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15.09.2013 13:46 Alter: 6 Monat(e)
Kategorien: Kultur

Don Quijote als interaktive, interkulturelle und generationenübergreifende Theatertrilogie


© Ana Laura Cabral

© Ana Laura Cabral

Theater als Dialog im öffentlichen Raum, Teil II der Trilogie 2012 © Ana Laura Cabral

Theater als Dialog im öffentlichen Raum, Teil II der Trilogie 2012 © Ana Laura Cabral

© Ana Laura Cabral

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Im Wahn bin ich, im Wahn will ich bleiben" 2011 © Ana Laura Cabral

"Im Wahn bin ich, im Wahn will ich bleiben" 2011 © Ana Laura Cabral

Das Don Quijote-Theaterprojekt der Werkstatt für Bühne und Film e.V. zeigt vom 4. bis 6. Oktober 2013 die Performance "Nach dem Bankett" im alten Amtsgericht Wiesbaden. Es handelt sich dabei um den dritten Teil der Don Quijote-Trilogie. Alle Aufführungen stehen im inhaltlichen Kontext, sind jedoch in sich abgeschlossene Produktionen.

Der erste Teil der Trilogie kam im Herbst 2011 im Rahmen des Protests des Aktionsbündnisses "Banken in die Schranken!" zur Aufführung. Vorangegangen waren zwei Theaterworkshops, in denen sich SchauspielamateurInnen und Profis diverser Herkunft und aller Altersstufen mit dem weltbekannten Roman Don Quijote des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes  auseinandersetzten. Im Sinne einer Werkstattaufführung nahm das Ensemble schließlich an der Frankfurter Bankenumzingelung teil und spielte Don Quijote als Straßentheater. Mit Küchensieben auf dem Kopf skandierten die Schauspielerinnen und Schauspieler "Im Wahn bin ich, im Wahn will ich bleiben" und attackierten die Banken. Der Kampf für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und für ein Verbot von undurchsichtigen Finanzprodukten erscheint am Fuße der riesigen Bankentürme mitunter wie der berühmte Kampf gegen Windmühlen.

Doch "Don Quijote darf nicht scheitern! oder: Es geht auch anders …unter Berücksichtigung der Annahme, dass es so nicht weitergeht… ". So lautete der Titel von Teil II des Theaterprojekts. Die Begriffe Ehre, Besessenheit und Vision, die Fragen Realität oder Fiktion, Wahrheit oder Selbstbetrug und was denn ritterliches Verhalten ist, bleiben virulent. Unter anderem wurden ZuschauerInnen interviewt, was für sie ein lebenswertes Leben ist, wie sie sich gute Arbeit und Arbeitsbedingungen vorstellen oder in welcher Wohnform sie leben möchten. Gefragt wurde auch nach der persönlichen Bereitschaft, sich beispielsweise umwelt- und ressourcenschonend zu verhalten.

Im Herbst 2012 wurde nacheinander an drei öffentlichen Plätzen in Wiesbaden ein kleines Zirkuszelt erreichtet, zentrales Bühnenelement war ein menschengroßes Hamsterrad. Zu den Originaltexten der archetypischen Figuren, dem Ritter Don Quijote, seinem Knappen Sancho Panza, der angebeteten Dulcinea del Toboso oder dem Domherrn, kamen aktuelle Texte hinzu und Heldinnen und Helden des gegenwärtigen Alltags zu Wort, bewusst in unterschiedlichen Sprachen. Das Publikum wurde zum Einmischen und Mitreden animiert. Zur letzten Vorstellung nahe dem Wiesbadener Rathaus seien sogar Zuschauerinnen und Zuschauer mit vorbereiteten Statements gekommen und die Verlesung ihrer Texte habe schließlich genauso lange gedauert wie das eigentliche Theaterstück, erinnert sich Regisseurin Leila Haas begeistert.

Auch das aktuelle Projekt leitet Leila Haas zusammen mit Klaus Huhle, Schauspieler und Regisseur. Beide arbeiten seit über 20 Jahren zusammen und haben große soziokulturelle Produktionen zur Aufführung gebracht. Ebenfalls zum Team gehören seit langer Zeit der Musiker Ako Karim und für diese Aufführung Tänzer des Wiesbadener HipHop Ensembles "Black & White".

Wie hätte ich das Leben denn wirklich gerne? Was bin ich bereit zu ändern? Was werde ich in Zukunft nicht mehr tun? Diese Fragen inspirierten das Publikum. Ihre vielfältigen Antworten, die andauernde Beschäftigung mit dem Originalwerk Don Quijote sowie die ständige Weiterentwicklung der Spielcharaktere des Theater-Projekts bilden die Basis für Teil III mit dem Titel "Nach dem Bankett". "Die Fahrt im Hamsterrad ist beendet. Heuschrecken haben das Bankett vernichtet. Die Poesie lebt.", heißt es im Veranstaltungsflyer. Der vorerst letzte Teil der Trilogie wird eine Performance in den Räumen des alten Amtsgerichts in Wiesbaden, in Haftzellen, Gängen und Gerichtssälen sein. Die Mitwirkenden wollen den politischen und persönlichen Wagemut vorantreiben. Es werden Streitgespräche geführt, Liebesgeschichten erzählt und Wut herausgebrüllt. "Die Zukunft ist offen. Handeln wir also so, als ob noch alles möglich wäre.", zitiert die Gruppe den alternativen Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr.

Aufführungstage und -zeiten: Freitag, den 4. Oktober um 21 Uhr, Samstag, den 5. Oktober um 18 und 21 Uhr, Sonntag, den 6. Oktober um 18 Uhr

Ort: Altes Gerichtsgebäude, Albrechtstraße 28 in Wiesbaden

Karten zu 10 Euro an der Abendkasse

Homepage der Werkstatt für Bühne und Film e.V.: www.wfbuf-wiesbaden.de

Text: Dörthe Krohn

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