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18.05.2011 14:25 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

Noch mehr reinMein-Geschichtliches - Kapitel Kapital


© obs/DVAG

Die reinMein-Entstehungsgeschichte ist eine Geschichte voller Wandel, auch Sinneswandel. Auf einer der zahlreichen Veranstaltungen für ExistenzgründerInnen: Gründerflirt, Best Excellence, von den Frauenbetrieben, der IHK bis hin zur Aufschwung-Messe und anderen, sprach ich immer wieder über unserem Businessplan. Nach einer dieser Veranstaltungen lächelte mir ein Jungunternehmer scheinbar wissend entgegen und prophezeite mir: „Der heißt Plan und bleibt ein Plan, weil alles anders kommen wird.“

Zitat aus unserem Business-Plan: „Unsere Zeitschrift ist authentisch, das bedeutet, dass der Magazininhalt und die Produktionsbedingungen des reinMein-Verlags den gleichen Werten folgen. Zu den Produktionsbedingungen zählen: a.) kurze Wege und persönliche Kommunikationsmöglichkeit durch die Beauftragung regionaler Firmen und DienstleisterInnen, b.) umweltverträgliche Herstellung, c.) faire Arbeitsbedingungen für die freien JournalistInnen d.) Innerbetriebliche Transparenz ebenso wie eine durchschaubare Geschäftspolitik. Unsere Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. unternehmerische Gesellschaftsverantwortung nehmen wir sehr ernst.“

Ob uns das bisher gelungen ist? 
Das beurteilen Sie, als LeserInnen, KundInnen, GeschäftspartnerInnen, unsere MitarbeiterInnen. Von unserer Seite: Wir bemühen uns, respektvoll mit den Ressourcen, Leistungen und Schreibwerken anderer umzugehen.

Doch ohne Geld geht es nicht. Über unsere Kapitalsuche könnten wir ein eigenes Buch schreiben. Mit unserer Geschäftsidee und unserem differenzierten Finanzbedarfs- und Finanzierungsplan, übrigens professionell begleitet von KOMPASS, dem Frankfurter Zentrum für Existenzgründungen, konnten wir immerhin die Direktion einer Bank überzeugen – die allerdings die Rechnung ohne ihre alles entscheidende Kreditabteilung gemacht hatte und uns nach verhandlungsreichen Wochen eine Absage erteilte. Zuversichtlich, weil wir uns nun wirklich jede verantwortbare Sicherheit aus den Rippen geleiert hatten, hatten wir zwischenzeitlich mit der Produktion begonnen. Was nun? Der KFW-Start-Kredit rückte in weite Ferne. Also ein anderer Weg…

Wie ein Krimi kam uns die Suche nach privaten InvestorInnen vor. Der erste Anrufer ohne Anrede schlicht: Wieviel brrrrauchst du?“ Aus dem In- und Ausland (Holland, Österreich, England, Italien, Togo) erreichten uns Angebote, nicht selten von unterdrückten Telefonnummern. Ohne genauere Anhaltspunkte zu haben, wurden wir nach Mailand, Marbella und sonstwohin eingeladen. „Wir investieren erst ab einer halben Million“ hörten wir häufiger oder man stellte zur Bedingung, wir müssten vorab eine Sicherheitsleistung zahlen. Auf dem Markt gibt es zudem die erstaunlichsten Geldvermehrungsmodelle. Ohne Erfahrung auf diesem Gebiet ist das Ganze wie ein gefährlicher Dschungel und so sagten wir möglicherweise auch seriöse Angebote ab, die uns vielleicht weitergeholfen hätten.

Ein paar Erfahrungen möchten wir an dieser Stelle gerne weitergeben:
Auf unsere Zeitungsanzeige erhielten wir sofort eine Lektion per SMS: „Nur ein Dilettant erwartet auf ein Kapitalgesuch unter einer anonymen Handynummer eine Antwort.“ Das hatte gesessen. Anderseits bekamen wir auch Anrufe mit Inhalten wie „Wie alt seid ihr denn und wie seht ihr aus?“ Das bestätigte unser Bedürfnis nach Daten-Zurückhaltung.

Rhetorisch gewieft und mit allen Manipulationstricks ausgestattet wurde versucht, uns um diverse Finger zu wickeln. Achtung bei

Gedrängel: "Das Angebot steht nur bis heute Mittag. Sie müssen sich schnell entscheiden." - Warum?

Lob ohne Grundlage: „Ich habe dem Investor gesagt, dass Sie gute Kunden sind.“ Zu dem Zeitpunkt wusste die Vermittlerin noch keine Einzelheiten über uns oder unser Business.

Forderungen von Sicherheitsleistungen oder Clubbeiträgen: es besteht ein hohes Risiko, dieses vorab investierte Geld nie wieder zu sehen, von einem zinsgünstigen Kredit ganz zu schweigen.

Unterdrückte Rufnummern und weder im Internet noch anders zu ermittelnde reale Firmenadressen. 

Rat, nicht die Freunde oder Bekannte zu fragen: Man ging davon aus, dass die das Empfehlungs- und Finanzierungsprogramm eh nicht verstehen würden, wenn man selbst es ihnen erklären würde. Wir sollten lieber die Telefonnummer des Investment-Anbieters weitergeben.

Ausfallversicherungen: Gute Idee grundsätzlich, aber wir fragten uns, weshalb und welche Versicherung für klitzekleine 15 Cent am Tag Venture Capital versichern würde?

Wir erhielten darauf keine Antwort mehr, weil wir Abstand von den Angeboten nahmen, in der Hoffnung, doch noch eine andere Existenzgründungsfinanzierung zu bekommen.   

„Business-Angels“, Bürgschaftsbank, Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen - wir haben sie alle abgeklappert. Den einen waren unsere Zahlen zu optimistisch, den anderen unsere Privatentnahmen im Gründungsjahr zu niedrig und private InvestorInnen interessieren sich in erster Linie eben für den ROI.  

Wir geben nicht auf und finden die berühmten „kreativen Lösungen“, die sich allerdings erst noch als solche erweisen müssen. Beispielsweise unser ausgetüfteltes Honorar-System für beteiligte Journalistinnen und Journalisten – es funktioniert nur, wenn ausreichend Interessentinnen und Interessenten die reinMein abonnieren. Reaktionen von „Klasse, absolut zeitgemäß“ bis Kopfschütteln haben wir vorab dafür geerntet. Ausgang offen…

Über Anregungen von Ihnen freue ich mich weiterhin.

Ihre
Dörthe Krohn


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