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11.10.2010 07:40 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Heilquelle

Bad Kreuznach: Wandeln am Gradierwerk


Der Radonstollen liegt am Eingang zum Salinental, direkt am Kurviertel.

© Sonja Lehnert

Die Saison der Gradierwerke ist für dieses Jahr bald zu Ende.

© Sonja Lehnert

Der Solezerstäuber ist eine Wohltat für die Atemwege.

© Sonja Lehnert

So sieht es im Stollen aus - bequem liegen und durchatmen.

© Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH

Einst zur Salzgewinnung errichtet, sind die Gradierwerke heute Wohlbefinden stiftende Einrichtungen, frei zugänglich und kostenfrei für jeden Mann und jede Frau. Bad Kreuznach bietet eine Gesamtlänge von 1.100 Metern Gradierwerke: das Salinental rundherum zum Wandeln und Radeln, einen Radonstollen zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und neben all seinen auf Kurmittel ausgerichteten Angeboten eine Vielzahl an Kultur und Natur.

Zum Nulltarif etwas für die Gesundheit tun zu können – das hat etwas. Und wer dann auch noch ständig Probleme mit dem Luft holen hat, vielleicht sogar Asthma oder Pollenallergien mit sich herum schleppt, freut sich über diese Monumente aus alter Zeit – die Gradierwerke. Feinste Tröpfchen liegen und fliegen rund um die meterhohen Gestrüppwände, um die herum gut zu laufen, aber auch zu radeln oder bei warmem Sonnenschein mit dem Buch in der Hand oder dem iPod im Ohr zu sitzen ist.

Anlagen zur Salzgewinnung

Ein Blick in die Erklärungen von Wikipedia zum Gradierwerk besagt folgendes:

Ein Gradierwerk ist eine Anlage zur Salzgewinnung. Sie besteht aus einem Holzgerüst, das mit Reisigbündeln (vorwiegend Schwarzdorn) verfüllt ist. Das Verb „Gradieren“ bedeutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Im Falle eines Gradierwerks wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, indem Sole durch das Reisig hindurchgeleitet wird, wobei auf natürliche Weise Wasser verdunstet. Viele Gradierwerke sind Teil eines Salzwerks, das aus einem Gradierwerk und einer Saline besteht. Häufig werden Gradierwerke fälschlicherweise als „Salinen“ bezeichnet.

Warum aber Schwarzdorn, also Schlehenzweige? Diese Bündel, über die später die Sole fließt, sind das Geheimnis eines Gradierwerkes. Das Wasser bleibt an den Dornen hängen und tropft nur langsam ab. Die feine Verästelung des Schwarzdorns bewirkt einen optimalen Verdunstungsprozess. Außerdem verliert dieser selbst unter der Einwirkung der Sole seine Rinde nicht. Die so entstehende salzhaltige Luft ist gesund, ähnlich wie die am Nord- oder Ostseestrand.

Die ersten Gradierwerke dienten keineswegs der Gesundheit. Als Teil der Salzproduktionsstätten übernahmen sie die Aufgabe der Salzwiesen, die es im Mittelmeerraum gibt. Auf diesen Flächen verdunstet das Meerwasser, bis die Salzkonzentration so groß ist, dass die Zeit für die Salzsiedung auf ein Minimum reduziert wird. In vielen Gebieten, wo es zwar Quellsole, aber nicht genügend Verdunstungsflächen oder höherprozentige Sole gibt, wurden deshalb die hohen Holzwände errichtet. Die Gradierwerke sind in Holzständerbauweise aus Fichtenholz aufgebaut und mit Schwarzdorn ausgefüllt. Die bizarren Versteinerungen an den Wänden bestehen keineswegs aus Salz, sondern sind eine Ablagerung aus Eisen, Gips und Kalk. Diese Partikel hat die Sole neben Mineralstoffen und Kohlensäure von ihrem Weg aus vielen hundert Meter Tiefe mitgebracht. Das Abrieseln der Quellsole ist damit auch gleichzeitig ein Reinigungsprozess. Es dauert ca. 30 bis 40 Jahre bis die Wände so dicht werden, dass sie durch frischen Schwarzdorn ersetzt werden müssen. Die Bad Kreuznacher Sole ist arm an Gips, so dass diese Verunreinigung kaum auftritt. Ihr Salzgehalt beträgt 1,5 – 2 %.

