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13.10.2010 18:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Lieblingskrimis einer Krimiautorin


Krimiautorin und Veranstalterin von Kriminalspielen Sylvia Ebert.

© Sylvia Ebert

Am Ende kommt es zu einer spektakulären Verhaftung.

© Citygames

Die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler bei Citygames sind Profis.

© Citygames

reinMein hat die Krimiautorin und Erfinderin zahlreicher „Citygames“-Kriminalspiele Sylvia Ebert aus Offenbach gefragt, welche ihre Lieblingskrimis sind. 

Eigentlich habe ich gar nicht so etwas wie Lieblingsbücher, eher Lieblingsautoren. So habe ich zum Beispiel noch kein schlechtes Buch von Ruth Rendell oder James Patterson gelesen. Die Vorstellung meiner drei „Lieblingskrimis“ ist deshalb nur als Auswahl der Autoren zu verstehen, es hätten genauso gut andere Bücher von ihnen sein können.

Ein guter Krimi besticht für mich nicht nur durch einen spannenden Plot, das finde ich sogar eher untergeordnet. Viel wichtiger ist, dass die Story als solches mich fesselt und mich Seite um Seite verschlingen lässt. Nur so kann es passieren, dass Bücher, deren Ende man schon kennt, immer und immer gelesen werden.

Da ich beruflich sehr viel mit Krimis zu tun habe, hat mein Verlangen, selbige zu lesen, nachgelassen. Die Bücher, die ich nun vorstellen möchte, sind deshalb keine Neuerscheinungen, aber für meine Begriffe zeitlos gut.

Den Beginn macht die in meinen Augen geniale Georgette Heyer mit „Mord ohne Mörder“. Ich liebe Heyers Bücher für die immer wieder großartige Ansammlung von skurrilen Charakteren. Die Heldin (zur der Zeit, als ihre Bücher geschrieben wurden, konnte man durchaus noch diesen Begriff verwenden und nicht das nüchterne „Protagonistin“) ist meist eine hübsche, vernünftige und ledige junge Frau, und nicht selten endet der Krimi mit einer Romanze. So auch bei „Mord ohne Mörder“. Hier wird der Hausherr eines englischen Landhauses erschossen, und weder seine spleenige Gattin noch seine Stieftochter legen unnötig Trauer an den Tag. Die zahlreichen Verdächtigen gehen im Haus nur so ein und aus und die dadurch entstehenden Dialoge sind köstlich. Speziell dieses Buch besticht durch eine ausgefeilte und dennoch nachvollziehbare Mordmethode, ließe sich wahrscheinlich auch als Krimispiel umsetzen.

Die erste Begegnung mit der Sparte Krimi, die ich für mich selbst als „pathologisch“ bezeichne, habe ich mit Kathy Reichs gemacht. Das erste Buch, das sich von ihr las, war „Tote lügen nicht“ und die Mischung aus Krimi, guter Story und pathologischen Details haben mich gefesselt. Ich habe dieser Sparte eines Tages abgeschworen, als es zu eklig wurde und die Autoren nur noch darauf bedacht schienen, durch ekelhafte Szenen eine „Noch gruseliger“-Plakette zu erwerben. 

Mit Kathy Reichs ist mir das glücklicherweise nie so gegangen. In „Tote lügen nicht“ ist die Anthropologin Tempe Brennan einem Serienmörder auf der Spur, und, man kann es sich bereits denken, gerät selber in dessen Visier. Ihre beste Freundin zählt ebenso zu seinen Opfern, und die Schluss-Szene, während der Tempe mit dem Killer in ihrer Küche um ihr Leben kämpft, erzeugt Gänsehaut. Auch hier spielt die Liebe wieder eine nicht unwesentliche Rolle, und das macht die Story zu einem Buch, das man immer wieder lesen kann.

