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27.07.2010 00:00 Alter: 12 Monat(e)
Kategorien: Ideenreich

Altes Handwerk findet neue Fortbildung


Mit viel Fingerspitzengefühl ans Uhr-Werk.

© Hessische Uhrmacherschule Karl-Geitz-Schule

Feinstes Handwerk: unterschiedlich gestaltete Pendeluhren.

© Hessische Uhrmacherschule Karl-Geitz-Schule

Der Hessenpark im Taunus steht seit Jahrzehnten für ein lohnendes Ausflugsziel für die ganze Familie. Für angehende UhrmachermeisterInnen und RestauratorInnen im Uhrmacherhandwerk  ist er aber Sitz ihrer Fortbildungslehrgänge. Einmal wöchentlich ist der Hessenpark ihr lohnendes Ziel für den beruflichen Abschluss.

Seit 1974 verfolgt das Freilichtmuseum in Neu-Anspach eine Reihe von Zielen wie den Denkmalschutz, die Vermittlung typisch dörflichen Lebens, traditionelle Bautechniken und Handwerke, Kultivierung alter Sorten und Rassen sowie den Umweltschutz. Im Zuge der Vermittlung von alter Handwerkskunst verwunderte es nicht, dass 2004 das Haus aus Rörshain am Marktplatz zum neuen Sitz der Hessischen Uhrmacherschule Karl-Geitz-Schule wurde, die zu diesem Zeitpunkt schon geraume Zeit ein neues Domizil suchte. Die Schule war 1951 von dem Uhrmacher und Fachlehrer Karl Geitz gegründet und auch nach ihm benannt worden. 

Als in den 70er und 80er Jahren eine wahre Quarzuhr-Euphorie ausbrach, nahm das Interesse am Beruf des/der Uhrmacher/in jedoch rapide ab und zahlreiche Ausbildungsplätze verschwanden - UhrmacherIn zu sein war nicht mehr attraktiv. Die mangelnde Nachfrage hatte für die ausbildenden Firmen sowie die Meister- und Weiterbildungsschulen den kontinuierlichen Abbau zur Folge, den auch mehrere Verbünde im Uhrmacherhandwerk nicht abwenden konnten. Letztendlich führten die sinkenden Zahlen bei den Ausbildungsplätzen sogar dazu, dass die Landesklasse für Uhrmacher in Hessen geschlossen werden musste und die Räumlichkeiten der Meister- und Weiterbildungsschule gekündigt wurden. Die Suche nach einem neuen Domizil begann.

Karel M. Kolar, Ausbilder für Uhrmachermeister/in und Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk gelang es, neue Räumlichkeiten im Freilichtmuseum Hessenpark zu finden. Der damalige stellvertretende Leiter des Hessenparks und heutige Leiter der Hessischen Uhrmacherschule, Dr. Peter Janisch, unterstützte ihn tatkräftig. 

Lehrgänge und Seminare

Im Hessenpark können Uhrmacher nicht nur nach der praktischen und theoretischen Ausbildung ihre Meisterprüfung ablegen: Ein weiterer Schwerpunkt der Schule ist die Fortbildung in der Restaurierung alter Uhren. Dabei lernen die Uhrmacher historische Techniken und erfahren mehr über Kunst- und Kulturgeschichte sowie andere verwandte Themenbereiche. Eine Besonderheit des Weiterbildungsangebotes liegt darin, dass die Fortbildungslehrgänge an der Hessischen Uhrmacherschule, als einzige Uhrmacherschule in Deutschland, berufsbegleitend angeboten werden; d.h. die Lehrgänge finden einmal wöchentlich ganztägig statt und an den anderen Tagen können die KursteilnehmerInnen ihrem Beruf nachgehen. So ist die kontinuierliche Weiterbeschäftigung der "Meister- und RestauratorkandidatInnen" in ihren jeweiligen Betrieben gewährleistet.

Darüber hinaus bietet die Hessische Uhrmacherschule regelmäßig Fachseminare für interessierte Laien und UhrenliebhaberInnen an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden individuell betreut und haben jeweils einen komplett eingerichteten Arbeitsplatz mit allen Werkzeugen und Maschinen zur Verfügung.

Der Uhrmacherberuf

Uhrmacher/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Die Ausbildung zum Uhrmacher dauert drei Jahre und schließt mit dem Gesellenbrief ab. Vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt.