Auf dem Weg ins Salinental trifft man auf den Solezerstäuber, der von Ostern bis November aktiv ist. Die Sole ist das wichtigste ortsgebundene Heilmittel Bad Kreuznachs. Sie wird seit 1817 erfolgreich zur Behandlung verschiedener Krankheitsbilder angewandt. Für befreites Durchatmen und eine wohltuende Wirkung auf die Bronchien sorgt das Freiluft-Inhalatorium im Kurpark: 

der Solezerstäuber – flankiert von zwei vier Meter hohen Gradierwerken, die mit bequemen Sitzgelegenheiten rund um diesen Mittelpunkt eine Ort der Ruhe und Erholung bieten.

Gegen Rheuma, Gelenkbeschwerden und Asthma – der Radonstollen

Ein stillgelegter Quecksilberstollen hat sich als einzigartig wirksame Schmerztherapie bei rheumatischen Erkrankungen und bei Asthma herausgestellt. Der Bad Kreuznacher Apotheker Dr. Karl Aschoff stellte 1904 die radioaktive Strahlung von Radon fest, einem natürlichen Edelgas, das geruch- und farblos ist. Quelle dieses Gases ist das in der Erdrinde überall vorkommende Radium, ein Metall, das wiederum durch den Zerfall von Uran entsteht. Die physikalische Halbwertzeit von Radon beträgt 3,8 Tage, die biologische nur 20 bis 30 Minuten. Das heißt, dass die Hälfte des Radons nach dieser Zeit vom Körper ausgeschieden ist. Radon gelangt mit dem Blut in alle Teile des Organismus und gibt dabei laufend eine Alphastrahlung ab, d.h. es zerfällt unter Aussendung von positiv geladenen Heliumkernen. In den Zellen bewirkt diese Strahlung biochemische Vorgänge, die Reize in Gang setzen. Der Organismus beantwortet diesen Reiz mit hormonellen und Nerven-Reaktionen, die therapeutisch genutzt werden. Im Bad Kreuznacher Rudolf-Stollen ist das Radium im Porphyrgestein des Felsmassivs enthalten. 

Drinnen spürt man nichts davon. In angenehmer, fast staubfreier, trockenwarmer Luft inhalieren die Patientinnen und Patienten in zehn Sitzungen jeweils eine Stunde lang. Die Temperatur belastet den Kreislauf nicht, wie es zum Teil in anderen Stollen möglich ist, die an Saunatemperaturen heranreichen. Eine Langzeituntersuchung hat insbesondere bei PatientInnen mit Morbus Bechterew Erfolge bei der Schmerztherapie nachgewiesen. Nach der Therapie können viele Betroffene für längere Zeit auf Schmerzmittel mit schädlichen Nebenwirkungen verzichten.

Radeln, Puppentheater und Mosaike

Nahe-Radweg

Nicht immer kommen die Gäste Bad Kreuznachs wegen der gesundheitsfördernden Maßnahmen hierher. Und wenn doch, gibt es so viel Abwechslung in der Freizeit, dass ein Kuraufenthalt nicht ausreicht, alle Angebote auch wahrzunehmen. Wohl dem und der, die keine lange Anreise haben und die vielfältigen Möglichkeiten immer wieder nutzen können.

Da ist zum Beispiel der 128 Kilometer lange Nahe-Radweg mit seinen 500 Kilometer langen Nebenrouten. Die Touren führen durch herrlichste Weinberge, das wildromantische Nahetal, das mit seinen roten Felsen jede/n Naturliebhaber/in entzückt, entlang historischer Ortschaften und an mächtigen Ritterburgen vorbei. Die Radstrecken sind sehr gut ausgebaut und verfügen über Bett & Bike-Möglichkeiten.

PuK

Seit April 2005 bereichert das Museum für PuppentheaterKultur, kurz PuK, mit der Landessammlung Rother das Ensemble der Museen im Rittergut Bangert in Bad Kreuznach. Die Kunst des Puppentheaters bietet großen wie kleinen BesucherInnen ein Erlebnis ganz besonderer Art. Die Begegnungen mit Berühmtheiten wie Käpt’n Blaubär und Hein Blöd bleiben Großen wie Kleinen lange im Gedächtnis. Der „Hohnsteiner Kasper“, „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“, handfest geschnitzte Holzköpfe, filigrane Schattenfiguren oder gar höllische Furien, die auf 850 Quadratmeter Ausstellungsfläche in ihre faszinierende Welt entführen, gesellen sich dazu. PuppentheaterKultur aus aller Welt und die Bandbreite der Figurenkunst des 20. Jahrhunderts in Deutschland werden in der aufwändig gestalteten Dauerausstellung präsentiert. Dabei erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie sich das Puppentheater von der volkstümlichen Unterhaltung zu einer eigenständigen Theatergattung entwickelt hat. Verschiedene Probierstationen, ausgewählte Objekte zum Anfassen und museumspädagogische Aktionen zeichnen das PuK als kinderfreundliches Museum aus. 