Den Abschluss bildet die jüngste Autorin in meinem Bücherschrank, Donna Andrews, mit „Falscher Vogel fängt den Tod“. Die Bücher aus dieser Serie sind besonders geeignet für Menschen wie mich, die alle Werke von Ildikó von Kürthy mit Begeisterung verschlingen. Meg Langslow muss gleich für drei Verwandte die Hochzeit planen, und als wäre das nicht schon anstrengend genug, wird einer der Hochzeitsgäste ermordet. Die Verblichene hatte Haare auf den Zähnen und war, wie so oft in Krimis, nicht sonderlich beliebt, die Aufklärung des Mordes ist demnach weniger emotional als vielmehr humoristisch. Megs Familie in Form von einem Möchtegern-Anwalt als Bruder, der lieber Computerspiele programmiert, einem Mediziner als Vater, der sich geradezu mit Begeisterung auf die Aufklärung des Mordes stürzt sowie die elegische Mutter, die mit ihren stets arbeitsintensiven Launen den ganzen Haushalt in Verzweiflung stürzt, hätten auch Georgette Heyer Spaß bereitet. Megs einzige Stütze ist ein junger Schauspieler, der aushilfsweise im Brautmodengeschäft arbeitet. Leider ist er schwul. Glaubt sie.

Text: Sylvia Ebert

Kriminalgeschichten von Sylvia Ebert

 - „Tödliche Kirschen“ in der Anthologie „Ladykillers“, erschienen 2006 im Lerato-Verlag, Hrsg. Jöst / Odenthal

-  „Viola” im Buch „Gothic – Darker Stories“,  herausgegeben von Boris Koch, erschienen  2008 bei Beltz & Gelberg

-  „Frankfurt sehen und sterben“ in Frankfurter Morde, Anina Stecay (Hrsg.), erschienen 2009 im Wellhöfer Verlag

- „Kuss um Mitternacht“ in „Gothic – Darker Stories“, herausgegeben von Boris Koch, erschienen  2010 bei Beltz & Gelberg

 

Kriminalspiele von Citygames für draußen und drinnen

Der Ebbelwei-Express rollt an, gespannte Erwartung im Wagon. Die Fahrgäste werden in einem Kriminalfall ermitteln, sofern es überhaupt zu einem Verbrechen kommt. Die ersten Getränke werden serviert und eine Frau schaut auf ihren Nachbarn, als frage sie sich, ob die Schauspielerinnen und Schauspieler des Citygames schon unter ihnen sind oder ob sie noch zusteigen werden? Der „Mord im Ebbelwei-Express“ ist, vor allem in der kalten Jahreszeit, der Citygames Klassiker.

„Der Trend geht dahin, dass die Leute schnelle, kleinpreisige Spiele buchen wollen. Ein feiner Streich aus unserem Haus ist das Agentenbingo“, so die Unternehmensgründerin Sylvia Ebert. Dieses Spiel eignet sich für Gruppen bis zu 200 Personen, die quasi zwischen Suppe und Hauptgang oder zum Buffet in etwa 90 Minuten einen spannenden Kriminalfall lösen möchten. Verhöre möglicherweise beteiligter Personen und Hinweise zum Tatgeschehen müssen beim Bingo erspielt werden. „Das ist auch was für Menschen, die ein bisschen Berührungsscheu haben, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt.“ Das Gaunerstück kann in jedem Restaurant inszeniert werden, das über einen separaten Raum verfügt – ob im „reinMein“-Gebiet oder darüber hinaus. 

Die meisten Citygames sind Outdoor-Spiele. „Der Wolf im Schafspelz“ treibt im Zoo sein Unwesen, beim Mittelalter-Stück „Fluch zu Auerbach“ geschehen unheimliche Dinge auf Schloss Auerbach bei Bensheim. Doch auch andere Burgen eignen sich zum Treffen von Waldelfen, Kobolden, Hexen, Adelsdamen, Rittern und einfachem Volk. Ein Stadtspiel wie „Agentenfieber“ ist ebenso in einem Hotel oder in Gewerberäumen möglich. 

Die Varianten bespricht die Chefin individuell mit ihren Kundinnen und Kunden. Neben Privatpersonen buchen vor allem Unternehmen für ihre Mitarbeiter und Kunden die Citygames. Firmen-spezifische Details können in das Stück eingebaut werden. Die Spiele passt die kreative Unternehmerin der jeweiligen Umgebung an. Schauspielerinnen und Schauspieler stehen beispielsweise an örtlichen Sehenswürdigkeiten, und so ist die Verbrecherjagd gleichzeitig eine touristische Entdeckungsreise. 

