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20.09.2010 00:00 Alter: 2 Monat(e)
Kategorien: Fachartikel

Mentoring für Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen


Mentorinnen und Mentees - erfolgreiche Tandems.

© MentorinnenNetzwerk

Porträtfoto von Antje Heinrich.

© MentorinnenNetzwerk

Das Mentoring-Zertifikat.

© MentorinnenNetzwerk

Absolventen und Absolventinnen der Natur- und Ingenieurwissenschaften sind nicht nur auf dem Arbeitsmarkt gefragt, ihnen stehen auch eine Menge spannender Betätigungsfelder offen. Ob Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau, medizinische Forschung oder die Entwicklung erneuerbarer Energien, überall werden sie dringend gebraucht.

Frauen sind in diesen Berufen jedoch noch immer deutlich unterrepräsentiert.  Zwar steigt die Zahl der Studienanfängerinnen im technischen Bereich schneller als die der männlichen Kommilitonen – das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ingenieurinnenquote in Deutschland gerade mal bei elf Prozent liegt. Dazu kommt, dass Frauen entlang der Karriereleiter desto seltener werden, je weiter es nach oben geht – und zwar unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation. Die schwierige Aufgabe Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, spielt da sicher eine Rolle – So sind nur sieben Prozent der Ingenieurinnen der Meinung, dass sich beides gut miteinander vereinbaren lässt. Und auch fehlende weibliche Vorbilder und wenig Einbindung in meist männlich geprägte Netzwerke sind Faktoren, die Frauen den Berufseinstieg in Naturwissenschaft und Technik noch immer schwer machen. Dass es nicht so sein muss, zeigt das MentorinnenNetzwerk der hessischen Hochschulen. Hier begleiten erfolgreiche Frauen aus naturwissenschaftlichen und technischen Berufsfeldern Studentinnen und Doktorandinnen als Mentorinnen. Sie unterstützen bei der Karriereplanung, gewähren Einblicke in den Berufsalltag, geben Orientierung über mögliche Arbeitsbereiche und beraten in der Bewerbungsphase.

Im letzten Jahr nahm Antje Heinrich gemeinsam mit rund 120 anderen hessischen Studentinnen und Doktorandinnen an einem einjährigen Mentoring-Programm teil. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen und Plänen.

Frau Heinrich, Sie studieren seit vier Semestern Biotechnologie an der Hochschule in Darmstadt. Worum geht es in diesem Fach und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Biotechnologie befasst sich hauptsächlich mit der Nutzung von Zellen bzw. Enzymen für verschiedenste Zwecke. Im Studium liegt der Schwerpunkt auf den Bereichen Biologie, Chemie und Verfahrenstechnik. Ich habe mich für das Fach entschieden, weil ich schon in der Schule Biologie und Chemie mochte und es spannend finde, dass das Studium so vielseitig ist und es diese drei unterschiedlichen Schwerpunkte gibt.

Sie sind also zufrieden mit der Wahl ihres Studienfachs und –ortes?

Ja, auch wenn man schon spürt, dass seit der Umstellung vom Diplom auf einen Bachelorstudiengang das Wissen  zum Teil viel komprimierter vermittelt werden muss und die Belastung höher ist, da mehr Klausuren pro Semester geschrieben werden. Trotzdem fühle ich mich gut betreut. Wir sind ein kleiner Fachbereich und die meisten Professoren sind wirklich an unserem Vorankommen interessiert und sehr hilfsbereit. 

Von Mai 2009 bis Juni 2010 haben Sie an einem Mentoring-Programm des MentorinnenNetzwerks  für Studentinnen in Naturwissenschaft und Technik teilgenommen. Wie sind sie darauf aufmerksam geworden?

Die Frauenbeauftragte unserer Hochschule hat einen Brief mit Informationen zum Mentoring-Programm an alle Studentinnen, die für das Programm in Frage kamen, versendet. Außerdem hatte mir eine Freundin davon erzählt, die an dem vorhergehenden Mentoring-Programm teilgenommen hatte und der das viel gebracht hatte.

Was war Ihre Motivation sich zu bewerben?

Mir hat der Gedanke gefallen, mich mit jemandem, der bereits im Berufsleben steht, über alles mögliche austauschen zu können. Zum Beispiel war ich mir nicht sicher, welche Wahlpflichtfächer ich am besten wählen sollte, um am Ende des Studiums möglichst gut qualifiziert zu sein. Außerdem fand ich es spannend, schon im Studium einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen. Nachdem ich 2007 bereits ein paar Monate in Argentinien war, wollte ich gerne einen nächsten Auslandsaufenthalt planen. Auch dafür erhoffte ich mir Unterstützung.

Und wie ist das dann gelaufen? Haben Sie gleich eine Zusage und eine passende Mentorin bekommen?

