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08.10.2014 08:13 Alter: 3 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

Kennen Sie Meta Quarck-Hammerschlag?


Sylvia Gerlich-Raabe als Meta Quarck-Hammerschlag

Pressefoto: Sylvia Gerlich-Raabe als Meta Quarck-Hammerschlag

Sie ließ einen Augenblick auf sich warten, ehe sie auf dem roten Sofa im Erich Nitzling-Haus in Frankfurt Platz nahm. Es geht halt nicht mehr alles so schnell im Alter. Meta Quarck-Hammerschlag war vor 60 Jahren gestorben und liegt auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben. Gewann E, Grabstelle 743 wird sie am Ende ihres knapp einstündigen Lebensberichts die Zuhörerinnen und Zuhörer, unter ihnen Nachfahren der Quarcks und Hammerschlags, wissen lassen. Sie freue sich über Besuch.

Die wunderbare Frankfurter Schauspielerin Sylvia Gerlich-Raabe verkörperte die vor 150 Jahren in Frankfurt-Höchst geborene Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin Meta Quarck-Hammerschlag und ließ sie am 7. Oktober 2014 im Rahmen der Reihe „Auf dem Roten Sofa“ des Frankfurter Bunds für Volksbildung kurzweilig lebendig werden. Interviewt wurde die historische Persönlichkeit von Dieter Eckhardt von der AWO-Geschichtswerkstatt. Die wiederum bereitet eine Biografie über Meta Quarck-Hammerschlag vor.

„Ich hat 'ne gute Kindheit“ plaudert sie drauf los und kommt bei ihren Ferienerinnerungen an Heßloch auf dem Hof ihrer Großeltern ins Schwärmen. Am liebsten habe sie mit Onkel Karl Birnen verkauft, darüber hinaus in Arbeitshosen und Karohemd dort alles getan, was sie daheim nicht durfte. Bereits als Schulmädchen nahm ihr Vater sie mit ins Theater. Er liebte das Theater und während der Kutschfahrt genossen die beiden es, über die Probleme der „Bretter, die die Welt bedeuten“ zu diskutieren. Sie besuchte die Musterschule. Weil der Weg von Höchst dorthin recht weit war, verbrachte sie ihre Mittagspausen bei einem Lehrerehepaar, das „keinerlei Anregung für Geist und Fantasie“ bot. Der Austausch mit einem Pfarrer jedoch habe großen Anteil daran, wer sie wurde. Das menschliche Miteinander interessierte sie.
Auch ihre Mutter aus dem Hause Sauermann kam aus einer diskutierfreudigen Familie und so kann man wohl sagen: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder wie es Sylvia Gerlich-Raabe als Meta Quarck-Hammerschlag mit einem Schmunzeln kommentierte: „Die Gene.“

„Ich bin mit einem politischen Strubbelkopp auf die Welt gekommen.“ Geboren wurde sie drei Tage vor Weihnachten 1864 in Frankfurt-Höchst als Älteste von fünf Töchtern. Die Familie lebte später im Höchster Dalberger Haus, denn dem Vater gehörten die Deutschen Gelatine Fabriken. Mit fliegenden Zöpfen sei sie durch die Gebäude getobt. „Ich rieche noch die Kastanien, die wir auf dem Ofen geröstet haben.“   

Ihre erster Mann sei viel umgänglicher gewesen als sie, aber schon mit 25 Jahren wurde sie erstmals Witwe, da Wilhelm Hammerschlag, mit dem sie eine Tochter hatte, starb. Mit ihrem zweiten Mann (Heirat 1916), dem Sozialpolitiker Max Quarck, stritt sie sich vortrefflich, aber politisch hätten sie  am selben Strang gezogen. Sie wohnten im Frankfurter Ostend in einem herrschaftlichen Haus. Das zu dem Anwesen gehörende „Hexenhäuschen“, das 2009 offiziell als „Meta und Max Quarck-Haus“ eingeweiht wurde, war ihre Bibliothek und Arbeitsstätte. 1930 wurde  Meta Quarck-Hammerschlag geborene Heinrichs zum zweiten Mal Witwe.

Sylvia Gerlich-Raabe als Meta Quarck-Hammerschlag kramt eine Zigarre aus ihrem Beutel und fragt nach Feuer.
Die Themen, mit denen sich Meta Quarck-Hammerschlag zu ihren Lebzeiten beschäftigte, klingen manchmal so aktuell, dass es erschreckend ist. Die SPD-lerin war Initiatorin oder Mitgründerin so mancher sozialer Einrichtung: Sie engagierte sich im Frankfurter Hauspflegeverein. Dass 1913 ein Frauenseminar für soziale Berufsarbeit eröffnet wurde, von dem sich ein roter Faden bis zum heutigen Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Frankfurt ziehen lässt, gehört mit auf ihr Aktionskonto. Sie stritt für das Frauenwahlrecht, kämpfte gegen die Prostitution mittels Verzicht auf Bestrafung der Frauen und sexuelle Aufklärung, setzte sich für die Erwerbstätigkeit von Frauen ein, war Mitgründerin der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt und die erste Frau im Frankfurter Waisen- und Armenamt. Bertha Pappenheim, die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes (JFB), war ihre Stellvertreterin. Bis zum Rausschmiss durch die Nazis saß sie im Magistrat.
Ihre engste Freundin war die Kommunalpolitikerin Marie Bittorf, mit der sie nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod in einer Wohngemeinschaft in Bornheim zusammenlebte.
 
Kein Feuer. Ach, an öffentlichen Orten darf heutzutage nicht mehr geraucht werden? "Na, dann habt ihr ja die einzige verbliebene Errungenschaft der Revolution von 1848 auch noch abgeschafft."

Sylvia Gerlich-Raabe als Meta Quarck-Hammerschlag hätte unbedingt eine Tournee durch Frankfurt, insbesondere nach Höchst, verdient.

Nach Hannelore Busch und Meta Quarck-Hammerschlag kommen im November noch Helgo Müller und Heidemarie Wieczorek-Zeul ins Erzählcafé „Rotes Sofa“. Infos: www.fbfv.de

Geschichtswerkstatt des AWO-Kreisverbands Frankfurt: www.awo-frankfurt.com/die-awo/geschichtswerkstatt.html

Homepage von Sylvia Gerlich-Raabe: www.gerlichraabe.de

Text: Dörthe Krohn


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