Mit wem man es bei den rund zwanzig Citygames-Krimispielen alles zu tun bekommen kann? Mit exzentrischen Diven und anderen Nervensägen, Obdachlosen, ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern, die der einen oder anderen Beschäftigung und Nebenbeschäftigung nachgehen, mal tatsächlich verwickelt, mal nur scheinbar verstrickt, jedoch immer irgendwie verdächtig. Genau das ist der Reiz: Das interaktive Theater für Erwachsene ist eine echte Herausforderung. „Die Spiele dürfen keinesfalls zu leicht, aber sie müssen lösbar sein“, so die Autorin der Kriminalspiel-Drehbücher Ebert. 

Ein Freund hatte ihr vor etwa fünf Jahren von der Möglichkeit eines Krimispielwochendes für einen stolzen Preis auf einer stolzen schottischen Burg erzählt. Weil sie auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive war, machte sich Sylvia Ebert im Sommer 2003 ans Werk, die Frankfurter Innenstadt für den Bedarf eines Krimispiels zu kartografieren und Kriminalgeschichten zu konstruieren. Anfangs sei das abenteuerlich gewesen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren mit Walkie-Talkies ausgestattet, deren Funkreichweite um ein Vielfaches kürzer war als die Packungsbeilage versprochen hatte. So konnte die Spielleitung ihre Ermittlungsteams nicht wiederfinden, die zwischenzeitlich vom Spieleifer erfasst, auf eigene Faust den Fall verfolgten und tatsächlich unbeteiligte Passanten und Geschäftsinhaberinnen ins Verhör nahmen. 

Nach mehreren Hundert Citygames kann die ehemalige Vertriebsleiterin einer Telefongesellschaft nicht nur viele lustige Anekdoten über vergangene Spiele erzählen, sondern ihr Unternehmen ist stetig gewachsen. „Anfangs war es nicht möglich, einfach einen Auftrag anzunehmen, den ich durch Verteilen von Handzetteln an Land gezogen hatte. Ich musste erst meine vier, fünf Darsteller anrufen, ob die überhaupt Zeit hätten“, so Sylvia Ebert. 

Heute arbeiten rund fünfzig überwiegend professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler für Citygames. Neben dem schauspielerischen Können ist hier vor allem Kommunikationskompetenz und Freude am Umgang mit Menschen gefragt. Zwar gibt es Textvorgaben und Regieanweisungen, aber da die Ermittlungsteams ihre eigenen Theorien entwickeln und manchmal unerwartete Fragen stellen, müssen die Schauspieler in der Lage sein, spontan in ihrer Rolle zu reagieren. Manche Darstellerin kostümiert sich mit viel Liebe zum Detail, aber es gibt Rollen, da weiß man wirklich nicht: Passant oder Darsteller? Damit keine unbescholtenen Bürgerinnen und Bürger in Mitleidenschaft gezogen werden und  „ihre“ Drogendealer nicht auf einem echten Polizeirevier landen, hat Sylvia Ebert sich Parolen ausgedacht. 

Die Kriminalgeschichten schreibt sie alle selber. Inspiration brauche sie dazu eher nicht. „Ich frage mich, was für ein Verbrechen es sein soll, suche nach einem Motiv und nach einem springenden Punkt, das ist der lösungsentscheidende Hinweis. Drumherum baue ich die Geschichte und ihre Protagonisten auf.“ Die Gesamtinszenierung wird danach in der Praxis erprobt und optimiert. Schließlich kommt es auf das ideale Timing an, damit alles am Ende zu einem aufregenden Finale kommt. 

Übrigens: Die Citygames-Kriminalspiele werden laut Sylvia Ebert zu etwa 70 % von Frauen gebucht. Als Teilnehmer sind die männlichen Ermittler dann aber nicht minder begeistert dabei wie ihre Kolleginnen. Für Privatpersonen kosten die Spiele in der Regel 42-45 Euro. Die aktuell angebotenen Morde, Räubereien und sonstigen kriminellen Machenschaften sowie ihre Termine können auf der Homepage recherchiert oder telefonisch ermittelt werden.

www.citygames.info

Text: Dörthe Krohn

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