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09.02.2013 06:13 Alter: 6 Monat(e)
Kategorien: Horizont

Mit dem Bakfiets an den Grachten vorbeidüsen


Fahrradfahren in Amsterdam ist eine Kunst, die man auf jeden Fall ausprobieren sollte. © Silvie Gerganow

Fahrradfahren in Amsterdam ist eine Kunst, die man auf jeden Fall ausprobieren sollte. © Silvie Gerganow

Ist das Fahrrad einmal abgestellt, unbedingt anschließen! © Silvie Gerganow

Ist das Fahrrad einmal abgestellt, unbedingt anschließen! © Silvie Gerganow

Wer dachte, Klippenspringen in Acapulco, Korbschlittenfahren auf Madeira oder mit dem Bob durch den Eiskanal in Calgary sausen seien aufregende Mutproben, der sollte schleunigst einmal mit einem klapprigen Holland-Rad Amsterdam erkunden. Wobei das Wort erkunden hier nicht greift, denn wer sich auf die Pflastersteinstraßen zwischen dem Hauptbahnhof, Weesperplein und Leidseplein traut, sollte sich besser dem Verkehr und nicht den Sehenswürdigkeiten widmen. Zwar gibt es viele rot asphaltierte Fahrradwege, allerdings treten junge wie alte Amsterdamer nahezu überall in die Pedalen: an den Kanälen entlang, über Brücken, entgegen der Einbahnstraße, auf Plätzen, im Park und sogar nebeneinander mitten auf den Straßen im Berufsverkehr. Und das in einer Geschwindigkeit und Art und Weise, die oft rücksichtslos und rüpelhaft erscheint. Doch gefährlich wird es meistens nur, wenn Touristinnen und Touristen „im Weg“ sind, weil sie sich an das temperamentvolle Gewusel erst noch gewöhnen müssen. Damit Sie unbeschadet über die Runden kommen, sollten Sie sich dem Tempo der Amsterdamer anpassen, nicht plötzlich stehenbleiben und immer achtsam unterwegs sein. Benutzen Sie die Klingel und denken Sie an den Rücktritt. Nur die wenigsten Räder zum Ausleihen sind mit Handbremsen ausgestattet. Sobald man shoppen, etwas besichtigen oder essen gehen möchte, sollte man das Rad unbedingt anschließen. Um die Vielfältigkeit der Zweiräder in Ruhe zu begutachten, lohnt sich ein Besuch im Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Hier stehen rund 7.000 Stellplätze bereit und von High-Tech bis Marke Eigenbau mit Kindersitzen oder Blumengirlanden als Verzierung ist alles dabei. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Schilder mit dem Wort fietsverhuur (Fahrradverleih) gibt es fast überall im Zentrum, ein Rad kostet im Schnitt zehn Euro pro Tag. Kleine Kinder sind im „Bakfiets“ (Kastenfahrrad) gut aufgehoben. 

Die Grachten lassen sich am besten mit  einer Bootstour erkunden. © Silvie GerganowDoch nicht nur das Fahrradfahren ist in Amsterdam ein Erlebnis. Vor allem der Grachtengürtel mit all seinen Sehenswürdigkeiten, Museen, schnuckeligen Geschäften, winzigen Cafés und den alten, windschiefen Patrizierhäusern ist eine wahre Pracht. Fotomotive finden sich nahezu an jeder Ecke. Besonders lohnenswert ist eine Fahrt durch die Grachten. Mit einer deutschen Übersetzung im Ohr werden den Schiffsgästen geschichtliche Ereignisse und aktuelle Trends der Stadt erklärt. Dabei kann man sich wunderbar zurücklehnen und den Anblick der vielen Hausboote und hübschen Brücken genießen. Die meisten Touren führen durch die Heren-, Keizers- und Prinsengracht mit ihren imposanten alten Herrenhäusern, die heute viele Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und Banken beherbergen.

Hausboote, Grachten, Kirchen - in Amsterdam reiht sich ein Postkartenmotiv ans nächste. © Silvie Gerganow

Die Altstadt lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden, da die meisten Attraktionen eng beieinander liegen. So schafft man es an einem Tag, die Nieuwe Kerk, den Königlichen Palast, Madame Tussauds sowie das Rotlichtviertel mit der Oude Kerk zu besichtigen, durchs China-Viertel zu schlendern und in einem Restaurant am Nieuwmarkt einen Happen einzunehmen. Den Abend ausklingen lassen kann man wunderbar bei einem Theater- oder Kinobesuch zwischen Waterlooplein und Dam. Alle Filme werden übrigens in Originalsprache mit niederländischen Untertiteln gezeigt. Deshalb sitzen auch viele Touristen Abend für Abend auf den Stühlen der Lichtspielhäuser.

