorsch am 19. Juli offiziell eingeweiht. Entlang eines drei Kilometer langen Rundwegs, der den ehemaligen Standort des Klosters Altenmünster an der Weschnitz von 764 mit der späteren Klosteranlage auf der Düne* verbindet, sind Gärten entstanden, liegt die Tabakscheune und das neue Besucherinformationszentrum. Im September sollen zudem das Karlolingische Freilichtlabor Lauresham und der Wissensspeicher in der Zehntscheune eröffnet werden.

Das weltberühmte Torhaus mit seiner bunten Sandsteinfassade, die Nazarius-Basilika, die wegen andauernder Restaurierungsarbeiten aktuell noch von einem Baugerüst ummantelt ist, und die von dichtem Bewuchs befreiten Klostermauerreste der einstigen Benediktinerabtei bilden den Kern der neuen Landschaftsarchitektur, die es Besucherinnen und Besuchern nun erleichtert, sich ein Gesamtbild der Klosteranlage zu machen. Die Umrisse fehlender Gebäude oder Gebäudeteile wurden durch Vertiefungen bzw. Erhebungen wie Abdrücke auf den Rasenflächen sichtbar gemacht. Das Betreten dieser Flächen ist ausdrücklich erwünscht. Karl Weber, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, erklärte bei einem Rundgang, dass man die Aura des Ortes spüren können soll. Deshalb soll auch die Basilika ein Ort werden, den alle betreten dürfen. Um sich den Klosterkomplex und seine Geschichte leichter erschließen zu können, lohnt sich die Teilnahme an einer Führung. Der drei Kilometer lange Rundweg und die Wege auf dem Klosterhügel sind übrigens barrierfrei. Vom Klosterhügel aus kann man den Blick weit hinein ins Umland schweifen lassen.    

Kräutergarten nach dem Lorscher Arzneibuch

Neu ist ein Heil- und Medizinalgarten, der auf das Lorscher Arzneibuch von etwa 795 Bezug nimmt. Das Buch gehört seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Während zuvor die Behandlung kranker Menschen als Einmischung in den Plan Gottes angesehen wurde, dokumentiert das Lorscher Arzneibuch antik-heidnische Medizin und erklärt das Heilen zu einem Akt christlicher Nächstenliebe. Das im Kloster Lorsch verfasste Werk gehört heute zur  Handschriftensammlung der Staatsbibliothek Bamberg. Online ist eine deutsche Übersetzung abrufbar: Staatsbibliothek Bamberg   
Es ist spannend darin zu blättern.
Neu ist auch der Pfingstrosengarten im Welterbe-Areal Lorsch, ein Lehrgarten mit Wildformen und diversen Züchtungen der Heilpflanze.
Wer demnächst nach Lorsch kommt sollte den Acker voller Sommerblumen auf keinen Fall verpassen. Er ist eine Augenweide und es brummt geschäftig zwischen den vielen bunten Blüten. Er liegt direkt neben dem Tabakfeld.

Tabakanbau


Die Geschichte des Tabakanbaus in Lorsch reicht bei weitem nicht so weit zurück wie die des Klosters. Erwähnt wurde er erstmals 1680. Vor 14 Jahren hatte der letzte Tabakpflanzer aufgegeben. Letztes Jahr wurde wieder angepflanzt und dieses Jahr eine limitierte Auflage der Lorscher Zigarre „Lorsa Brasil“ auf den Markt gebracht, die allerdings längst verkauft ist. Aufgrund des großen Erfolgs sollen aus der diesjährigen Ernte mehr Zigarren gerollt werden. Im 1995 eingeweihten Museumszentrum, das ebenfalls dem Welterbe Areal zugerechnet wird, befindet sich auch ein Tabakmuseum.

Ein weiterer Museumsteil befasst sich mit den Hintergründen und Details über das klösterliche Scriptorium und die Bibliothek. Die während der Karolingerzeit im Kloster Lorsch angefertigten Handschriften können heute online in der Bibliotheca Laureshamensis studiert werden. Die Originale werden über die ganze Welt verstreut in diversen Bibliotheken verwahrt und sind in der Online-Bibliothek zusammengeführt worden.    

Die feierliche Welterbe-Wiedereröffnung im Jubiläumsjahr Karls des Großen, der 814 starb und 774 persönlich bei der Weihe der Lorscher Klosterkirche anwesend war, findet am 19. Juli um 16 Uhr im Rahmen des Hauptfestwochenendes zum 1250. Gründungsjubiläum von Lorsch statt. Die Lorscherinnen und Lorscher und ihre Gäste werden ihre Stadt vom 17. bis 20. Juli ganz groß feiern.

 

* Düne? - Der Klosterhügel ist eine eiszeitliche Flugsanddüne.

Weiterführende Links:
Welterbe Areal Kloster Lorsch: www.welterbe-areal-kloster-lorsch.de

Kloster Lorsch: www.kloster-lorsch.de

Stadt Lorsch: www.lorsch.de

Text: Dörthe Krohn


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