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21.02.2013 16:47 Alter: 6 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

150 Jahre Arbeiterbewegung


Zum 150. Jahrestag der deutschen Arbeiterbewegung öffnet das Mannheimer Technoseum seine Türen für die Ausstellung „Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“. © Sonja Lehnert

Zum 150. Jahrestag der deutschen Arbeiterbewegung öffnet das Mannheimer Technoseum seine Türen für die Ausstellung „Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“. © Sonja Lehnert

Direktor des Technoseums Prof. Dr. Hartwig Lüdtke, Projektleiter der Sonderausstellung Dr. Horst Steffens und Agenturleiter Matthias Hühnlein verwirklichten als Hauptverantwortliche die Idee zur Ausstellung (v.l.n.r.). © Sonja Lehnert

Direktor des Technoseums Prof. Dr. Hartwig Lüdtke, Projektleiter der Sonderausstellung Dr. Horst Steffens und Agenturleiter Matthias Hühnlein verwirklichten als Hauptverantwortliche die Idee zur Ausstellung (v.l.n.r.). © Sonja Lehnert

Neben August Bebels Wanderbüchlein findet man auch einen von ihm gedrechselten Türgriff in der Ausstellung. © Sonja Lehnert

Neben August Bebels Wanderbüchlein findet man auch einen von ihm gedrechselten Türgriff in der Ausstellung. © Sonja Lehnert

Bewegter Arbeiter, engagierte Beschäftigte, sind sie noch Bestandteil des Arbeitsalltags? Und stellen sie die Fortsetzung dessen dar, was Ferdinand Lassalle am 23. Mai 1863 gemeinsam mit zehn Delegierten aus verschiedenen deutschen Städten in Leipzig gründete?  

Zum 150. Jahrestag dieses Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), der als erste politische Partei der deutschen Arbeiterbewegung im Mai 1863 seine Geburtsstunde erlebte, widmet das Mannheimer Technoseum dem Thema eine umfassende Ausstellung, die bis zum 25. August 2013 geöffnet ist.

Der Titel der Ausstellung „Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“ ist Programm. Die Besucherin und der Besucher tauchen beim Betreten der Ausstellung in einen dunklen warmen Raum,  in dem es wohltuend nach Holz riecht. In der weiteren Gestaltung kommen Baugerüste und Zahnräder zum Einsatz, bis hin zu den gegenwärtigen Erfahrungen vieler Arbeiterinnen und Arbeiter inmitten von Globalisierung und Digitalisierung.

Der Weg führt vorbei an Stationen, die die vorindustrielle Welt des Handwerks ebenso dokumentieren wie August Bebels Wanderbüchlein und die Hungerunruhen von1816/17 und 1846/47, die Bildungsbewegung und emanzipative Tendenzen während der Zeit der russischen Oktoberrevolution sowie das Aufziehen des Maschinenzeitalters. 

Der Weg führt durch einen Steinkohlestollen, entlang der Phase der Hochindustrialisierung, erinnert an den Aufstieg der Arbeiterbewegung im Kaiserreich und an die Zerreißprobe während des Ersten Weltkriegs – man trifft auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, stellt fest, dass neben den Parteien auch die Gewerkschaften sowie Kultur und Sport wichtige Säulen der Gesellschaft waren und erlebt die wohl ereignisreichste Zeit der Arbeiterbewegung, die in der Weimarer Republik ihren Höhepunkt hatte. 

Das Ausstellungslicht wird heller, doch die Geschichte dunkel. Nach den Reichstagswahlen im März 1933 kam es zu Übergriffen auf Arbeiterkulturvereine und Gewerkschaften, der 1. Mai hieß nun „Tag der nationalen Arbeit“ und am 2. Mai wurden Gewerkschaftshäuser besetzt und die freien Gewerkschaften verboten.

Soziale Bewegungen finden seit den 1970er Jahren vielfältige Kanäle. Foto: HDG BonnNach Kriegsende verlief der Wiederaufbau der Arbeiterbewegung mit ungleichen Vorzeichen – noch erzählt die Ausstellung in einem Raum vom Aufbau in der sowjetischen und in der Westzone, er verlief allerdings schon in einem gespaltenen Deutschland. Die Ausstellung realisiert das im Folgenden in zwei parallel verlaufenden Präsentationen mit Exponaten aus BRD und DDR, um sich dann wieder der jüngsten Geschichte und der Gegenwart „vereint“ zu widmen. Dass die Arbeiterbewegung vor allem seit den 1980er Jahren Teil neuer sozialer Bewegungen wurde, zeigt unter anderem eine mit Aufklebern beklebte Tür eines Jugendzimmers: amnesty international, Friedenstaube und Atomkraft-Nein-Danke visualisieren die thematische Vielfalt. Trotzdem bleiben die Themen der Arbeiterbewegung bestehen. Proteste thematisieren zunehmend Arbeitslosigkeit, „Hand“-Arbeit verlagert sich nach Lateinamerika und Asien, wo ebenfalls mehr und mehr mit Streiks auf miserable Arbeitsbedingungen hingewiesen wird. 

Museum zum Anfassen

China: Arbeit wird ausgelagert, Bedingungen nicht verbessert. Foto: Sonja LehnertEin Kennzeichen des Mannheimer Technoseums ist unter anderen die Interaktivität, die auch in der aktuellen Ausstellung praktiziert wird. An einer Handpresse aus dem 19. Jahrhundert können unter Anleitung Flugblätter gedruckt werden oder man testet die Leistungsfähigkeit anhand von Versuchen aus der Psychotechnik, die schon in der Zwischenkriegszeit im Rahmen von Eignungs- und Einstellungstests angewendet wurden. Kostenlos liegt ein Kartenspiel rund um die Geschichte der Arbeiterbewegung aus, das mit nach Hause genommen werden kann.

Lateinamerika: Arbeit wird ausgelagert, Bedingungen nicht verbessert. Foto: Sonja Lehnert

 

Ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie zwei Begleitausstellungen runden das Thema ab. Namhafte Referenten wie der Journalist Günter Wallraff oder der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel lesen und sprechen über die „schöne neue Arbeitswelt“ und ihre Bewegung, Musik und Theater sind zu hören und zu sehen, bis am 25. August die Finissage der Ausstellung ein ehrenwertes Ende beschert, bevor sie dann auf Reisen geht. Mehr zum Programm unter: www.technoseum.de/ausstellungen/durch-nacht-zum-licht/veranstaltungen/

Wie wird es 2063 aussehen? – Dieser Frage stellen sich die Besucherinnen und Besucher am Ende der Ausstellung. Foto: Sonja Lehnert

Die Öffnungszeiten des Technoseums, Museumsstraße 1, 68165 Mannheim,  sind täglich von 9 bis 17 Uhr. Informationen gibt es unter:  www.technoseum.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wird es 2063 aussehen? – Dieser Frage stellen sich die Besucherinnen und Besucher am Ende der Ausstellung.

Text: Sonja Lehnert

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