...  Home
30.10.2017 09:06 Alter: 47 Tag(e)
Kategorien: Home

70 Jahre Hessenchemie

Der Arbeitgeberverband HessenChemie wurde 70 Jahre alt. In diesen vielen Jahren ist viel passiert. Es gab jede Menge Veränderungen und unsere Welt wurde zunehmend vernetzter - das Thema Digitalisierung immer bedeutsamer.


Prof. Dr. Jan Leimeister, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik der Universitäten St. Gallen und Kassel

Volker Weber, Geschäftsführer Personal und Organisation Sanogi-Aventis Deutschland GmbH (l.), und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie (r.)

Autor und Slam Poet Bleu Broode

Der Einsatz von „smarten“ Endgeräten und „intelligenten“ Maschinen hat auch Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt. Die neuen Anforderungen an Unternehmen und Beschäftigte bestimmen immer häufiger unseren Alltag. So hat die Digitalisierung auch die HessenChemie erreicht. Bei den Wiesbadener Gesprächen 2017 im Kurhaus Wiesbaden diskutierten Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! über die Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“.

Am 24.10. hatte der Arbeitgeberverband HessenChemie zu den 12. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik unter dem Titel „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt!" eingeladen. Zentrales Thema der diesjährigen Wiesbadener Gespräche war der digitale Wandel und dessen Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Nach mehreren spannenden Vorträgen, diskutierten vor den rund 200 Gästen Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Unternehmen im Kurhaus der Landeshauptstadt über das hochinteressante Thema. Anschließend wurde das 70-jährige Jubiläum des Verbands gefeiert.

Prof. Dr. Heinz-Walter Große, der Vorstandsvorsitzende der HessenChemie erklärte in seinem Vortrag, dass Digitalisierung keineswegs ein kurzfristiger Trend sei, sondern ein Prozess kontinuierlicher Weiterentwicklung in allen Unternehmensbereichen. Digitale Innovationen und neue Geschäftsmodelle könnten dabei den Standort und die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dr. Große betonte: „Der technologische Fortschritt bietet auch neue Chancen für gute Arbeitsplätze. Hier müssen wir gemeinsam mit dem Sozialpartner immer wieder passende Lösungen finden und die richtigen Rahmenbedingungen setzen," so der Vorstandsvorsitzende. Große schloss seine Rede mit Worten von Aristoteles: „Wir können nicht den Wind ändern aber wir können die Segel in die richtige Richtung ausrichten."

Anschließend sprach Prof. Dr. Jan Leimeister, der Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik der Universitäten St. Gallen und Kassel. Er berichtete über aktuelle Trends und Tatsachen zum Thema „Digitale Transformation, digitale Arbeit und die Herausforderungen für Management und Belegschaft." Leimeister betonte, dass neue Arbeitsmethoden wie etwa Crowdsourcing heute fast zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Mit Schlagworten wie Automatisierung, smarten Produkten und User Experience müssten sich Unternehmen heute auf jeden fall auseinandersetzen.

Branchenstudie zur Digitalisierung in der chemischen Industrie

Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer IW Köln, stellte die Ergebnisse einer aktuellen Branchenstudie zur Digitalisierung in der chemischen Industrie vor. Für die Studie beauftragte der Arbeitgeberverband HessenChemie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) mit einer Befragung seiner Mitgliedsunternehmen. Die Studie zeigt, dass das Thema inzwischen auch bei den Mitgliedsunternehmen an Bedeutung gewonnen hat. Bereits 88 Prozent der befragten Unternehmen befassen sich mit Digitalisierungsthemen, über ein Drittel sogar intensiv. Ungefähr 90 Prozent der befragten Unternehmen finden das Thema sehr wichtig - vor allem in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Typische Merkmale eines digitalisierten Unternehmens sind für 92 Prozent der Befragten eine schnelle, flexible und zuverlässige Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen für ihre Kunden. Fast ebenso wichtig ist gute Vernetzung mit Lieferanten und Kunden und für rund 70 Prozent auch individualisierte Produkte. Als „typische" Digitalisierungstreiber gelten die Bereiche Personal und Logistik. In diesen Bereichen können durch die Digitalisierung viele Arbeitsprozesse erleichtert werden. Zum Beispiel durch eine effiziente Vernetzung der Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette, eine digitale Echtzeit-Kommunikation mit den Kunden und der daraus resultierenden Just-in-time Zulieferung.

