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28.12.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Ein Königreich für Lamas


© Dörthe Krohn

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© Dörthe Krohn

© Dörthe Krohn

In wetterfester Kleidung, wärmenden Schuhen, mit einem Lama in kuscheligem Winterfell am Führstrick und mit heissen Getränken in den Packtaschen ist eine Trekkingtour durch den Herbst- oder Winterwald ein besonderer Ausflug.

Ein Königreich für 99 Lamas und Alpakas liegt hinter dem Kloster Eberbach in Eltville im Rheingau. Die Kisselmühle ist seit 1995 der Lama- und Alpaka-Zuchtbetrieb der Familie Messing. Außerdem leben dort  Trampeltiere, Hühner, die grüne Eier legen (!), Burenziegen und Hunde.

„Ich mag es, wenn der Morgennebel über den Weiden liegt und sich der Rauhreif an die fransigen Ohrhaare der Alpakas gehängt hat“, schwärmt Alexandra Messing. Sie kennt alle Namen ihrer rund Hundert Tiere und ihre Eigenheiten. Der getupfte Kleine Onkel, gewöhnt an die  Begleitung von Kindern oder Erwachsenen, die in Rollstühlen unterwegs sind, steht mit offenem Mund und hängenden Ohren da. Er hat sich gerade mit einem anderen Wallach gestritten und gespuckt. Durch das Spucken wird die Rangordnung in der Herde ausgehandelt. Der Gewinner liegt breit vor der Heuraufe und wirkt sehr zufrieden. „Besucherinnen und Besucher wurden bei uns noch nicht bespruckt“, beruhigt Alexandra Messing.

1990 begann die Familie Kraft mit der Beweidung des Wiesentals durch die ursprünglich aus Südamerika stammende Gattung der Neuweltkameliden. Das friedliche Tiervolk ist ein Segen für den Landschaftsschutz. Die Schwielensohlen lassen die Grassnarbe heile, das Gras nehmen die Widerkäuer mit ihren zarten Lippen auf und sie richten sich auf ihrer Weide gemeinsame Kotplätze ein, die leicht abzuräumen sind.

Ein Mal im Jahr ab Mai werden die sehr aufmerksamen Lamas und Alpakas geschoren. „Natürlich“, so verrät die Züchterin der Kisselmühle, „schläft meine Familie in Alpaka“. Kamelhaare, dem menschlichen Haar ähnlich, haben kaum Lanolinanteile und sind deshalb auch für Allergiker geeignet. Menschen mit Pferde-, Katzen- oder anderen Tierhaarallergien können ganz entspannt eine Karavane begleiten. Bei einigen Touren, beispielsweise für Schulklassen, steht das Filzen der Edelhaare auf dem Programm. Wolle und Wollprodukte gibt es im Laden der Kisselmühle.        

Betriebsausflüge oder Familienfeiern lassen sich hervorragend verbinden mit den gastronomischen Angeboten des Klosters Eberbach. Auch der Steinbergkeller, Teil der Hessischen Staatsweingüter, liegt nur wenige Hundert Meter entfernt. Auf dem ehemaligen Außenhof des Zisterzienserklosters, der Kisselmühle, gibt es einen Feuerplatz nebst Tipi und einen urig ausgebauten Stall zum Sitzen und Glühwein oder Saftpunsch trinken. Aber auch feine Buffets wurden hier schon gecatert. Für die Arrangementwünsche ihrer Gäste ist die gelernte Hotelfachfrau Messing offen.

Ihr Fachwissen über die Tiere teilen Alexandra und Frank Messing gerne mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihrer Touren. „Die Kinder verstehen ganz genau, warum die Jungtiere bei uns nicht geschmust werden dürfen“, sagt Frau Messing. Die Fohlen werden in Jungtiergruppen, bestehend aus Fohlen mit ihren Müttern und teilweise trächtigen Stuten, sozialisiert und nach etwa einem Jahr halfterführig gemacht. Erst dann dürfen Mensch und Tier miteinander kuscheln, denn sonst klappt es mit der Rangordnung zwischen den beiden Gattungen nicht.

Nach der Zeit der sozialen Prägung werden Jungtiere verkauft. Frau Messing schaut genau hin, wem sie ihre Tiere anvertraut. Ob Privatleute oder Therapieeinrichtungen; sie legt den  Käuferinnen und Käufern die Seminare und Sachinformationstage über artgerechte Haltung nahe, die in der Kisselmühle angeboten werden. Überdies arbeitet der Zuchtbetrieb zur Erforschung der Lamas und Alpakas mit Universitäten zusammen.

In Wesen und Ausstrahlung sind die wolligen Paarhufer dem Delphin ähnlich. Die Messings bieten Kindern und Erwachsenen mit unterschiedlichen Behinderungen „tiergestützte Aktivitäten“ an: Tiere streicheln und mit Heu füttern, Spaziergänge mit Lamas. „Das sind die mit den bananenförmigen, längeren Ohren. Alpakas haben kürzere und gerade Ohren“, erklärt die Expertin.

Ob mit oder ohne Handicap, im Mittelpunkt steht die Kommunikation zwischen Mensch und Tier: das Tier kennenlernen und sich selbst in der Begegnung mit ihm. Dieser Kontakt kann sich allein über Berührungen herstellen. Ein Lama wird meist von zwei Erwachsenen oder Kindern geführt. „Das ist viel schwieriger als es alleine zu halten“, weiß Frau Messing. Darüber müssen sich alle Beteiligten, einschließlich Lama, verständigen.

Informationen und Anmeldung:

Rheingau Lamas & Alpakas
Kisselmühle
65346 Eltville
Tel.: 06723/87360
Fax: 06723/998441
www.kisselmuehle.de
rheingau@kisselmuehle.de

Text: Dörthe Krohn

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