Die vorstellungsfreien Tage werden genutzt, um allen Interessierten, ob jung oder alt, die Möglichkeit zu geben, selber aktiv zu werden: Der Theatersaal wird zum „Spielsalon“. Den Besucherinnen und Besuchern steht dann nämlich die Bühne für Handpuppen, Tischfiguren oder Marionetten zur Verfügung,  die Geräuschstation kann ebenso ausprobiert werden wie das Masken- oder Papiertheater oder das Schattenspiel. Professionelle Puppenspielerinnen und -spieler zeigen ihre Kunst im Theatersaal mit 99 Plätzen. Regelmäßig jeden 1. Sonntag im Monat ist Theatersonntag für die ganze Familie. Jeden 4. Sonntag im Monat findet eine Matinée des Fördervereins statt. In der Demonstrationswerkstatt können sich alle, die am Puppenspiel Lust bekommen haben, in die kunstvollen Techniken des Puppenbaus einweisen lassen. Das Haus ist behindertengerecht ausgestattet.

Zweimal im  Jahr finden Sonderausstellungen mit einem umfangreichen Begleitprogramm statt. Noch bis 30. Januar 2011 läuft die Sonderausstellung „BROSS 100 - Einhundert Figuren aus Meisterhand“. Zum einhundertsten Geburtstag des Figurengestalters Fritz Herbert Bross (1910-1976).

Im November steht wieder das große PuppentheaterKultur-Festival mit vielfältigen Theaterveranstaltungen für alle Altersgruppen bevor. Die Eröffnung ist am 6. November mit „Romeo und Julia“ für Erwachsene, einen Tag später kommt die „kleine Hexe“ für Kinder auf die Bühne.  Das komplette Programm des PuK bis in den Januar ist zu finden unter www.stadt-bad-kreuznach.de/index_kultur-freizeit.htm.

Römerhalle 

Und noch mehr Außergewöhnliches hat Bad Kreuznach zu bieten: die Römerhalle. Sie zeigt die Funde aus dem römischen Kreuznach und seiner Umgebung. Besonders beeindruckend sind zwei Mosaikböden aus der unmittelbar an die Römerhalle angrenzenden römischen Peristylvilla des 3. Jahrhunderts n. Chr. Von dem einstmals prächtigen Herrenhaus mit über 5.000 Quadratmeter überbauter Fläche und mehr als fünfzig Räumen allein im Erdgeschoss sind heute leider nur noch Reste der Grundmauern erhalten. Stuckreste, Marmorreliefs und Wandmalereien vermitteln einen Eindruck der einst prachtvollen Innenausstattung. Das Bildprogramm des Gladiatorenmosaiks, dessen Fußbodenheizung erhalten ist, stellt  Szenen von Tier- und Gladiatorenkämpfen dar. Das Oceanusmosaik wurde im zentralen Repräsentationssaal der Villa 1966 entdeckt. Ein marmorverkleidetes Wasserbecken mit Krater sowie ein halbrundes Triclinium (altrömische Lagerstatt, als Speisesofa von mehreren Personen genutzt) in der Apsis (halbrunder Raum) wurden nach den Ausgrabungsfunden rekonstruiert. Das Mosaik ist aus mehreren Szenen zusammengesetzt:  mediterrane Architektur, Hafen- und Schiffsszenen, vielfältiges Meeresgetier und Oceanus, der Herrscher aller Gewässer. Die Villa fiel bereits 260 und 275 Bränden zum Opfer. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts erfolgte eine Wiederbesiedlung, die sich auf den festungsartig ausgebauten Nordtrakt beschränkte.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr

(Die Museen im Rittergut Bangert bleiben im Februar geschlossen), www.museen-bad-kreuznach.de

Mehr Informationen zu Bad Kreuznachs Kur-, Kultur- und Freizeitangeboten unter www.bad-kreuznach-tourist.de

Text: Sonja Lehnert

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