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19.02.2016 22:20 Alter: 1 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Erzählt das Erzählen

Die Daedalus Company hat sich Roland Schimmelpfennig vorgenommen und erzählt „Die vier Himmelsrichtungen“. Am 25. Februar ist Premiere im Gallus Theater Frankfurt.


Fotos: Frank Marheineke

Roland Schimmelpfennigs Prosa in 50 Sequenzen ist wie ein buntes Mosaik, das Stück für Stück vollendet wird. Seine Erzählweise erinnert an das Kinderspiel „Ich packe meinen Koffer“: Was bereits erzählt wurde, wird von einem anderen Mitspieler oder einer anderen Mitspielerin wiederholt und eine zusätzliche Information preisgegeben. Es ist ein erzählerisches Vor und Zurück, ein Hin- und Herschauen. Er erzählt, sie erzählt, sie erzählen über sich selbst, auch über sich selbst in der dritten Person, erzählen über andere und erzählen chorisch wie bei einem Antikendrama. Es werden die persönlichen Geschichten von zwei Frauen und zwei Männern berichtet, die wie Tangenten aus Nord, Süd, Ost und West auf eine zeitlich und örtlich begrenzte Berührung zulaufen, um danach wieder auseinanderzugehen.

Unter der Regie von Regina Busch machen die Schauspieler_innen Jule Richter, Cecilia Hafiz, Dominic Betz und Axel Brauch die Erzählungen der „einfachen Leute“ zu ganz individuellen, besonderen Lebensberichten. Interaktion, Körpersprache, Kostüme, Ausstattung, Bühnenbild (Tobias Maier), Musik (Frank Marheineke) und Licht (Jan Hartmann, Thomas Wortmann) sind unerlässliche Puzzleteile; sie vollenden Schimmelpfennigs Text, der tatsächlich nur auf der Bühne seine volle Wirkung entfalten kann.

Am Himmel braut sich was zusammen. In einer regennassen Straßenkurve, bei zu hoher Geschwindigkeit, rutscht einem kräftigen Mann aus dem Norden (gespielt von Axel Brauch) die komplette Ladung vom Lastwagen: 400 Kartons voller bunter Modellierballons. Er lässt sie einfach liegen und geht weg. Ein Mann (Dominic Betz) aus dem Süden findet sie und will sich damit eine Existenz aufbauen. Beide Männer verlieben sich in dieselbe junge Frau (Cecilia Hafiz), eine Kellnerin mit Lockenkopf. Sie war aus dem Westen gekommen und brachte Wind mit. Und dann ist da noch Madame Oiseau (Jule Richter), die Freundin des Mannes aus dem Süden, der übrigens zwei Zungen hat. Sie kann vorhersagen, was passieren wird. Nur ihr eigenes Schicksal sieht sie nicht. Doch eines steht für sie, die aus dem Osten kam, fest: Es wird jemand sterben.
 
Wir alle versuchen etwas zu verkaufen. Entweder verkaufen wir Ware oder Können oder Kraft oder Zeit. Aber nicht jeder hat etwas zu verkaufen. Und was dann? (Zitat Die Frau)

Das Stück „Die vier Himmelsrichtungen“ war eine Auftragsarbeit für die Salzburger Festspiele. Im Sommer 2011 wurde es dort uraufgeführt. Roland Schimmelpfennig ist aktuell der meist gespielte Gegenwartsautor auf deutschen Bühnen.

Weitere Aufführungen: 26, 27. und 28. Februar; 06., 07., 08., 09. April 2016

Ort: Gallus Theater, Kleyerstr.15, 60326 Frankfurt, www.gallustheater.de
Karten-Tel.: 069-758060-20
Kartenpreis: 16 Euro, ermäßigt 12 Euro

Weitere Infos: www.daedaluscompany.de

(dok)


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