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09.10.2011 00:00 Alter: 8 Monat(e)
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Ein Ort zum Abschied nehmen - Sternengärten


Mainzer Sternengarten: Das Unfassbare ausdrücken. Inschrift: "Die schönsten Blumen blühen im Verborgenen"

Mainzer Sternengarten: Das Unfassbare ausdrücken. Inschrift: "Die schönsten Blumen blühen im Verborgenen". © Dörthe Krohn

Im Häuschen versammeln sich, regengeschützt, die Kuscheltiere.

Im Häuschen versammeln sich, regengeschützt, die Kuscheltiere. © Dörthe Krohn

Über dem Sternengarten thront die Ruhestätte der Familie Krug. "Hier ruht in Gott unser einziges innigst geliebtes Kind Antonie" steht unter dem Engel. Antonie hat von 1894 bis 1899 gelebt.

Über dem Sternengarten thront die Ruhestätte der Familie Krug. "Hier ruht in Gott unser einziges innigst geliebtes Kind Antonie" steht unter dem Engel. Antonie hat von 1894 bis 1899 gelebt. © Dörthe Krohn

Der neue Sternengarten auf dem Mainzer Friedhof befindet sich noch im Bau.

Der neue Sternengarten auf dem Mainzer Friedhof befindet sich noch im Bau. © Dörthe Krohn

Die Kinder haben das Licht dieser Welt nicht erblickt: tot geborene Kinder, (Spät)Abtreibungen oder Fehlgeburten. Vor allem für ihre Mütter ist das meist ein großer Schmerz, physisch und psychisch. Eltern, die ein behindertes Kind erwarten, legen Ärztinnen und Ärzte nach wie vor häufig nahe, ihr Kind nicht zu bekommen. Ein Kind mit Handicap trotzdem zu gebären bedeutet nicht selten, sich über ärztlichen Rat hinwegzusetzen. Eine gute Anlaufstelle, sich Beratung und Unterstützung zu holen, sind Selbsthilfegruppen.

Eine Schwangerschaft fortzusetzen, wenn beispielsweise eine Trisomie 18 diagnostiziert ist und dem Kind nur wenige Tage Leben vorausgesagt werden, kann für Frauen, Paare und Familien eine gute Entscheidung sein. Sie können ihr Kind willkommen heißen, sehen und begreifen, dass das Leben dieses Kindes anders sein wird, die kurze gemeinsame Zeit wahrnehmen, auch genießen und sich in Ruhe verabschieden. Idealerweise wird eine betroffene Familie dabei psychosozial begleitet. Diese leistet beispielsweise das Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden.  

Wenn es zu einem Fetozid, also der beabsichtigten Tötung des Kindes im Mutterleib kommt, muss die Frau das Kind dennoch gebären, ist der Trauerprozess längst im Gange und mit der Abtreibung nicht abgeschlossen. Ein Trost kann sein, das Kind beerdigen zu können und einen Ort des Gedenkens und Trauerns zu haben.  

Um ein Kind, das schon im Mutterleib gestorben ist und aus verschiedenen Gründen nicht leben konnte oder sollte beerdigen zu können, wurden in den letzten Jahren Sternengärten auf Friedhöfen angelegt. 

Ein Sternengarten ist eine Grabanlage für nicht bestattungspflichtige Kinder. Grundsätzlich unterliegt das Bestattungsrecht der Ländergesetzgebung. Doch insgesamt gilt, dass für Fehlgeburten, d.h. totgeborene Kinder unter 500 Gramm Körpergewicht oder mindestens 35 Zentimeter Größe, keine Bestattungspflicht besteht. Da aufgrund der medizintechnischen Möglichkeiten jedoch Kinder unter 500 Gramm heute durchaus eine gute Überlebenschance haben, aber auch Kinder mit 450 Gramm sterben, die außerhalb des Mutterleibs kurze Zeit gelebt haben und die deshalb bestattet werden müssen, geht man heute grundsätzlich von einem Bestattungsanspruch der Eltern aus. Gleichzeitig wissen viele trauernde Eltern oft gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben und dass es für nicht individuelle, aber nicht minder feierliche Bestattungen, die Sternengärten auf vielen Friedhöfen gibt.

Auf dem Mainzer Hauptfriedhof gibt es seit 2004 einen Sternengarten auf dem Gräberfeld 45. Ein zweiter befindet sich auf Feld 67 im Bau. Liebevoll gestalten hier Eltern und Geschwisterkinder das Gemeinschaftsgrab. Zwei Mal im Jahr, jeweils am ersten Donnerstag im Mai und November, finden die Beisetzungen statt. Für die Gestaltung der Trauerfeier stehen die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Mainzer Universitätsklinik zur Verfügung. "Ich hab dich bei deinem Namen gerufen", steht auf einem Stein. Auch das totgeborene Baby ist Teil der Familie und einer persönlichen Geschichte. "Liebe Grüße und Küsse in den Himmel" und "Egal, wo du jetzt bist, wir sind immer bei dir!" Sandförmchen, Windräder, bunt bemalte Steine, Autos, individuelle Bepflanzungen, Säulen mit Namens-Sternen und Sitzgelegenheiten machen aus dem Gräberfeld einen lebendigen Ort des Gedenkens und Abschiednehmens.    

Auch auf anderen Friedhöfen gibt es solche Grabanlagen, beispielsweise in Marburg, Gießen, Wetzlar, Fulda, Alzey, Idar-Oberstein, Koblenz, Neuwied, Frankfurt, Bad Homburg, Rödermark, Hanau, Seligenstadt, Gelnhausen, Darmstadt, Dieburg, Wiesbaden, Hadamar, Bad Soden, Ludwigshafen, Worms, Mannheim, Heidelberg. Die gesamte Liste ist zu finden unter: www.initiative-regenbogen.de. Hier gibt es auch Kontakte zu regionale Gruppen und Angebote für Gesprächskreise trauernder Eltern oder sogenannter Risikoschwangerer.

Text: Dörthe Krohn

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