Führungskräfte und Arbeitnehmer nehmen im Digitalisierungsprozess eine wichtige Rolle ein. Ihre Kompetenzen haben sich allerdings stark verändert. Trotz des digitalen Fortschritts, benötigt die chemisch-pharmazeutische Industrie auch in Hessen zukünftig qualifizierte Fachkräfte. Hierbei werden sich vermutlich die Kompetenzanforderungen noch weiter verändern. Die Ausgangslage für die Branche sei allerdings gut, erklärte Dr. Klös, denn die befragten Unternehmen verfügen über hoch qualifiziertes Personal. „Das Engagement der befragten hessischen Unternehmen bei Personalentwicklungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist bereits heute größer als in der Gesamtwirtschaft", so Klös.

Führungskräfte als Motivatoren und Coaches für Mitarbeiter

Hauptgeschäftsführer der HessenChemie, Dirk Meyer, erklärte in seinem Vortrag, die befragten Unternehmen erwarteten sich vor allem eine Flexibilisierung der Arbeitsprozesse. Um diese zu erreichen, müsste man aber die gesamte Belegschaft miteinbeziehen. Da die Arbeit zunehmend immer unabhängiger von Ort und Zeit organisiert werden kann, bestehe auf allen Seiten eine große Veränderungsbereitschaft. Führungskräfte müssten zu Motivatoren und Coaches für ihre Mitarbeiter werden. Zwei Drittel der befragten Mitgliedsunternehmen empfinden laut Studie die Führungskräfte als Impulsgeber für neue Ideen. Hierbei solle man auch bedenken, dass der Digitalisierungsprozess mit immer älteren Belegschaften organisiert werden müsse. Etwa die Hälfte der befragten Mitgliedsunternehmen setze dabei erfolgreich auf das Potenzial altersgemischter Teams. „Das hohe Qualifikationsniveau der innovationsgetriebenen Chemieindustrie ist eine gute Voraussetzung für die Digitalisierung der Unternehmen. Routinetätigkeiten würden allerdings unter Veränderungsdruck geraten," betonte Meyer. Um es effektiv weiterentwickeln zu können, werde das Berufsbild in der Chemiebranche deshalb aktuell untersucht.

Nach einer Kaffeepause fand im zweiten Teil der Veranstaltung eine Podiumsdiskussion statt. An der Diskussion nahmen teil Dr. Bettina Wolf, Geschäftsführerin operativ der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Emmanuel Siregar, Geschäftsführer Personal und Organisation Sanogi-Aventis Deutschland GmbH, Volker Weber, Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie, Dirk Meyer und Matthias Schirrmacher, Program Lead Industry 4.0 / Digitalization-Merck Darmstadt goes digital.

Die abschließenden Worte sprach Prof. Dr. Friedrich Huber Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Thema „Schöne neue Welt" - Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung.

Abgerundet wurde das Veranstaltungsprogramm mit gleichermaßen originellen wie beeindruckenden Darbietungen des Autors und Slam Poeten Bleu Broode.
Anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens lud die HessenChemie im Anschluss an die Wiesbadener Gespräche ihre Gäste zu einem Empfang in den Wintergarten des Kurhauses ein.

Text und Fotos: Dr. Lydia Polwin-Plass

Mehr von der Autorin unter metalogy.de


Anzeigen

Wenn Ihnen die reinMein gefällt, bitte weitererzählen... 

reinMein-Twitter

reinMein-Facebook