Zur Zeit kann die Ausbildung in Deutschland auf zwei Arten erfolgen:

  • Duales System: in einem Handwerks- oder Industriebetrieb mit begleitendem Berufsschulunterricht
  • Vollzeitausbildung: in einer Uhrmacherschule

Nach einer Gesellentätigkeit von drei bis fünf Jahren kann der Uhrmacher die Meisterprüfung im Uhrmacherhandwerk ablegen. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung werden von der Hessischen Uhrmacherschule im Zusammenwirken mit den Innungen und Handwerkskammern Fortbildungslehrgänge durchgeführt, deren Lerninhalte sich auf alle Teile der Meisterprüfung beziehen.

Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin

Die Meisterprüfungen des aktuellen Lehrganges werden Mitte 2010 abgelegt.
Es werden Fortbildungslehrgänge in allen vier Teilbereichen der Meisterprüfung angeboten. Der vor Ort installierte Prüfungsausschuss kann die Meisterprüfung in allen Teilen abnehmen, so dass eine auswärtige Prüfung nicht notwendig ist.
Die verschiedenen Prüfungsteile werden in der Regel im "Doppelpack" angeboten und geprüft. So können auch Interessenten, die Teil III und IV bereits abgelegt haben, an der HUS nur die Teile I und II belegen.
Eine komplette Vorbereitung auf die Meisterprüfung dauert in der Regel knapp 2 Jahre.

Der neue Fortbildungslehrgang beginnt im Herbst 2010.

Geprüfter Restaurator / Geprüfte Restauratorin im Uhrmacherhandwerk

Gemeinsam mit der Handwerkskammer Rhein/Main hat die Hessische Uhrmacherschule im Jahr 2007 eine Weiterbildungsmöglichkeit für den Uhrmacherberuf geschaffen. Ausgebildete UhrmachermeisterInnen können sich zum/r anerkannten Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk mit Abschlussprüfung qualifizieren. Die Fortbildungslehrgänge finden, wie die Meisterkurse, in den Räumen der Schule im Hessenpark statt.

Der Lehrgang umfasst Themen der Kunst- und Kulturgeschichte, Denkmalpflege und Denkmalschutz sowie berufsspezifische Themenbereiche. Es werden praktische Unterweisungen bezüglich historischer Techniken vermittelt, die insgesamt die Bedeutung der Arbeit an historischen Objekten berücksichtigen. Die Lehrgänge werden begleitet von einem Dipl. Restaurator, Historikern sowie auf diesem Gebiet spezialisierten UhrmachermeisterInnen.

Eine komplette Vorbereitung auf die Prüfung dauert in der Regel ein Jahr. Der vor Ort installierte Prüfungsausschuss kann die Prüfung in allen Teilen abnehmen, so dass eine auswärtige Abschlussprüfung nicht notwendig ist.
Am 30. Januar 2009 fand die "Freisprechung" der ersten RestauratorInnen im Uhrmacherhandwerk statt.

Ein neuer Fortbildungslehrgang für 2010 läuft bereits.

Auch interessierte Laien willkommen

Seit 1999 bietet die Schule sowohl für UhrmacherInnen als auch für UhrenfreundInnen im Rahmen der Weiterbildung einige Aufbauseminare an. 

Die liberale Einstellung unter dem Motto: "Weiterbildung für alle" wurde von Karel M. Kolar geprägt und weckte großes Interesse für den Uhrmacherberuf. Dieses moderne Konzept soll dafür sorgen, den Beruf des Uhrmachers nicht aussterben zu lassen. Die Seminare finden absichtlich mittwochs und am Wochenende statt, damit die Teilnahme den berufstätigen UhrmacherInnen erleichtert wird.

Die Uhrenseminare werden im Hessenpark, in den Fachräumen der HUS angeboten.

Für die praktischen Uhrenseminare steht für jede/n Teilnehmer/in ein modern eingerichteter Arbeitsplatz mit sämtlichen dazu erforderlichen Werkzeugen und Maschinen zur Verfügung. Damit eine intensive persönliche Betreuung gewährleistet werden kann, ist die Zahl der Teilnehmer für praktische Seminare auf 12 begrenzt.

Für einen ersten Einblick in das alte Handwerk sorgt das nächste Hessische Uhrenforum im Hessenpark am Wochenende vom 25. - 26. September 2010. 

"Tag der offenen Tür" - Uhrenforum 25. - 26. September 2010

Weitere Seminare, die 2010 stattfinden, sind hier nachzulesen:
http://hess-uhrmacherschule.de/hus/uhrenseminar.html

Text: Sonja Lehnert

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