Nein, erst wurde ich zu einem Aufnahmegespräch mit der Frauenbeauftragten meiner Hochschule eingeladen. Die hat mich dann befragt zu meiner Motivation und meinen Erwartungen und mich schließlich zur Teilnahme vorgeschlagen. Für das Programm gibt es nämlich jedes Jahr mehr Bewerberinnen als Plätze und deshalb können nicht alle Studentinnen teilnehmen.

Und Ihre Mentorin? Wie haben Sie die kennengelernt? Waren Sie sich gleich sympathisch? Oder war das vielleicht eher unangenehm mit einem fremden Menschen so einen Kontakt vermittelt zu bekommen?

Maike Klumpp, meine Mentorin, und ich haben uns im Juni 2009 zum ersten Mal gesehen. Sie ist Projektleiterin bei der Heraeus Noblelight GmbH in Kleinostheim und arbeitet dort an der Entwicklung von Infrarot-Strahlern. Die erste Begegnung war natürlich schon sehr aufregend, aber zum Glück haben wir uns gleich gut verstanden, so dass von Anfang an eine ehrliche und offene Zusammenarbeit möglich war.

Und wie ging es dann weiter?

Wir haben uns regelmäßig in Hanau oder Kleinostheim getroffen und haben für jedes Treffen ein konkretes Thema festgelegt. Das hat mir jedesmal viel Spaß gemacht und neue Denkanstöße gegeben. Besonders toll fand ich es, dass meine Mentorin mir immer das Gefühl gegeben hat, dass sie gerne mit mir zusammenarbeitet und sich wirklich für mich interessiert. Ich musste nie Hemmungen haben, sie etwas zu fragen oder zu bitten. Sie hat mir auch klar gemacht, wie wichtig es ist, eigene Prioritäten zu setzen, wenn man Erfolg haben und später auch mal Familie und Beruf erfolgreich miteinander kombinieren will. Ich habe sehr von ihren persönlichen Erfahrungen profitiert, weil sie meinen Blickwinkel auf manche Dinge verändert haben. Schade war nur, dass es für mich noch zu früh war, um in dem Jahr auch schon so konkrete Sachen wie Bewerbungsunterlagen und so weiter mit ihr zu besprechen. Insgesamt fühle ich mich jetzt aber besser vorbereitet auf meinen Berufseinstieg.

Und was ist aus Ihren Auslandsplänen geworden?

Das mache ich auf jeden Fall nach dem Bachelorabschluss! Darin hat meine Mentorin mich auch bestärkt. Sie hat mir klar gemacht, dass es auch lohnend sein kann, die Eile aus dem Studium herauszunehmen und dafür Erfahrungen zu machen, von denen ich mein ganzes Leben lang profitieren kann. Das war für mich eigentlich die wichtigste Erkenntnis in unserer Zusammenarbeit.

In welcher Phase Ihres Studiums stecken Sie denn jetzt? Und wie geht es weiter? Haben Sie schon konkrete Berufsvorstellungen?

Im Oktober starte ich in das fünfte Semester, das ist das letzte „theoretische“ Semester im Bachelorstudiengang, darauf folgt ein halbsemestriges Berufspraktikum und die halbsemestrige Bachelorarbeit. Ich habe noch nicht ganz entschieden in welchen Bereich ich dafür gehen möchte, freue mich aber schon auf das selbständigere Arbeiten. Im Moment plane ich nach einem Auslandspraktikum noch einen Masterstudiengang zu beginnen.

Vielen Dank, Frau Heinrich, für das Gespräch.

 

Das MentorinnenNetzwerk

Das MentorinnenNetzwerk ist mit 1.200 Mitgliedern das größte Mentoring-Netzwerk in der europäischen Hochschullandschaft. Ziel ist es, Studentinnen und Doktorandinnen der naturwissenschaftlich-technischen Fächer praxisnah auf das Berufsleben vorzubereiten, den Frauenanteil in den entsprechenden Berufsfeldern zu erhöhen und die Karrierechancen von Frauen zu verbessern.

Getragen wird das MentorinnenNetzwerk von den hessischen Universitäten und Fachhochschulen. Als Kooperationspartner beteiligen sich namhafte Wirtschaftsunternehmen wie Sanofi-Aventis, Heraeus, Deutsche Bahn, Merck, Fraport und ZDF und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, die Max-Planck-Gesellschaft und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Werden auch Sie Mentorin!

Sie sind Naturwissenschaftlerin oder Ingenieurin? Sie würden Ihre beruflichen Erfahrungen gerne an eine Studentin oder Doktorandin weitergeben und diese im Studium und beim Berufseinstieg unterstützen? Sie haben Interesse sich mit anderen Fachfrauen zu vernetzen und eigene Kompetenzen auszubauen? Dann engagieren Sie sich als Mentorin, damit zukünftig noch mehr Frauen in Naturwissenschaft und Technik ans Ziel kommen!

Anmeldung und Information unter: www.mentorinnennetzwerk.de

Interview und Text von Simone Diehl vom MentorinnenNetzwerk 

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