Windschiefe Häuser gibt es in der Altstadt nahezu überall. © Silvie Gerganow

Kultur direkt auf einem Fleck gibt es rund um den Museumsplein: Hier locken Rijksmuseum, Van Gogh- und Stedelijk Museum Kunstfreunde aus der ganzen Welt herbei. Ein Stück westlich davon befindet sich der Vondelpark, die größte grüne Oase der Stadt, in der es sich zu jeder Jahreszeit wunderbar erholen lässt. Läuft man in Richtung Altstadt kommt man am Leidseplein vorbei, wo vor allem abends emsiges Treiben herrscht. Hier vertreiben Straßenkünstler Touristen und Passanten die Zeit, Musik tönt aus den Geschäften und Cafés, Straßenbahnen rattern vorbei und Fahrradfahrer klingeln sich eine freie Bahn durch die Menschenmassen. Hier fällt einem auch der Multi-Kulti-Charakter der Stadt besonders deutlich auf. Menschen aus über 175 Nationalitäten wohnen in Amsterdam. Das prägt das Stadtbild, die Geschäfte, das kulturelle Angebot und zugleich fördert es das tolerante Miteinander. Auch Touristen sind willkommen. So passiert es schon mal, dass man unaufgefordert Hilfe angeboten bekommt, sobald man den Stadtplan ausbreitet und nach dem nächsten Ziel sucht.

Prächtige Farben sowie leckeres Obst und Gemüse findet man auf dem Albert Cuypmarkt. © Silvie GerganowFreilufthöhepunkte der Stadt sind der Albert Cuypmarkt mit seinem riesigen Angebot an Fisch, Obst, Gemüse, Gewürzen, Blumen, Kleidung, Stoffen und Nippes sowie die vielen kleinen hofjes im Stadtteil Jordaan und in der Innenstadt (Begijnhof). Die Kleinode der Ruhe erreicht man tagsüber. Dann sind die Türen meist geöffnet und in den Innenhöfen finden sich Bänke und Beete, Grünflächen und Skulpturen. Da sich heutzutage dort überwiegend Mietwohnungen befinden, sind die Türen abends geschlossen.

Reisen Sie nach Amsterdam und lassen sich verzaubern von der Architektur der Stadt, der Offenheit der Einwohner und dem Charme der Grachten.

Übernachtungsmöglichkeiten:

Günstiges Hotelboot: „Amstel Botel“, NDSM-Pier 3 in Amsterdam, www.amstelbotel.nl

Architektonisch originelles Hotel: “DoubleTree by Hilton Hotel Amsterdam Centraal Station”, Oosterdoksstraat 4 in Amsterdam, www.doubletree.hilton.com

Luxushotel “The Grand Amsterdam”, Oudezijds Voorburgwal 197 in Amsterdam, www.sofitel.com

Highlights: Grachtenring, Rijksmuseum (www.rijksmuseum.nl), Van Gogh Museum (www.vangoghmuseum.nl), Anne Frank Huis (www.annefrank.org),  Magere Brug, Bootstour Canal Cruise (www.amsterdamcitytours.com),  Tuschinski (Lichtspielhaus von 1921)

Mitbringsel: Honigwaffeln, Tulpenzwiebeln

Anreise: Direktflüge nach Amsterdam-Schiphol gibt es mehrmals täglich von den größten deutschen Flughäfen. Mit dem Auto ist Amsterdam gut zu erreichen, allerdings nicht zu empfehlen, da es viele Staus und wenige Parkplätze in der Innenstadt gibt. Besser ist es, mit dem Zug anzureisen. Der Hauptbahnhof liegt am nördlichen Rand der Altstadt.

Text und Bilder: Silvie Gerganow

So lässt es sich auf einem Hausboot gut leben – sogar ein „kleiner Garten“ ist erlaubt. © Silvie Gerganow

Kurios: Auch Spielplätze sind auf dem Wasser angesiedelt. © Silvie Gerganow

 

 

 

 

Der Begijnhof ist ein Ort des Rückzugs fernab des Innenstadttreibens. © Silvie Gerganow


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