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18.09.2011 19:54 Alter: 8 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

Erdgasfahrzeuge sollen Anschub bekommen


© erdgas mobil GmbH

Pressekonferenz der Initiative Erdgasmobilität am 14.9.2011 auf der IAA, © Dörthe Krohn

IAA 2011, © Dörthe Krohn

IAA 2011, © Dörthe Krohn

Es gibt sie ja schon längere Zeit auf deutschen Straßen, derzeit etwa 90.000 Fahrzeuge, die sowohl mit einem Erdgas-Biomethan-Gemisch in einem Tank als auch Benzin in einem zweiten Tank fahren. Insbesondere bei privaten Pkw-Fahrerinnen und -fahrern hat sich die Technik jedoch noch nicht wirklich durchgesetzt. Angst vor technischen Problemen nach Garantieablauf bzw. ungeklärter Zuständigkeit im Garantiefall, wenn der Pkw nicht vom Hersteller selbst umgerüstet wurde, und ein nur gemächlich wachsendes Tankstellennetz lassen die Käuferinnen und Käufer eher zurückhaltend zugreifen. Dabei könnten Erdgasfahrzeuge heute schon in großem Stil zur Reduzierung von CO2-Emissionen beitragen.

Im Rahmen der IAA gaben am 14. September 2011 fünfzehn Repräsentanten namhafter Firmen, Vereine und Verbände ihre Absicht kund, die Erdgas- und Biomethan-Technologie im Verkehr zu forcieren. „Wir haben keine Illusionen, sondern wir machen praxistaugliche Vorschläge, wie die Klimaziele umgesetzt werden können“,  erklärte  Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energieagentur (dena) und bekennender Erdgasautofahrer. Sowohl die Fahrzeugtechnik, mit der fast jedes Modell ausgestattet werden kann, als auch ein Netz von derzeit 900 Tankstellen in Deutschland sind verfügbar und könnten sofort spürbar dazu beitragen, umweltschädliche Abgase zu vermeiden. Man muss nicht darauf warten, bis die Elektromobilität ausgereift ist, wer heute einen Klimabeitrag leisten will, kann sofort auf Erdgas um- und einsteigen.

Folgendes Vorhaben und Szenario hat die „Initiative Erdgas“ prognostiziert. Bis 2020 könnten mit Hilfe von Erdgas als Kraftstoff circa eine Million Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden. Wenn 20 % Biogas beigemischt werden, sind es sogar zwei Millionen Tonnen. Voraussetzung ist, dass bis 2020 1,4 Millionen Erdgasfahrzeuge unterwegs sind. Ein wichtiges Ziel ist dabei, die nachhaltige Produktion von Biomethan aus Rest- und Abfallstoffen voranzubringen und so die Nutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu vermeiden.

„Mir ist eine Absichtserklärung eigentlich zu wenig“, so Jens Andersen, Leiter Aggregatmanagement bei Volkswagen. VW hat mit dem Passat TSI EcoFuel und dem Touran TSI EcoFuel bereits ausgezeichnete PKWs auf dem Markt. Im Kleinwagensegment soll der auf der IAA neu vorgestellte „up!“ ab nächstem Jahr mit Erdgasantrieb erhältlich sein. Es folgen Audi A3 (2013) und Audi A4 (2015). 

Der Frankfurter Taxiunternehmer Ismail Ilbay ist seit 2006 Fahrer eines Erdgasautos. Der Mercedes der ersten Generation hatte noch ein paar Macken, aber der E 200 NGT, den er 2008 kaufte, überzeugte ihn restlos. Als ersten Vorteil nennt er ganz klar die Umweltschonung, danach die Kosten.  Ismail Ilbay hat ein paar Daten parat: Seit 2008 legte das Erdgasfahrzeug  rund 425.000 Kilometer zurück. In diesen dreieinhalb Jahren konnten im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug 15.000 Euro Spritkosen gespart werden. Das Taxi ist im Schichtdienst rund um die Uhr im Einsatz und muss daher etwa zwei Mal täglich betankt werden, weil die Tankkapazität im Stadtverkehr nur für etwa 250 Kilometer ausreicht. Doch darin sieht Ismail Ilbay kein großes Problem. In Frankfurt gibt es fünf, in Offenbach zwei, in Neu-Isenburg bisher eine Erdgastankstelle. Außerdem kann man sich ein App oder eine Broschüre zulegen, wo die Tankstellen verzeichnet sind. Ein Kilogramm Erdgas kostet aktuell 1,10 Euro, ein Mal Volltanken rund 20 Euro. Ismail Ilbay rechnete aus, dass die Kosten für 250 Kilometer bei einem Diesel bei etwa 30 Euro liegen würden und bei einem Benziner sogar bei über 40 Euro. Hinzu kommen Versicherungs- und Steuervergünstigungen. Der etwa 2.500 Euro teurere Anschaffungspreis hat sich gegenüber einem herkömmlichen Modell schnell amortisiert. Weil Erdgas ein Trockengemisch sei, komme es insgesamt zu geringerem Verschleiß. Die Erdgas-Komponente habe erst zwei Mal während der zweieinhalbjährigen Garantiezeit einen Werkstattbesuch erforderlich gemacht. „Ich zeige auch meinen Kollegen die Vorteile auf und auch die Kunden sind immer ganz interessiert und wollen mehr über das Erdgasauto wissen“, so Ismail Ilbay. Sein nächstes Auto wird in jedem Fall auch wieder eines mit Erdgasantrieb sein.

Der neuere E 200 NGT BlueEFFICIENCY  kombiniert die Reichweite eines Benziners mit der Umweltverträglichkeit und Effizienz eines Erdgasantriebs, wirbt Daimler. Außerdem hat Daimler den Sprinter mit „Natural Gas Technology“ (NGT), Busse und Trucks im Programm und will, so Bernhard Heil, Vice President Mercedes-Benz Cars und Leiter Entwicklung Pkw-Motoren und Triebstrang, auch „ohne Strom nachhaltiger fahren“. Erdgas sei eine Lösung, die man nicht im Konjunktiv beschreiben müsse, so Heil. Im bivalenten Betrieb kann ein Fahrzeug mit zwei Antriebsmöglichkeiten, nämlich Erdgas oder Benzin, 1.000 Kilometer Reichweite schaffen.

Auch andere Automobilhersteller bieten mit Erdgas betriebene Serienfahrzeuge an. So sind beispielsweise der neue Opel Zafira Tourer und der Combo, die als Weltpremiere auf der IAA gezeigt wurden, auch in einer „Compressed Natural Gas“ (CNG)-Variante erhältlich.

Ein wichtiger Partner der „Initiative Erdgas“ ist die Verbio Vereinigte BioEnergie AG. Dem Erdgas Biogas beizumischen ist nur dann vertretbar, wenn keine Nahrungsmittel hierfür verarbeitet werden. Das Gas von Verbio wird ausschließlich aus Restrohstoffen wie Schlempe (Destillier-Rückstände) und Stroh hergestellt. Dafür gab es am 6. September 2011 den ÖkoGlobe in der Kategorie „Innovativer Energieträger und -speicher“. Das Biogas entsteht in einer völlig neuartigen Bio-Raffinerie, wird auf Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist.  

Die Absichtserklärung wurde an Dr. Andreas Scheuer, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung übergeben, denn die Initiative fordert politische Rahmenbedingungen, um die Erdgasmobilität für einen breiten Kundinnen- und Kundenkreis interessanter zu machen. Dazu gehört die Verlängerung der Energiesteuerermäßigung auf Erdgas über 2018 hinaus bis 2025, die Vereinheitlichung und Transparenz bei der Preisauszeichnung, Anreizsysteme für Nutzfahrzeuge und Fahrzeugflotten, eine marktgerechte Ausgestaltung der KfW-Förderprogramme zum Bau von Erdgastankstellen und anderes. Zur Absichtserklärung

Zum Weiterlesen:
www.erdgas-mobil.de mit Tankstellenfinder
Erdgastankstellen in Europa: www.gibgas.de/Tankstellen/Europainfos

www.erdgasfahrer-forum.de

Text: Dörthe Krohn

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